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Rüstung

Nato: Russland bricht Vertrag

Washington und Moskau beschuldigen sich gegenseitig, seit 1987 verbotene Mittelstreckenraketen zu stationieren.

02.09.2017
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Das Ding ist geflügelt, acht Meter lang, hat ein Startgewicht von mehr als 2300 Kilo und braucht in 50 bis 150 Meter Höhe fünf Sekunden für einen Kilometer. Das sind technische Daten der neuen russischen Mittelstrecken-Rakete 9M729, im Westen SSC-X-8 genannt, die das russische Fachportal Military Russia veröffentlichte. Aber für das offizielle Russland ist die SSC-X-8 ein Gespenst, genauer ein Schreckgespenst des Westens.

Nach den USA wirft auch die Nato Russland vor, gegen den INF-Vertrag von 1987 zu verstoßen, der bodengestützte Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometer verbietet. Wie die Süddeutsche Zeitung gestern berichtete, schickte die Allianz eine geheime Denkschrift an alle Mitgliedsstaaten, darin ist von 39 möglichen Reaktionen auf den russischen Vertragsbruch die Rede. Es handelt sich um militärische Maßnahmen, wie den Ausbau des Frühwarn-Systems oder erhöhte Einsatzbereitschaft für Atombomber in Europa. Von Sanktionen oder einem Ausstieg der USA aus dem INF-Abkommen rät die Nato jedoch ab.

Die USA hatten schon 2014 behauptet, Russland erprobe landgestützte Mittelstreckenraketen, die der INF-Vertrag verbietet. Im März 2017 erklärte der führende Generalstabsoffizier Paul Selva vor dem Kongress, Russland bringe solche Raketensysteme in Stellung. Es soll sich um zwei Bataillone neuer SSC-X-8-Marschflugkörper handeln. Eines davon wurde laut New York Times auf dem südrussischen Testgelände Kapustin Jar stationiert.

Zweifel an der Existenz

Russlands Außenminister Lawrow sagt am Dienstag, es gebe keinerlei Verstöße von russischer Seite gegen den INF-Vertrag. Außerdem habe Moskau selbst Fragen an die USA bezüglich gewisser „Freiheiten“, die sich die Amerikaner bei der Einhaltung des Vertrages erlaubten.

Moskauer Fachleute stellen die Existenz der SSC-8 in Frage. „In Kapustin Jar wurde wirklich eine Rakete erprobt“, sagt der Militärexperte Viktor Litowkin. „Aber niemand weiß, welcher Typ abgefeuert wurde.“ Die Öffentlichkeit betrachtet die Vorwürfe nur als weiteres Mittel des Westens, Druck auszuüben. Experten sagen, die USA selbst verstießen gegen den Vertrag. „Bei Übungen verwenden sie Raketen als bewegliche Ziele, die nach allen technischen Parametern unter das INF-Verbot fallen“, sagt Litowkin. Außerdem hätten die USA in Rumänien Antiraketensysteme mit senkrechten Abschussrampen installiert. Von dort könnten Tomahawk-Marschflugkörper starten, die laut INF nur von See abgefeuert werden dürften. Da diese Systeme sich nun an Land befänden, schreibt Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik, seien die russischen Anschuldigungen aus technischer Sicht nur schwer zu entkräften. Stefan Scholl

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02.09.2017, 06:00 Uhr
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