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Narrenparty auf dem Karlsplatz
Guggenmusiker sind im Stuttgarter Umzug ebenso vertreten wie zottelige Hästräger. Foto: Ferdinando Iannone
Brauchtum

Narrenparty auf dem Karlsplatz

Obgleich der Karneval in der Landeshauptstadt eine 100-jährige Geschichte hat, tun sich viele Stuttgarter schwer damit. Der Umzug vereint eine Vielzahl verschiedener Fasnetstraditionen.

01.02.2018
  • RAINER LANG

Stuttgart. Thomas Klingenberg hofft, dass die Narren das Stuttgarter Zentrum zurückerobern. Der Präsident des Karnevalsvereins Möbelwagen, der den traditionellen Umzug am Faschingsdienstag durch die Innenstadt organisiert, setzt auf die neue Route in diesem Jahr. Los geht's in der Tübinger Straße. Die letzte Station ist der Karlsplatz im Herzen der Stadt. Dort steigt die große Faschingsparty unter freiem Himmel. Das etwas abseits im Stuttgarter Süden gelegene Dinkelacker-Areal steht dieses Jahr nicht mehr zur Verfügung.

Leicht haben es die Narren in Stuttgart nicht. „Das wirkt ein bissle aufgesetzt“, meint Brauchtumsexperte Wulf Wager zum Fasching in der Landeshauptstadt. Da schlage eben das evangelische Erbe durch. Für strenggläubige Pietisten ist närrische Ausgelassenheit seit jeher verpönt. „Es gibt immer noch Menschen in Stuttgart, die mit Fasching gar nichts zu tun haben wollen“, meint Wager.

Klingenberg ergänzt: „Wer an Fasching verkleidet durch Stuttgart läuft, der wird blöd angeschaut. Aber an Halloween ist dies inzwischen ganz normal“, ärgert sich der Karnevalist. Er wirbt dafür, das Brauchtum zu beleben und Vorurteile abzubauen. Für ihn geht es schlicht um den „Spaß am Leben“.

Der Vizepräsident des „Fest-Komitee Stuttgarter Karneval“ hat derzeit alle Hände voll zu tun. Noch steht nicht endgültig fest, wie viele Wagen, Garden, Masken- und Musikvereine beim Umzug dabei sind. Am Ende können es bis zu 55 Gruppen werden, meint Klingenberg. Wirbel hat es aber schon im Vorfeld gegeben. Weil er im Gegensatz zu den Vorjahren nicht in der Tübinger Straße endet, sondern in umgekehrter Richtung verläuft, führt die Route direkt am Neuen Schloss vorbei. Dieser Bereich ist Hoheitsgebiet des Landes, das wegen der schwierigen Reinigung ein Konfetti-Verbot verhängt hat. Dies sorgte für heftige Kritik. Klingenberg nimmt es gelassen. Nun bemühen sich die Veranstalter mit Schildern und verstärktem Ordnereinsatz, dass die Teilnehmer des Umzugs die „konfettifreie Zone“ beachten. Die erste Rückmeldung vom Land sei schließlich gewesen, dass „wir da gar nicht vorbeigehen dürfen“, sagt Klingenberg.

Erleichtert zeigt er sich, dass es in Stuttgart keine zusätzlichen Sicherheitsauflagen gibt. Das mit der Polizei abgestimmte Konzept habe sich bewährt. Er stöhnt aber über die wachsende Bürokratie. Ein wenig trauert er den 70er Jahren nach, als es noch Maskenbälle in der Liederhalle gab.

Der Umzug in Stuttgart geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1897 sind 15 Möbler mit ihren Möbelwagen durch Stuttgart gezogen. Daraufhin wurde als „1. Stuttgarter Karnevalsverein“ die Gesellschaft „Möbelwagen“ gegründet. Da der Umzug nun 121 Jahre alt ist, spricht Klingenberg von einem Jubiläum. Dieses ist aber nur Eingeweihten geläufig. Wer die für den Karneval typische Zahl elf mit elf multipliziert, kommt auf 121. In den Kriegsjahren wurden die Umzüge ausgesetzt und in den 50er Jahren wieder aufgenommen.

Zwei Traditionslinien treffen in Stuttgart aufeinander. Der rheinische Einfluss zeigt sich in den Karnevalsvereinen, die auch das Fest-Komitee bilden. Auf der anderen Seite steht die schwäbisch-alemannische Fasnet, repräsentiert von den Küblern in Bad Cannstatt und den Scillamännle in Hofen. Diese legen Wert auf ihre eigenen Veranstaltungen. So gibt es am Faschingsdienstag auch in Hofen einen großen Umzug, und am Abend findet in Cannstatt das traditionelle Kübelesrennen statt.

Die Präsidentin des Fest-Komitees, Anita Rösslein, kann sich an die Zeiten erinnern, als sich Karnevalisten und Hästräger recht kritisch gegenüberstanden. Inzwischen hat es sich zu einem guten Miteinander entwickelt. In Karnevalsvereinen seien Brauchtumsgruppen entstanden, wie die Stuttgarter Hutzelmännlein beim Verein Zigeunerinsel. Und in Fasnetshochburgen wie Neuhausen auf den Fildern hätten die für den Karneval typischen Elferräte Einzug gehalten. Der Stuttgarter Umzug verbindet zottelige Hästräger und Guggenmusiker mit Tanzmariechen, Garden und Musikgruppen aus dem ganzen Land. Dieses Jahr gibt es auf einem Wagen sogar eine Mitfahrgelegenheit. Der Erlös ist zur Unterstützung von Menschen bestimmt, die an der Glasknochen-Krankheit leiden.

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01.02.2018, 06:00 Uhr
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