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Neuanfang im Leonberger Waldhaus
Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) besucht in Leonberg Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Foto: Sebastian Gollnow
Unterbringung

Neuanfang im Leonberger Waldhaus

Der Afghane Sami lebt in einer Jugendhilfe-Einrichtung. Junge Asylbewerber wie der 19-Jährige werden dort auf besondere Weise unterstützt.

20.04.2018
  • JENS SCHMITZ

Leonberg. Bett, Schrank und Tisch sehen in jedem Zimmer gleich zweckmäßig aus. Den grasgrünen Vorhang jedoch, das Sofa und die kleine Topfpflanze hat Sami (Name geändert) sich aus Spenden selbst ausgesucht. „Den Teppich hat mir eine alte Frau geschenkt“, sagt der 19-Jährige Afghane in langsamem Deutsch.

Draußen scheint die Sonne auf ein Fachwerk-Idyll: Mitten in Leonberg betreibt die Jugendhilfe-Einrichtung „Waldhaus“ ein Wohngruppen-Haus für jugendliche Flüchtlinge. Unter Mitbewohnern ist Sami für sein aufgeräumtes Refugium bekannt. Die Geschichte, die er erzählt, ist alles andere als hell und geordnet. Sami berichtet von Drohungen und Gewalt in seiner Heimat und davon, wie die Familie ihn auf die Reise schickte. Vor zwei Jahren sei er über Pakistan, Iran, die Türkei, Griechenland und die Balkanroute nach Deutschland gekommen.

Mehr 50 000 unbegleitete minderjährige Ausländer (Uma) sind im Zuge der Flüchtlingswelle in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen, 6766 leben derzeit in Baden-Württemberg. Die meisten stammen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Eritrea, Gambia, Guinea, Irak und Äthiopien.

Auch Samis Wohngruppe ist international gemischt. Die Unterkunft dient dem Sozialministerium bei einem Besichtigungstermin als Vorzeigeprojekt. In der U-18-Wohngruppe kümmern sich sieben Betreuer im Schichtdienst rund um die Uhr um zehn Minderjährige, sorgen dafür, dass sie zur Schule gehen, helfen im Alltag, kontrollieren die Sperrstunde. Die Älteren leben in „Verselbstständigungsgruppen“, werden aber auch betreut. „Ich möchte“, sagt Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), „dass jene, denen der besondere Schutz der Jugendhilfe zusteht, diesen auch bekommen.“

Im Vergleich mit volljährigen Asylbewerbern sind Uma nicht nur deutlich besser vor Abschiebungen geschützt, sie bekommen auch – auf Basis des Jugendhilferechts – viel mehr staatliche Fürsorge. Auch wenn sie erwachsen werden, haben sie, wie Sami, unter Umständen Anspruch auf Fortsetzung der Jugendhilfe-Leistungen. Die können bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gezahlt werden. Diese Versorgung macht den UMA-Status attraktiv, auch für ältere Flüchtlinge. Es gibt Berichte über Schlepper, die Flüchtlingen raten, sich als minderjährig auszugeben.

Im Jahr 2017 veranlassten Innen- und Sozialministerium eine landesweite Nacherfassung. Ein Ergebnis: Betrug bei Alter und Identität sind keine Massenphänomene, kommen aber vor. Bei rund 50 von gut 7500 UMA leitete das Innenministerium damals „Folgemaßnahmen“ ein, wie zwangsweise Altersfeststellungen und Strafverfahren.

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20.04.2018, 06:00 Uhr
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