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Konferenz sammelt Geld für Flüchtlinge in Syriens Nachbarstaaten

Nahrung, Unterricht und Jobs

70 Länder wollen auf einer Konferenz in London neun Milliarden Dollar aufbringen, um Flüchtlingen in Syriens Nachbarländern zu helfen. Es geht nicht nur um Nahrung, sondern auch um Jobs und Schulen.

03.02.2016

Von MARTIN GEHLEN

Flüchtlingscamp nordöstlich von Amman. Jordanien hat bisher 635 000 Syrer aufgenommen. Foto: afp

London. Jordaniens König Abdullah hielt mit seiner Frustration nicht hinter dem Berg. "Mein Land steht vor dem Siedepunkt - früher oder später wird der Damm brechen", sagte er. Jordanien könne nicht noch mehr syrische Flüchtlinge verkraften, wenn es von der internationalen Gemeinschaft kein zusätzliches Geld bekomme. Sein Land habe in der Vergangenheit Millionen Menschen aufgenommen, erst Palästinenser, dann Iraker und zuletzt Syrer. "Doch zum ersten Mal können wir nicht mehr", erklärte der Monarch, nach dessen Angaben mittlerweile ein Viertel des Zwölf-Milliarden-Dollar Staatshaushaltes für die Gestrandeten aufgewendet wird. Wenn die Welt Jordanien im Stich lasse, werde man "gezwungen sein, schmerzliche Schritte einzuleiten, die zu noch größerem Zustrom von Flüchtlingen nach Europa führen werden", sekundiert Planungsminister Imad al-Fakhoury.

Jordaniens Appell richtet sich vor allem an die Geberkonferenz in London, wo sich am Donnerstag auf Initiative Großbritanniens, Deutschlands, Norwegens, Kuwaits und der Uno 70 Regierungschefs und Außenminister treffen, um für 2016 die notwendigen Finanzmittel für syrische Flüchtlinge einzuwerben. Neun Milliarden Dollar werden benötigt, 7,7 Milliarden für die UN-Organisationen und 1,2 Milliarden für nationale Hilfsprogramme der Anrainerstaaten.

Nach offiziellen Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks flohen bisher rund 4,6 Millionen Syrer über die Grenzen. Weitere sieben bis acht Millionen irren als Binnenflüchtlinge in ihrer ruinierten Heimat herum. Jordanien nahm bisher 635 000 Menschen auf, im Libanon sind 1,1 Millionen registriert, in der Türkei 2,5 Millionen sowie weitere 120 000 in Ägypten und 250 000 im Irak. Hinzu kommen Hunderttausende, die sich in diesen Staaten als Illegale durchschlagen.

Bei der Vorgängerkonferenz 2015 in Kuwait kamen nur 55 Prozent der damals geforderten 8,4 Milliarden Dollar zusammen. Das soll diesmal anders werden. "Es darf nicht noch einmal passieren, dass in den Flüchtlingslagern die Lebensmittelrationen halbiert werden müssen und Menschen hungern und frieren, weil den Helfern das Geld ausgeht", bekräftigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Auch soll in London zusätzliches Geld bereitgestellt werden, um Arbeitsplätze für Erwachsene und Schulplätze für Kinder zu schaffen. Nach Unicef-Angaben sind fast drei Millionen syrische Mädchen und Jungen ohne Unterricht, 700 000 außerhalb ihrer Heimat. Unicef warnt vor einer "verlorene Generation", wenn sich nicht Entscheidendes ändert. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte Unicef-Direktor Peter Salama.

Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller kündigte für die Region ein "Bündnis für Arbeit" an, um 500 000 Jobs für Syrer zu finanzieren. "Es ist zwanzig Mal effektiver, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Region zu verbessern, als sie nach Europa zu holen", sagte er beim Besuch in Jordanien.

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Erstellt:
3. Februar 2016, 08:32 Uhr
Aktualisiert:
3. Februar 2016, 08:32 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Februar 2016, 08:32 Uhr

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