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Hauch von Hitchcock

Nächtliche Führung mit der Taschenlampe durchs Alte Schloss

Einmal im Monat bietet das Landesmuseum Württemberg für Erwachsene nächtliche Führungen mit der Taschenlampe durch das Alte Schloss an. Die Besucher gewinnen Einblicke der besonderen Art.

24.01.2011

Von SEBASTIAN STEGMÜLLER

Stuttgart Schritt für Schritt, Stufe für Stufe nähert sich Andrea Welz der Königsgruft des Alten Schlosses. Vor der Grabkammer ist es, wie schon bei der großen Uhrensammlung im zweiten Kellergewölbe, stockfinster. Lediglich das Flackern der Taschenlampen erhellt die Wendeltreppe zum Untergeschoss des Landesmuseums ein wenig. Ganz langsam schiebt die Kunsthistorikerin die schwere, mit Eisenbeschlägen versehene Holztür auf, die sie zuvor mit einem riesigen Schlüssel aufgesperrt hat. "Wenn wir nicht aufpassen, kommen wir hier nicht mehr raus", warnt sie die 20-köpfige Gruppe, die an der Führung "Nachts im Museum für Erwachsene" teilnimmt. Denn die Tür zur Grabkammer von König Karl I. und Königin Olga sei nur von außen zu öffnen. "Vielleicht um Gewissheit zu haben, dass die Toten nicht mehr auferstehen." Auch auf die Fluchthilfe der "weißen Frau", eine fürstliche Person, die seit ihrem Tod mit einem langen weißen Schal durch das Alte Schloss spuken soll, können sich die nächtlichen Besucher nicht verlassen. "Sie kann den Überlieferungen nach zwar durch Wände gehen, zeigte sich bislang aber nur Einzelpersonen", so die Museumsführerin, die ebenfalls und nicht ganz unbeabsichtigt einen langen weißen Schal trägt.

Los geht die nächtliche Führung im Dürnitzbau. Zu später Stunde - weit nach den regulären Öffnungszeiten - suchen mehrere "dunkle Gestalten" nach wertvollen Kunstschätzen. Die Lichtkegel der gedimmten Taschenlampen wandern von Bild zu Bild. Nur die Notbeleuchtung, die aus Sicherheitsgründen nicht ausgeschaltet werden darf, erhellt den Raum etwas. "Ganz dunkel ist der ebenerdige Bereich des Alten Schloss allerdings nicht zu bekommen", erklärt Welz. Allein von den Straßenlaternen fällt immer noch etwas Licht durch die Fenster herein.

Vom Trubel, der in der Innenstadt rund um das Alte Schloss herrscht, ist im Museum indes nichts zu spüren. Die Ruhe in den hohen Räumen wirkt gespenstisch. Nur flüsternd schweifen die "Forscher" mit ihren Taschenlampen von den Gemälden der ersten vier Herzoge Württembergs weiter zu zwei aztekischen Federschilde aus der Zeit vor 1521. Dass die Schilde im Landesmuseum ausgestellt sind, sei eine Sensation. "Weltweit gibt es nur noch vier Stück, in Mexiko wurden alle zerstört."

Ein Hauch von Alfred Hitchcocks Klassiker "Über den Dächern von Nizza" kommt spätestens bei der funkelnden Brillantgarnitur von Königin Pauline auf. Welz rät jedoch tunlichst davon ab, im Landesmuseum auf den Pfaden von Juwelendieb John Robbie, verkörpert durch Gary Crant, zu wandeln. "Zur besseren Überwachung der Diamanten wird das Licht in diesem Bereich niemals abgeschaltet. Denn obwohl die dritte Frau von König Wilhelm I. bei der Eheschließung im Jahr 1820 eine vergleichsweise arme Braut war, trug sie repräsentativen und kostbaren Schmuck." Ganz schwäbisch haben die Goldschmiede damals getrickst und die Juwelen aus älteren Kollektionen ausgefasst. Auch aus der Krone von König Wilhelm I., die direkt neben der Garnitur von Königin Pauline aufbewahrt wird, wurden mehrere große Steine entfernt und durch weniger wertvolle Schmuckstücke aus einer alten Weste König Friedrichs ersetzt.

Mehr als 2000 Jahre alte Vasen und Krüge aus Glas gibt es im Alten Schloss zu bestaunen. Foto: Privat

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Erstellt:
24. Januar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Januar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2011, 12:00 Uhr

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