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Mörderjagd nach 32 Jahren

Neue DNA-Tests laufen: Wer hat die Schnaitheimerin Sabine Rahn getötet?

Seit 32 Jahren läuft der Mörder der Heidenheimerin Sabine Rahn frei herum. Mit Gen-Tests versucht die Polizei, das Verbrechen von 1983 doch noch aufzuklären. Knapp 200 Männer wurden angeschrieben.

28.10.2015
  • ERWIN BACHMANN

Ulm/Schnaitheim Lebt der bis heute unerkannt gebliebene Mörder nach wie vor mitten unter uns? Die Frage quält nicht nur die Angehörigen der jungen Frau aus Schnaitheim, sondern bewegt bis heute im Heidenheimer Vorort viele Menschen.

Am 11. März 1983 hatte Sabine Rahn die elterliche Wohnung in Heidenheim-Schnaitheim verlassen. Die 18-Jährige wollte sich mit Freundinnen in einer Heidenheimer Disco namens "Coupé" zu treffen. Das war gegen 20.30 Uhr. Schon zu diesem Zeitpunkt verlieren sich die Spuren im Dunkel eines Sexualverbrechens und Tötungsdelikts - bis heute. Die grausame Entdeckung machten Kinder am folgenden Montag, als sie beim Spielen in einer Fichtenschonung am Ortsrand von Nattheim auf die vollständig bekleidete Leiche der jungen Schwimmmeistergehilfin stießen.

Die Ermittlungen von damals füllen 20 Leitz-Ordner. Die Kriminalinspektion I in Ulm hat jetzt diesen Aktenbestand aus dem Regal geholt. Das hängt mit der Polizeireform zusammen: Ungelöste Kapitalverbrechen sollten in allen neu zugeschnittenen Polizeipräsidien noch einmal angesehen und die Chancen einer späten Aufklärung ausgelotet werden. Der Fall Sabine Rahn erschien dabei erfolgversprechend. Zum einen stellte man fest, dass die mehr als 30 Jahre zurückliegenden Ermittlungen auch nach heutigem Standard sehr gut geführt worden sind, so dass eine Zusammenführung, Verknüpfung und Auswertung aller Daten nach moderner Methodik lohnenswert erscheint. Zum anderen steht fest, dass man mit einer 1983 am Tatort gefundenen DNA-Spur noch heute arbeiten kann.

Die Frage, wo, wann und von wem Sabine Rahn damals missbraucht und dann erwürgt oder stranguliert worden ist, hat schon viele Kriminalisten und Staatsanwälten bewegt. Was man weiß: Es war die Zeit, als junge Leute noch oft per Anhalter unterwegs waren. Sabine Rahn hatte da anscheinend keine Ausnahme gemacht, doch geht man bis heute davon aus, dass die Schnaitheimerin auf dem Weg nach Heidenheim wohl nicht zu einem völlig Fremden ins Auto gestiegen ist. Von Anfang an wurde hinter dem rätselhaften Mord eine wie auch immer geartete Beziehungstat vermutet.

Der Aufwand, dem Täter auf die Spur zu kommen, war nach damaligen Verhältnissen sehr groß. Eine 20-köpfige Sonderkommission war 500 Spuren nachgegangen, hatte Reifenprofile vermessen, Faserspuren analysiert. Über Sperma-Untersuchungen war es gelungen, die Blutgruppe des Täters zu entschlüsseln, worauf Blutproben von rund 110 mit dem Opfer in Verbindung stehenden Männern unter die Lupe genommen worden waren.

Damit waren die kriminalistischen Möglichkeiten damals ausgereizt. 1995 machte sich die Staatsanwaltschaft Ellwangen erneut an den Fall. Zwölf Jahre nach dem Verbrechen wandten sich die Ermittler wieder an die Öffentlichkeit. Die Hoffnung, damit Täter oder Mitwisser zu ermuntern, ihr Gewissen zu erleichtern und Hinweise zu geben, erfüllte sich allerdings nicht.

Parallel wurde die Spurenlage mit der moderner gewordenen Kriminaltechnik erneut beleuchtet. Knapp 50 Blutproben wurden zur DNA-Auswertung gebracht, um über den genetischen Fingerabdruck den erhofften Fingerzeig zu bekommen. Vergeblich, doch nicht ganz umsonst: Immerhin wurde ein nur vager Tatverdacht ausgeräumt.

Bis heute sind die mutmaßlich vom Täter gesetzten Spuren in einer zentralen Datenbank gespeichert, die auch die Schlüsselstelle für die nun neu eingeleitete Ermittlungsrunde bildet. Beim dritten Anlauf setzt die kriminalistische Hartnäckigkeit auf eine weiter verbesserte DNA-Analytik und auf ein Ermittlungsinstrument, das auch im - ebenfalls noch nicht aufgeklärten - Heidenheimer Mordfall Maria Bögerl eingesetzt worden ist. Nach Angaben des Polizeisprechers Wolfgang Jürgens sind schon zwei richterliche Beschlüsse ergangen, um einen fest umrissenen Personenkreis zur freiwilligen Abgabe einer Speichelprobe aufzufordern.

Die erste Gentest-Runde war sehr klein, lag nach Polizeiangaben im niedrigen zweistelligen Bereich und hat kein Ergebnis gebracht. Darauf erweiterte man die Zielgruppe auf eine im niedrigen dreistelligen Bereich liegende Zahl von Männern. Diese DNA-Reihenuntersuchung betrifft nach unseren Informationen etwas weniger als 200 Männer und ist noch nicht abgeschlossen. Ob es Testverweigerer gibt und ob sie am Ende zur zwangsweisen Abgabe gezwungen werden, ist offen.

Fest steht: Geht man davon aus, dass der Täter damals Auto fuhr, muss er heute mindestens 50 Jahre alt sein - wenn er noch lebt.

Neue DNA-Tests laufen: Wer hat die Schnaitheimerin Sabine Rahn getötet?
Großeinsatz nach dem Mord an der 18-jährigen Sabine Rahn im März 1983. Bis heute ist das Verbrechen nicht aufgeklärt. Jetzt sollen aber neue DNA-Tests den Mörder überführen. Foto: HZ-Archiv/li

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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