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Leitartikel · IG Metall

Neue Macht

Wer die Zeitung der IG Metall vom September aufschlägt, findet darin "14 gute Gründe, Mitglied zu sein". Ganz oben steht: "Spaß haben".

22.10.2015
  • Thomas Veitinger

Das ist sicher keine programmatische Aussage. Aber es sagt etwas über die Arbeitnehmerorganisation aus, die sich noch vor wenigen Jahren vor allem dem männlichen Facharbeiter an der Werkbank widmete, der Haupternährer in der Familie war und seine Gewerkschaftstätigkeit wohl eher nicht mit "Spaß haben" verband. Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Anforderungen an die IG Metall. Spiegelbild für andere Zeiten sind die neuen Vorsitzenden.

Jörg Hofmann und Christiane Benner sind das Duo, das für neue gesellschaftspolitische Ziele und ein anderes Herangehen steht. Dass der integrative und innovative Hofmann und die entschiedene Verfechterin der Frauen-Quote und Soziologin Benner die größte Einzelgewerkschaft der Welt führen sollen, ist eine historische Wende. Und ein Risiko. Denn auch wenn Angestellte, Frauen, Jugend und Migranten heute dazugehören - der traditionelle Arbeiter aus der Produktion bildet noch immer den Kern der Gewerkschaft und sollte sich gut aufgehoben fühlen. Einigkeit ist gefragt, wie beim Gewerkschaftstag in Frankfurt zu sehen ist. Trotz Fortschritten bei Tarif, Rente und Weiterbildung sowie guten Beschäftigungszahlen gibt es eine Vielzahl von Aufgaben. Dabei muss die IG Metall aufpassen, nicht zu hohe Erwartungen zu wecken und bei der Umsetzung vor lauter Kraft etwas zu zerstören, was sie hinterher bereut.

Der Schulterschluss mit der Politik ist beinahe unheimlich, wie am ersten Gewerkschaftstag zu sehen war, als sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der Noch-IG-Metall-Chef Detlef Wetzel gegenseitig bauchpinselten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte mit dem Handelsabkommen TTIP eigentlich nur einen Dissens in ihre Gastrede eingebaut. Hofmann hat gute Drähte zur Politik. Auch dies hat die Lage der IG Metall verbessert.

Dass die Gewerkschaft nach einer langen Durststrecke wächst, ist eine weitere gute Nachricht für sie - selbst wenn sie weit von früheren Mitgliederzahlen entfernt ist und der Organisationsgrad durch die vielen neu entstandenen Jobs sinkt. Für jüngere Mitglieder und Frauen ist die 47-jährige Benner ein Aushängeschild.

Bei einigen Fragen hat die Gewerkschaft allerdings keine Antworten parat. Wie lässt sich die digitale Zukunft in der Industrieproduktion stemmen? Wie der Kampf gegen prekäre Beschäftigung führen, wenn er selbst in guten Zeiten nicht gewonnen wird? Wie wird flexiblere Arbeit durchgesetzt? Die Wertschöpfung der Industrie am Bruttoinlandsprodukt soll steigen, die Auslagerung nicht weiter zunehmen - aber wie?

Für kleinere Unternehmen sind die Tarifabschlüsse der Vergangenheit teuer und kompliziert. Wenn die IG Metall hier ihre Macht zu rigoros einsetzt - etwa, indem sie Arbeitsniederlegungen vor den Urabstimmungen ausbaut -, könnte dies mehr kaputt machen als nützen.

Zurzeit schwimmt die IG Metall obenauf. Das kann sich in einer Rezession ändern. Nur gut, dass Hofmann und Benner für Kooperation statt Konfrontation stehen. Ihre Forderungen sind bewusst unrealistisch, wie in Tarifverhandlungen findet sich die Realität in der Mitte. Jetzt müssen sie nur noch die Mitglieder hinter sich bringen und ihnen klar machen, dass Gewerkschaftsarbeit Spaß machen kann - aber vieles von ihrem Engagement und Verständnis abhängt.

Bei einigen Fragen

hat die Gewerkschaft keine Antworten

leitartikel@swp.

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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