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Glücksspiel für die Bildung

Neue Soziallotterie geht an den Start

Gewinnen und Gutes tun - so werben Fernsehlotterie und Aktion Mensch. Die seit vielen Jahrzehnten etablierten Soziallotterien bekommen neuerdings Konkurrenz. Das ist eine Folge des Internets.

03.07.2018
  • Claus Haffert, dpa

Auf dem Glücksspielmarkt in Deutschland gibt es einen neuen Mitspieler: eine Lotterie, die Geld für Bildungsprojekte mobilisieren soll. Am kommenden Dienstag (3. Juli) soll die erste Ausspielung der Bildungs-Chancen-Lotterie sein, die mit Hauptgewinnen im Wert von bis zu zwei Millionen Euro lockt. Hinter dem Newcomer stehen der Stifterverband, der vor allem Stiftungen aus der deutschen Wirtschaft betreut, die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

„Es gibt noch keine Lotterie für die Bildung“, antwortet Andreas Schlüter, der Generalsekretär des in Essen angesiedelten Stifterverbands, auf die Frage, warum noch eine weitere Lotterie auf den dicht besetzten Glücksspielmarkt in Deutschland drängen will. Die Erträge aus der Lotterie sollen in die Förderung von Projekten entlang der gesamten Bildungskette von der Kita bis zum lebenslangen Lernen fließen. Nicht nur in Deutschland, sondern etwa über die SOS-Kinderdörfer auch weltweit.

„Solchen Projekten mit innovativen Ansätzen fehlen oft die finanziellen Mittel, um Menschen langfristig zu fördern“, sagt Schlüter. Dafür solle die Lotterie Geld beschaffen. Als Ersatzfinanzier für den Staat verstehe sie sich aber nicht.

Die Bildungslotterie ist eine sogenannte Soziallotterie. Damit tritt sie gegen die Fernsehlotterie und die Lotterie Aktion Mensch an, bei denen die Spieler seit vielen Jahren gewinnen und Gutes tun können.

Dort wird die Entwicklung der neuen Konkurrenz genau beobachtet. „Jeder neue Anbieter ist ein Wettbewerber und wird von uns sehr ernst genommen“, sagt Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch. Denn die neue Konkurrenz werbe um die gleichen Kunden. „Das darf man nicht unterschätzen.“

Die Aktion-Mensch-Lotterie hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 450 Millionen Euro umgesetzt. Damit ist sie die mit Abstand größte Soziallotterie. Bei der Deutschen Fernsehlotterie betrug der Umsatz gut 184 Millionen Euro. Die Umsätze der Soziallotterien stagnieren nach Angaben der Aktion Mensch seit Jahren. Mindestens 30 Prozent der Einnahmen müssen in soziale Zwecke fließen, weitere mindestens 30 Prozent werden als Gewinne ausgezahlt - so sieht es der Glücksspielstaatsvertrag vor. Mit dem Rest wird die Lotteriesteuer an den Staat abgeführt und die Organisation bezahlt.

Ob die Konkurrenz von diesem Kuchen viel abknabbern wird oder neue Spielerschichten erschließen kann, ist offen. Professor Tilman Becker von der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim sieht jedenfalls nur geringe Chancen für neue Anbieter, größere Umsätze zu erzielen. „Aktion Mensch und die Deutsche Fernsehlotterie sind seit Jahren etabliert. Da wird es schwer für neue Lotterien.“ Denn die Etablierten profitierten von ihrer engen Bindung an die Fernsehsender ARD und ZDF.

Die Bildungslotterie ist nicht der einzige Anbieter, der neu auf den Glücksspielmarkt drängt. Im Juli 2016 war in Düsseldorf die Deutsche Postcode Lotterie an den Start gegangen, die Tochter einer niederländischen Sozialmarketing-Agentur, die mit ihren Lotterien in den vergangenen 30 Jahren mehr als 8,5 Milliarden Euro für gute Zwecke mobilisiert haben will.

In Deutschland machte die Lotterie, bei der mit der eigenen Postleitzahl plus Buchstabenkombination gespielt wird, im vergangenen Jahr den Angaben nach einen Umsatz von 11,6 Millionen Euro, knapp 3,5 Millionen Euro flossen in lokale und regionale Projekte.

Kleiner ist die Weihnachtslotterie, die bei ihrer Ausspielung im vergangenen Jahr Lose für rund 3,7 Millionen Euro verkaufen konnte. Profitiert haben unter anderem die Stiftung Lesen und die Stiftung des Fußballers Lukas Podolski. Die Neuen auf dem Markt haben damit noch keine Umsätze, die den großen Lotterien ernsthaft wehtun.

Die neuen Lotterien verkaufen ihre Lose über das Internet. „Als wir vor vier Jahren die Idee für die Bildungslotterie entwickelt haben, war der Online-Markt noch nicht besetzt“, erinnert sich Schlüter. Mittlerweile ist das anders. Auch bei der Aktion Mensch spielt das Internet beim Losverkauf eine immer wichtigere Rolle. „Das ist der einzige wachsende Vertriebsweg“, sagt Vorstand von Buttlar. Nur so könne man jüngere Spieler erreichen.

Der Start einer neuen Lotterie benötigt viel Zeit und auch Geld. Mit 20 Millionen Euro beziffert Stifterverbands-Generalsekretär Schlüter die Anlaufkosten für die Bildungslotterie. Geld, das bekannte Namen aus der deutschen Wirtschaft wie Christian Boehringer oder Bettina Würth als Risikokapital zur Verfügung gestellt haben, wie Schlüter berichtet. Die Drogeriekette Rossmann werde ab Oktober Losgutscheine verkaufen, die dann im Internet eingelöst werden könnten.

Im kommenden Jahr will die Lotterie zehn Millionen Euro umsetzen. Nach etwa zehn Jahren könnten es dann 100 Millionen Euro im Jahr werden - hoffen die Initiatoren.

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03.07.2018, 06:00 Uhr
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