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Bundeswehr

Neue Vorwürfe: Marschieren bis zum Umfallen

Vorwürfe wegen Ausbildungspraktiken in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf. Sechs Soldaten brechen Geländelauf wegen Erschöpfung ab.

21.02.2018

Von PETRA WALHEIM

Die Ausbildungspraktiken in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf stehen erneut in der Kritik. Foto: Thomas Warnack/dpa

Pfullendorf. Wer sich im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in der Staufer-Kaserne in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) ausbilden lässt, darf nicht zimperlich sein. Aber dürfen die Anforderungen an die zukünftigen Soldaten von Spezialeinheiten so weit gehen, dass sie vor Erschöpfung kollabieren? Diese Frage stellt sich angesichts neuer Vorwürfe, die die Ausbildung in der Staufer-Kaserne betreffen. Wie erst jetzt bekannt wurde, mussten Anfang Januar sechs Soldaten einen Geländelauf „auf Grund von körperlicher Erschöpfung oder Verletzung“ abbrechen. Ein Soldat sei vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden, informiert das Kommando Heer der Bundeswehr. Wie es dazu kam, wird untersucht. Ein Ausbilder wurde bereits von seiner Aufgabe entbunden.

„Das Heer nimmt den Vorfall sehr ernst und ist dabei, die Umstände, die dazu führten, umfassend zu ermitteln“, heißt es in der Stellungnahme. Dazu sei eine Untersuchungsgruppe eingerichtet worden. Der „Spiegel“ hatte gestern berichtet, ein Ausbilder von Unteroffiziersanwärtern habe die Soldaten so lange marschieren lassen, bis mehrere von ihnen zusammengebrochen seien. Einer habe das Bewusstsein verloren.

Die Staatsanwaltschaft Hechingen hat noch keine Ermittlungen eingeleitet. Zunächst werde bei der Bundeswehr eine Stellungnahme zu den Vorwürfen eingeholt, sagte ein Sprecher. Es müsse erst geprüft werden, ob ein strafbares Verhalten vorliege.

Der neuerliche Vorfall in Pfullendorf erhält eine besondere Brisanz, weil dort Anfang 2017 sexuell-sadistische Aufnahme-Rituale für neue Auszubildende bekannt geworden sind. Die Konsequenz daraus war, dass mehrere Soldaten versetzt, vier entlassen wurden. Außerdem erinnert der Vorfall an einen Übungsmarsch im Juli 2017 im niedersächsischen Munster, bei dem ebenfalls mehrere Soldaten zusammengebrochen waren. Ein Offiziersanwärter war damals an multiplem Organversagen gestorben. Die Bundeswehr hatte damals von „nicht sachgerechten Entscheidungen“ der Befehlshaber gesprochen. Unter anderem hätten die körperlichen Anforderungen an die Anwärter nicht deren Leistungsstand entsprochen.

Bartels wirbt um Augenmaß

Auch zu Pfullendorf weist das Kommando Heer darauf hin, dass der „individuelle Trainingsstand zu Beginn der Ausbildung“ ausreichend berücksichtigt werden müsse. „Das Heer prüft, wie eine genauere Analyse der körperlichen Fitness zu Beginn der Ausbildung umgesetzt werden kann.“

Als „besorgniserregend“ bezeichnet die Grünen-Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger, Mitglied im Verteidigungsausschuss, die Parallelen zwischen den Fällen. „Wenn man solche tragischen Ereignisse verhindern will, darf die Aufklärung nicht dauernd verzögert und verschleppt werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Für den Standort Pfullendorf sei das ein neuerlicher Schlag ins Kontor, sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels. Er warnt davor, die Vorfälle zu pauschalieren und vorschnelle Konsequenzen zu ziehen. Die Vorwürfe müssten aufgeklärt werden. „Da war auch nicht alles richtig, was an Aufklärung im vergangenen Jahr gelaufen ist“, sagt Bartels. „Ich werbe um Augenmaß.“

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Erstellt:
21. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 06:00 Uhr

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