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Neudecks Vermächtnis
Rupert Neudeck: In uns allen steckt ein Flüchtling, Verlag C.H. Beck, 169 S., 14,95 Euro. Foto: privat

Neudecks Vermächtnis

Er war Retter, Helfer und Schutzengel für hunderttausende Menschen auf der Flucht. Am 31. Mai starb Rupert Neudeck an den Folgen einer Herzoperation. Sein letztes Manuskript trägt den Titel „In uns allen steckt ein Flüchtling“. Darin resümiert er sein Leben und übt Kritik an der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland.

03.08.2016
  • ALEXANDER KERN

Gleich zu Beginn zieht Neudeck den Leser in die grausame Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er und seine Familie waren gegen Kriegsende aus Danzig auf der Flucht vor der Roten Armee. Dieses Schicksal lässt erahnen, was Schutzsuchende auf der ganzen Welt noch heute durchmachen: Die Neudeck-Geschwister legten im Kindergartenalter dutzende Kilometer zu Fuß zurück. Der Vater in Kriegsgefangenschaft, die Mutter von Soldaten vergewaltigt. Erst nach Jahren fand die Familie im westfälischen Hagen wieder ein Zuhause. Die Erinnerungen blieben Neudeck.

Als er gegen Ende der 1970er-Jahre von den zahlreichen Flüchtlingen auf dem südchinesischen Meer hörte, die infolge des Vietnamkriegs flohen, fasste der Journalist einen lebensverändernden Entschluss: Er gründete die Hilfsorganisation „Ein Schiff für Vietnam“, charterte die „Cap Anamur“ und fuhr mit einer Mannschaft aus Freiwilligen aufs südchinesische Meer. In den Jahren auf hoher See konnte die Crew mehr als 10 000 „Boatpeople“ retten.

Neudeck musste sich dabei immer wieder gegen innenpolitischen Widerstand durchsetzen. Bekannte Politiker wie Johannes Rau gaben ihm damals zu verstehen: „Das Boot ist voll.“ Seinen unbändigen Willen verlor Neudeck nicht. Nach weiteren Rettungsaktionen gründete er 2003 das Friedenskorps „Grünhelme“ für den Wiederaufbau in Kriegsgebieten.

Als Helfer, der sein Leben in den Dienst von Flüchtlingen stellte, liefert er in seinem Vermächtnis auch eine Kritik zur heutigen Flüchtlingssituation in Deutschland. Neben der Freude über die zahlreichen freiwilligen Helfer, stellt er eine zentrale Forderung: Flüchtlinge müssen gleich nach ihrer Ankunft etwas tun. Tätigkeiten in Bau und im Handwerk empfiehlt Neudeck besonders, auch ohne fertige Sprachkurse: „Staatlich verordnete Passivität ist das größte Hindernis für Integration.“ Auch die Europäische Union nimmt er zur Brust: „Es gibt ein Europa der Banken, des zollfreien Innenraums, des Schengen-Raums. Aber immer klarer wird mir, dass die EU noch nicht als Wertegemeinschaft existiert. Im Grunde ist die Scheidung schon eingereicht.“

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03.08.2016, 06:00 Uhr
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