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Verbraucherschützer warnen vor der Revolving-Kreditkarte

Neue Schuldenfalle droht

Die EU will den Wettbewerb unter den europäischen Banken anfachen. Ihre neue Zahlungsdiensterichtlinie birgt aber auch die Gefahr einer neuen Schuldenfalle für Verbraucher, warnen deutsche Experten.

20.07.2009
  • ALEXANDER BÖGELEIN

Selten waren sich Verbraucherschützer, Bundesregierung und Bankenverband so einig. An der Einführung der so genannten Revolving-Kreditkarten finden sie wenig Gutes. Doch weil die Bundesregierung gezwungen ist, die EU-Zahlungsdiensterichtlinie nahezu 1:1 umzusetzen, droht vom 1. November an eine zusätzliche Verschuldungsgefahr für Verbraucher. Denn von diesem Tag an dürfen Zahlungsdienstleister in Deutschland aktiv werden, die keine Banklizenz besitzen müssen und nur vereinfachten Aufsichtsregeln unterliegen. Diese Anbieter dürfen Geldbeträge und Zahlungsvorgänge entgegennehmen - im Falle des Kreditkartengeschäfts bis zu einem Jahr. "Die EU will den Wettbewerb unter den 6000 Banken in Europa verschärfen ", sagt Dirk Stein, Verbraucherexperte des Bundesverbandes deutscher Banken. Die deutschen Institute haben nach seinen Worten nichts gegen mehr Wettbewerb, jedoch stört sie, dass die neue Konkurrenz nicht so strengen Auflagen unterliegt und "Kreditgewährung unter sehr einfachen Bedingungen möglich ist. Insgesamt bedeute die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht einen Systemwechsel. "Die Kreditvergabe durch Nichtbanken ist ein Novum für Deutschland. Bisher war eine Bank­Lizenz zwingend erforderlich ", sagt Stein. Das birgt Gefahren, vor allem bei der so genannten Revolving-Kreditkarte. Die in Deutschland bisher übliche Kreditkarten bezeichnen Fachleute als "unechte Kreditkarte ". Denn sie dient in erster Linie als bequemes Zahlungsmittel. Die Summe, die per Karte bezahlt wird, holt sich das Kreditkartenunternehmen am Ende des Monats vom entsprechenden Girokonto. Auf die Revolving-Kreditkarte dagegen gibt es Kredit, den der Kunde quasi nachladen kann. Die Bundesregierung habe zumindest erreicht, dass die Verbindlichkeiten spätestens nach einem Jahr zurückgezahlt werden müssen, sagt eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums. Ansonsten gab es wenig Spielraum. Das bedauert auch Frank-Christian Pauli, Bankenreferent vom Verbraucherzentrale-Bundesverband in Berlin. Denn die Kunden müssen die Schulden, die sie auf die Kreditkarte aufnehmen, aktiv zurückzahlen. Das erfordert, über den Zahlungsrückfluss Buch zu führen. Ansonsten drohen unliebsame Überraschungen: Auf die ausstehenden Beträge werden Zinssätze in Höhe des Dispo-Kredits fällig - die betragen derzeit im Schnitt rund 12 Prozent. "Mancher der Anbieter rechnet wohl mit der Nachlässigkeit der Kunden, vermutet Pauli. " Ihn stört auch die Intransparenz der Kosten für die Verbraucher. So kann die Revolving-Kreditkarte nicht nur schnell zur Kosten-, sondern auch zur Schuldenfalle werden. Experten und Politiker haben die Sorge, dass die deutschen Verbraucher mit solchen Kreditkartenangeboten förmlich überschüttet werden. Pauli und Stein erwarten, dass nicht nur Handelskonzerne, sondern auch Telekom- und Internetunternehmen Interesse haben, diese Zahlungsdienstleistung anzubieten. Vor diesem Hintergrund fordert die bayerische Verbraucherministerin Beate Merk: "Die Richtlinie darf nicht in deutsches Recht umgesetzt werden, ohne gleichzeitig die notwendigen Schutzvorkehrungen zu treffen! Auch Nichtbanken müssen vom Gesetzgeber verpflichtet werden, vor Ausgabe revolvierender Kreditkarten die Zahlungsfähigkeit des Kunden zu prüfen. " Wohin die kurzfristige Vergabe von Krediten ohne Überprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Verbraucher führen könne, "hat uns die US-Kreditwirtschaft leidvoll vor Augen geführt ", mahnt Ministerin Merk. Während hierzulande kurzfristiger Kreditbedarf häufig über die vorab vereinbarte Überziehung des Girokontos erfolgt, gibt es diesen Dispo-Kredit weder in Großbritannien noch in den USA. Dort erfolgt diese kurzfristige Kreditaufnahme über Kreditkarten. Den deutschen Verbrauchern stehen künftig beide Varianten offen. Allerdings, so Dirk Stein vom Bankenverband, bleibe abzuwarten, ob bonitätsschwache Kunden solche Kreditkarten erhalten werden.

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20.07.2009, 12:00 Uhr
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