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Gerüstet gegen Terroristen

Neue Schutzwesten und Maschinenpistolen für die Polizei im Südwesten

Die Anschläge von Paris haben gezeigt: Der Einsatz gegen Terroristen kann für die Polizei wie Krieg sein. Baden-Württemberg rüstet deshalb nach - mit 3000 neuen Maschinenpistolen und weiteren Schutzwesten.

13.02.2016
  • ROM/DPA

Stuttgart. Den Tatort sichern, absperren und auf die Ankunft der Spezialeinsatzkräfte warten - diese Taktik der Polizei ist längst nicht mehr zeitgemäß. Bei Terroranschlägen oder Amokläufen zählt jede Minute, um Menschenleben zu retten - und so kommt es häufig auf "einfache" Streifenpolizisten an, in akuten Gefahrensituationen einzugreifen.

Die nötige Ausrüstung muss mit diesen neuen Anforderungen mithalten. Für den Anti-Terror-Kampf wird die baden-württembergische Polizei nun mit 3000 neuen Maschinenpistolen und weiteren Brust- und Rückenpanzern ausgestattet. Anlass für die Aufrüstung sind die Anschläge von Paris, wie Innenminister Reinhold Gall (SPD) sagte. Dort seien Streifenpolizisten auf "militärisch" agierende und gerüstete Terroristen mit Kriegswaffen und Sprengstoffen getroffen .

Schon der Amoklauf von Winnenden 2009 habe belegt, dass es für die ersten Polizisten am Tatort nicht nur mehr darum gehe, die Lage zu stabilisieren. "Die Täter müssen gestoppt und handlungsunfähig gemacht werden", betonte Gall. "Die ersten Polizisten am Einsatzort können nicht warten, bis die Spezialkräfte da sind." Das Umdenken hatte der Amoklauf in Erfurt 2008 ausgelöst hat. Damals hatte es etwa eine Stunde gedauert, bis Spezialkräfte die Schule stürmten, in dem der Amokläufer um sich schoss. Die Polizei hatte das Gebäude nur abgeschirmt und abgewartet. Wäre der Täter nicht frühzeitig von einem Lehrer in einen Raum gesperrt worden, hätte er weit mehr als 16 Menschen ermorden können. Seitdem wurde die Einsatztaktik geändert, es gab umfangreiche Amok-Schulungen und bessere Ausrüstung. Bereits beim Amoklauf an einer Winnender Schule im März 2009 gingen Polizisten direkt ins Gebäude, der Täter Tim K. floh vom Tatort. Beim Amoklauf in Lörrach 2010 stellten zwei Streifenpolizisten die Täterin in einer Klinik und erschossen sie. Einer der beiden war ein Ehrenamtlicher im (mittlerweile abgeschafften) freiwilligen Polizeidienst.

Für den Anti-Terror-Kampf brauche die Polizei im Land allerdings auch Waffen mit größerer Reichweite, elektronischer Zielhilfe und Munition mit größerer Durchschlagskraft, sagte Gall. Auch müssten die Beamten mit einem zusätzlichen Panzer geschützt werden. Beides werde nun europaweit ausgeschrieben. Spätestens Anfang 2017 sollen dann für den Fall der Fälle landesweit jedes Revier und jeder Streifenwagen damit ausgestattet sein. Paris habe auch gezeigt, dass die Polizei nicht nah genug an die hochgerüsteten Terroristen herankomme, um mit den alten Maschinenpistolen des Typs Heckler & Koch MP5 aus den 1970er- und 1980er-Jahren mit ihrer geringen Reichweite etwas ausrichten zu können, berichtete Landespolizeipräsident Gerhard Klotter. Die neuen Pistolen sollen eine Reichweite von 50 Metern und mehr haben.

Wog die Schutzkleidung der Polizisten samt Weste und Schulterpanzer für sogenannte Amoklagen rund zwölf Kilo, kommen mit dem geplanten neuen Überwurf nochmal sechs Kilo dazu, hieß es. Die Beamten müssten aber auch beweglich bleiben, so Klotter. "Beweglichkeit schafft Sicherheit." Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Rüdiger Seidenspinner, hält die Aufrüstung für "dringend notwendig." Er sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Wenn man sich anschaut, was sich weltweit an Kalaschnikows und anderen Kriegswaffen auf dem freien Markt befindet, können die Kollegen auf diese Ausrüstung nicht verzichten." Das Geld für Waffen und Schutzpanzer - laut Gall rund 13 Millionen Euro - stammt aus dem insgesamt rund 30 Millionen Euro umfassenden Anti-Terror-Paket. Mit diesem hatte die grün-rote Landesregierung auf die Anschläge von Paris reagiert.

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13.02.2016, 08:30 Uhr
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