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Nazijäger finden acht Verdächtige
Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle, im Karteikartenarchiv der Behörde in Ludwigsburg. Foto: dpa
Dienst in der Telefonzentrale eines KZ als Beihilfe zum Mord?

Nazijäger finden acht Verdächtige

Experten für NS-Verbrechen haben mutmaßliche Helfershelfer des Nazi-Regimes entdeckt. Staatsanwaltschaften müssen über Anklagen entscheiden.

10.08.2016
  • TATJANA BOJIC, DPA

Ludwigsburg. Deutsche Ermittler sind auf acht mutmaßliche NS-Verbrecher gestoßen. Wegen Beihilfe zum Mord in tausenden Fällen hat die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg Vorermittlungen an mehrere Staatsanwaltschaften abgegeben. „Es handelt sich um vier Männer und vier Frauen, die im deutschen Konzentrationslager Stutthof bei Danzig tätig waren“, sagte der Leiter der Ermittlungsbehörde, Jens Rommel.

Die Männer seien als Wachleute, die Frauen als Schreibkraft, Telefonistin oder Fernsprechvermittlerin tätig gewesen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. Darüber hinaus suchen die Ludwigsburger Experten weitere mögliche Beschuldigte, die in den Lagern Bergen-Belsen und Neuengamme tätig waren. Auch zu den NS-Vernichtungslagern Auschwitz und Majdanek gingen Vorermittlungen weiter. Es gehe jeweils um den Vorwurf der Beihilfe zum Mord. Der 43-jährige Rommel hofft zudem auf eine baldige Entscheidung des Bundesgerichtshofs über die Revision im Fall des früheren SS-Manns Oskar Gröning. „Wir erhoffen uns eine Klarstellung des BGH, wie aus heutiger Sicht die Eingliederung in ein Konzentrationslager juristisch zu bewerten ist.“ Der heute 95-jährige Gröning war am 15. Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen im KZ Auschwitz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Sowohl Nebenklage als auch Verteidigung legten Revision ein.

Das Landgericht Lüneburg hatte sich eingehend mit den Begriffen „Tatbeitrag“ und „Gehilfe“ auseinandergesetzt und als Beispiel den Helfer der Attentäter des 11. September 2001, Mounir El Motassadeq, angeführt. Er war 2007 wegen Beihilfe zu den Terroranschlägen zum 11. September 2001 in den USA verurteilt worden, der BGH hat das Urteil bestätigt. Wann der Fall Gröning in Karlsruhe entschieden wird, ist nach Auskunft einer Sprecherin noch unklar. Gröning hatte im Prozess seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Er hatte gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen „Buchhalter von Auschwitz“ ein.

„Ich baue darauf, dass die Verurteilung trägt und das Urteil nicht aufgehoben wird“, sagte Rommel. Er hofft, dass der BGH ausgehend vom Fall Gröning seine Haltung aus dem Jahr 1969 korrigiert. Damals reichte nach Ansicht der Richter nicht jede Eingliederung in das KZ Auschwitz für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. Für die Ludwigsburger Ermittler gilt als Gehilfe jeder, der in seiner Funktion die Massentötungen „objektiv gefördert oder erleichtert hat“.

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen hat im Dezember 1958 ihre Arbeit aufgenommen. Deckt sie NS-Verbrechen auf, gibt sie den Fall an die Staatsanwaltschaft ab. Selbst Anklage erheben kann die Stelle nicht. Seit ihrer Gründung wurden mehr als 7500 Ermittlungsverfahren an die Staatsanwaltschaften übergeben.

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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