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Zeitenwende für Airbus

Neue Konkurrenz für den Flugzeugbauer aus vielen Ländern

Die Ära ihres Duopols Airbus und Boeing läuft ab. Chinesen und Japaner, Russen und Koreaner, Kanadier und Brasilianer fordern die Flugzeugbauer heraus. Diese planen aber ihre Verteidigung.

16.07.2010

Von HANS-HERMANN NIKOLEI, DPA

Paris/Farnborough A wie Airbus, B wie Boeing, C wie Comac: So heißt möglicherweise das Trio, das künftig den Weltmarkt für große Verkehrsflugzeuge beherrscht. Der chinesische Comac-Konzern will mit seinem Mittelstreckenjet C919 das Kerngeschäft von Airbus und Boeing angreifen. Er ist nicht allein: Auch Kanadier, Russen, Japaner und Brasilianer rüsten zum Angriff auf die beiden Flugzeuggiganten. Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough nahe London in der kommenden Woche wird ein Kräftemessen erwartet, bei dem die beiden Rivalen Airbus und Boeing noch dominieren werden.

Alle Neulinge zielen auf die Verkaufsschlager A320 von Airbus und B737 von Boeing. Die bewährten Mittelstreckenjets sind mit 70 Prozent der geplanten Auslieferungen in den nächsten 20 Jahren das "Brot-und-Butter-Geschäft" der beiden Hersteller. Beide Anbieter wollen ihre Goldesel möglichst lang unverändert weiterbauen. Beide haben noch Bestellungen für je mehr als 2000 Maschinen in den Büchern; die wollen sie nicht entwerten. Airbus will im Dezember seine A320-Fertigung sogar von 34 auf 36 im Monat erhöhen, Boeing die 737- Monatsproduktion bis Anfang 2012 auf 34 Flugzeuge aufstocken. Da hat eigentlich keiner Lust auf teure Neuentwicklungen.

Wenn die C919 nicht wäre: C steht dabei für China, 9 für langes Leben und 19 für die Kapazität bis 190 Sitze. Der Erstflug ist für 2014 vorgesehen. Schon 2016/17 sollen die ersten Exemplare an chinesische Kunden gehen. Der Binnenmarkt ist enorm, denn China will bis 2020 die Zahl seiner Flughäfen von gut 160 auf 250 erhöhen und braucht langfristig 3000 neue Flugzeuge mit mehr als 100 Plätzen. Gestützt auf diesen starken Heimatmarkt will Comac die Welt erobern.

Schon jetzt werden große Flugzeuge in China montiert: Airbus lässt in Tianjin wie in Hamburg und Toulouse A320 aus der Halle rollen.

Doch den großen Sprung macht China mit dem C919-Werk Shanghai. Dort entsteht auch ein Entwicklungszentrum für 3500 Ingenieure. Und der französisch-amerikanische Triebwerkbauer Safran-GE wird dort Triebwerke montieren, die zehn bis 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als die CFM-56 der A320 oder der B737.

C wie China? Geht es nach den Kanadiern, heißt der große Wilderer im Airbus-Revier nicht Comac, sondern C-Series. Die schon halb aus Verbundstoffen gebauten Flugzeuge von Bombardier bieten bis 145 Sitze und sollen ab 2013 eingesetzt werden. Die Lufthansa ist Startkunde mit 30 Maschinen. Aber auch die Russen denken nach dem Start des Super-Jet 100 an Größeres und wollen um 2016 die MS-21 ins Rennen werfen, deren Langversion sogar 230 Plätze bietet. In Japan will Kawasaki 2020 ein Flugzeug mit 150 Plätzen herausbringen. Da kann auch der drittgrößte Flugzeugbauer der Welt Embraer (Brasilien) nicht zurückstehen und plant ebenfalls Maschinen im A320-Format.

Doch die Duopolisten schlagen zurück. Boeing modernisiert die neueste Version seiner seit 1967 eingesetzten B737 erneut und denkt zudem an neue Triebwerke. Airbus versieht seine A320 mit "sharklets" (abknickende Flügelenden), die 3,5 Prozent Sprit sparen, und will bis Weihnachten ebenfalls über neue Motoren entscheiden. Eine runde Milliarde müsste Airbus bis 2015 für die A320 Neo investieren. Das könnte Angreifer abschrecken, hofft Airbus. "Ein Eintritt in diesen Markt wäre schon ein sehr aggressiver Schritt", gesteht Embraer-Chef Frederico Fleury Curado ein.

Arbeiter installieren ein Modell des C919 auf der Shanghai New International Expo in China. Airbus und Boeing rüsten sich gegen Konkurrenz aus China. Foto: dpa

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Erstellt:
16. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2010, 12:00 Uhr

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