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Frische Farbe für Heiligenfigur

Nepomuk soll Ende September wieder an seinem Platz sein

Seit fünf Wochen ist Sankt Nepomuk beim Restaurator. Der hat der Heiligenfigur eine Rundum-Auffrischung verpasst. Ende September kommt der Brückenheilige wieder auf seine Mauer bei der Mittleren Brücke.

21.08.2010

Von hete henning

Rottenburg. 1779 wurde die 1,80 Meter hohe Figur des Sankt Johannes Nepomuk auf dem Rest der alten Stadtmauer im Unterwässer aufgestellt, genau 50 Jahre, nachdem der böhmische Märtyrer von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen worden war. Damit ist das aus einem Eichenstamm geschnitzte Standbild des Hochwasserpatrons, nach dem das Haus am Nepomuk benannt ist, der jüngste Rottenburger Nepomuk. Der auf der gegenüber liegenden Neckarseite stammt laut Stadthistoriker Dieter Manz von 1732. Der steinerne Nepomuk auf der Pfarrhausmauer von St. Moriz wurde 1712 erst auf der Oberen Brücke aufgestellt, dann aber versetzt, weil angeblich die Pferde vor ihm scheuten. Außerdem findet sich eine 1730 gefertigte Silberbüste des Heiligen im Stiftsmuseum St. Moriz.

Restaurator Josef Steiner in Weiler hat den eichenen, jüngsten Nepomuk, der vermutlich in der Werkstatt der Rottenburger Familie Staiger entstand, während der vergangenen fünf Wochen einer Generalüberholung unterzogen. Bis zu zwei Zentimeter breite Risse klafften in der Figur, die Farbe war verblasst, der rechte Daumen ab. Der 80-jährige Restaurator füllte die Risse mit Holz auf, klebte den Daumen wieder an und verpasste dem Brückenheiligen mit Ölfarben einen neuen Anstrich.

Den schwarzen Talar und das weiße Chorhemd schmückte Steiner mit Goldborten, die Zipfel am Saum der braunen Mozzetta – das ist der braune Überwurf – malte er grau-weiß an. „Hermelin“, kommentiert Steiner die ungewöhnliche Farbwahl, die allerdings mehr an Feh erinnert, das grau-weiße Winterfell des sibirischen Eichhörnchens.

Schön sei der Nepomuk geworden, stellten Baubürgermeister Holger Keppel, Peter Nagel vom Verein Bauhütte und Ernst Heimes, der Besitzer des Hauses am Nepomuk, fest, als sie dem Standbild am Donnerstag einen Besuch abstatteten. Besonders schön sei das Gesicht herausgekommen, fand Nagel nach einem Blick auf die zart geröteten Wangen des Heiligen. In frischem Glanze erstrahlt auch dessen mit fünf Sternen besetzter Heiligenschein: Steiner hat ihn mit 24-karätigem Blattgold versehen.

Die letzte gründliche Sanierung des barocken Nepomuk liegt 22 Jahre zurück. Damals trugen die Restauratoren Thomas Reiner und Christian Holder in monatelanger Arbeit acht Farbschichten ab, um die ursprünglichen Farben zu eruieren und die filigranen Schnitzereien freizulegen. Im Dezember 1988 wurde die Figur wieder an ihren Platz im Freien entlassen: unter einem neuen Kupferdach – und mit braunen Zipfeln am Überwurf.

Damals, weiß Peter Nagel, zahlte der CDU-Landtagsabgeordnete und spätere Sozialminister Friedhelm Repnik, dem das Haus mit dem Heiligen bis vor ein paar Jahren gehörte, die Restaurierung. Denn, so schreibt Stadthistoriker Manz: Die St. Moriz-Pflege, die das Standbild 1779 nach einem verheerenden Hochwasser aufstellen ließ, „empfahl es den Bewohnern des angebauten Hauses zur pfleglichen Obsorge“.

Die jetzige Restaurierung, laut Baubürgermeister Keppel deutlich über 5000 Euro, zahlt der Verein Bauhütte. Denn, so Nagel: „Der Nepomuk gehört der Stadt.“ Und, so Keppel: „Der Herr Heimes muss nur drauf aufpassen.“ Ende September werde der Heilige feierlich und mit einer ordentlichen Zeremonie wieder aufgestellt, sagt Peter Nagel. Der genaue Termin sei aber noch offen.

So will es die Legende: Er musste sterben, weil er schwieg

Johannes Welflin wurde um 1350 in Pomuk in der Nähe von Pilsen geboren. Der Name Nepomuk bedeutet „aus Pomuk“, „ne Pomuk“. Nach der Priesterweihe studierte er Rechtswissenschaften und wurde 1389 Generalvikar des Prager Erzbischofs. Im Verlauf eines politischen Konflikts zwischen Kirche und König Wenzel wurde er verhaftet, gefoltert und am 20. März 1393 in der Moldau ertränkt.

Nach der Legende entsprang Johannes Nepomuks Streit mit dem König seiner Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Der Priester habe dem König nicht verraten wollen, was ihm dessen Ehefrau anvertraut habe. Deshalb habe Wenzel, der seine Frau der Untreue verdächtigte, den Geistlichen foltern und von der Prager Karlsbrücke stürzen lassen.

Sankt Nepomuk ist deshalb nicht nur Schutzpatron der Brücken, Flößer und Müller, sondern auch des Beichtgeheimnisses. Die fünf Sterne auf seinem Heiligenschein stehen für die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes „tacui“ – „ich habe geschwiegen“.

Besuch bei Restaurator Josef Steiner (links): „Der Nepomuk“, sagt Peter Nagel (rechts) „gehört der Stadt.“ Ernst Heimes (2. von rechts) müsse als Besitzer des Hauses am Nepomuk „nur auf die Figur aufpassen“, sagt Bürgermeister Holger Keppel (2. von links). Die Rechnung des Restaurators zahlt der Verein Bauhütte. Bild: Groebe

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Erstellt:
21. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. August 2010, 12:00 Uhr

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