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Tausende kamen zum Umzug in die Altstadt

Narren in Tübingen: Lieber keine allzu derben Späße

Beim Tübinger Fasnetsumzug drängten sich gestern überwiegend jüngere Zuschauer und Verkleidungsfans in den Altstadtgassen. Die Hästräger der verschiedenen Zünfte und Fasnetclubs kamen von nah wie auch von etwas ferner.

29.01.2018
  • Martin Zimmermann

Dicht gedrängt standen tausende Zuschauer beim gestrigen Narrenumzug in den Straßen der Tübingern Altstadt – vor allem aber auf dem Holzmarkt, wo auf den Stufen der Stiftskirche kaum ein Zentimeter Platz frei geblieben war. „Wer hätte das gedacht, dass wir uns in Tübingen mal so etablieren können. Als wir uns vor 31 Jahren gegründet und 1996 den ersten Umzug organisiert haben, da bekamen wir mehr empörte Leserbriefe als heute der Boris Palmer“, sagt Anton Buck vom Rosecker Fasnetsclub, der den Umzug im Wechsel mit der Tübinger Narrenzunft organisiert. Buck hat – wie auch andere Gründungsmitglieder – einen oberschwäbischen Migrationshintergrund. Als es ihn beruflich nach Tübingen verschlug, wollte er partout nicht von seiner Fasnetsbegeisterung lassen.

Inzwischen, so scheint es, sprießen in Tübingen die Narrenvereine wie Pilze aus dem Boden. Am gestrigen Sonntag liefen die neu gegründeten Pfrondorfer Hutzel-Fresser das erste Mal beim Umzug mit. Außer Bebenhausen und Kilchberg hat jetzt jeder Tübinger Ortsteil seine eigene Narrenzunft. In der Tübinger Kernstadt gibt es mit der neu hinzugekommenen Schlosszunft mittlerweile acht Narrenvereine, die beim Umzug mitliefen. Ansonsten waren vor allem das Ammertal und das Steinlachtal zahlenmäßig stark vertreten.

Beim Brauchtumsabend in der Hermann-Hepper-Halle war der Saal zwar voll, doch überwiegend mit den eingeladenen Narrengruppen, etwa aus Königseggwald. Weil diese mit dem Bus zurückfahren mussten, löste sich die Veranstaltung kurz vor Mitternacht auf. Wer trotz freiem Eintritt nicht kam, der verpasste den sportlich und optisch spektakulären Auftritt der Reutlinger Tanzgarde „Dancing Shoes“. Da flogen die Beine in perfekter Synchronität und die halsbrecherischen Sprünge gelangen elegant und scheinbar mühelos.

Doch diese Eleganz ist hart erarbeitet. Die Mädchen trainieren das ganze Jahr über zweimal wöchentlich und unterstützen an Wochenenden die Metzinger Frauenhandballmannschaft „Tussies“ als Cheerleaders. Beim Umzug zeigten die Mädchen ebenfalls sportliche Hebefiguren und Sprünge. Auch aus Waldenbuch war eine Tanzgarde gekommen. Sie ist dort eine Abteilung des Sportvereins, die sich aus Auftritten bei einer vereinsinternen Faschingsfeier gebildet hat.

Im Vergleich zu Rottenburg ist das Tübinger Publikum eher sparsam kostümiert – aufwändige, selbst genähte Verkleidungen sind selten zu sehen. Doch den Rosecker Narren gelang es eben auch, die negativen Begleiterscheinungen der Fasnet einzudämmen. Allzu derbe Späße und übertriebene Alkoholexzesse sind nicht gern gesehen. „Ich will keine Mädchen sehen, die mit Kabelbindern gefesselt werden und auch keinen allzu dollen Konfetti- und Strohregen. Wenn ich das mitbekomme, wird die Gruppe im nächsten Jahr nicht mehr eingeladen“, drohte Zunftmeister Buck.

Auch dulde er es nicht, dass die Schlossochsen mit ihren Ochsenziemern das Publikum schlagen. „Wenn man in Rottenburg mit der Saubloder einen mitbekommt, kann man schon mal Kopfweh bekommen. Das gibt es bei uns nicht“, so Buck. Dass die Stimmung beim Umzug verglichen mit Fasnetshochburgen eher Kinderfasching als Exzess ist, ist wohl Teil des Konzepts.

Aber Kinderfasching kann auch wunderschöne Momente haben. Etwa, als sich die Gomaringer Käsperle auf dem Marktplatz Kinder aus dem Publikum suchten, um mit ihnen zu einem selbst gesungenen Lied Ringelreihen zu tanzen.

Auf PS-starke Traktoren, die sonst etwa die Remmingsheimer Nebelhexen dabei haben, verzichteten die Gruppen auf Wunsch der Veranstalter – und aufgrund der engen Altstadtgassen. „Das ist ja hier auch ein Umzug und keine landwirtschaftliche Leistungsshow“, sagte Buck dazu.

Hauptsache, die Hästräger hatten ihren Spaß. „Dank der wunderschönen Altstadt und der vielen Leute laufen wir immer wieder gerne in Tübingen mit“, sagte ein begeisterter Narr aus Waldenbuch.

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29.01.2018, 01:00 Uhr
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