Ausstellung

Netzwerkerin Margarethe von Savoyen

Zu ihrem 600. Geburtstag wird die schillernde Frauenfigur des Spätmittelalters in Stuttgart gewürdigt.

16.09.2020

Von KNA

Altarflügel mit den drei Ehefrauen Graf Ulrichs V. von Württemberg (ganz rechts Margarethe). Foto: Landesmuseum Württemberg

Stuttgart. Ehrfürchtig und mit gefalteten Händen steht eine junge Frau, in violettes Tuch gehüllt, neben einer in Grün und einer in Rot gekleideten Frau. Das Bild zeigt die drei Ehefrauen von Graf Ulrich V. von Württemberg, darunter Margarethe von Savoyen.

„Das ist eine von nur drei erhaltenen Darstellungen von ihr“, erklärt Anja Thaller, Mitkuratorin der Sonderausstellung „Die Tochter des Papstes“ des Landesarchivs Baden-Württemberg zum 600. Geburtstag der adligen Netzwerkerin. Die 120 Exponate umfassende Schau ist von Donnerstag bis 15. Januar im Hauptstaatsarchiv Stuttgart zu sehen.

Margarethe stammte aus Savoyen, das im Spätmittelalter den romanischen und den germanischen Kulturbereich verband und daher politisch enorm wichtig war. Das Geschlecht war zudem mit dem französischen Königshaus verwandt. „Margarethe brachte so viel soziales Kapital mit“, sagt Thaller. Die von Savoyen herrschten über den Großteil der Westalpen, vom Mittelmeer und Oberitalien bis zum Genfer See. Dort, im Schloss Morges, wurde Margarethe 1420 geboren.

Die Eltern förderten sie, sie lernte Lesen und Schreiben. Als Margarethe elf war, wurde der Ehevertrag mit ihrem ersten Mann Ludwig III. von Anjou geschlossen. Ludwig III. verstarb jedoch wenige Monate nach Margarethes Ankunft, und sie kehrte als 14-jährige Witwe zu ihren Eltern zurück.

Margarethe war in adligen Kreisen eine richtig gute Partie, spielte „in der Premier League“, urteilte Mitkurator Peter Rückert. Sie heiratete schließlich 1445 Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz, aber auch diese Ehe währte nur kurz: Nach der Geburt ihres Sohnes Philipp starb ihr Ehemann 1449. Sechs Jahre später ehelichte sie Graf Ulrich V. von Württemberg, was dessen Haus einen Gewinn an Ansehen bescherte.

Die ausgestellten Briefe aus einem Bestand von etwa 150 Exemplaren von und an Margarethe in Lateinisch, Deutsch, Französisch und Italienisch geben einen Einblick in das Netzwerk, das sie betrieb. 1479 starb sie und wurde in der Stuttgarter Stiftskirche begraben. Silke Uertz

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Erstellt:
16. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. September 2020, 06:00 Uhr

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