Bildung

Nächster Versuch am 22. Februar

Montag in einer Woche sollen Kitas ganz und Grundschulen schrittweise öffnen. Doch ob das klappt, ist offen. Noch steht das Vorhaben unter Vorbehalt.

12.02.2021

Von AXEL HABERMEHL

Noch sind die Klassenzimmer im Land meist leer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Neuer Anlauf zur Öffnung von Kitas und Grundschulen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat angekündigt, den Präsenzbetrieb an Kitas und Grundschulen im Land auszuweiten. Vorgesehen ist der Schritt für Montag, 22. Februar. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) legte Pläne dafür vor. Einige Fragen und Antworten:

Was ist an Kitas geplant? Sie sollen für „Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen“ öffnen. Alle Kinder dürften kommen. Wie vor Beginn des Shutdown im Dezember, sollen feste Gruppen gebildet werden und alle besonders gut auf Hygiene achten.

Und an Grundschulen? Hier will man schrittweise und mit geteilten Klassen vorgehen. Geplant ist ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht. In Schulen werden Klassen geteilt und räumlich getrennt unterrichtet. Die Gruppen sollen immer gleich zusammengesetzt sein und möglichst keinen Kontakt haben. Die Ziele: Abstand halten und das Ansteckungsrisiko mindern und überschaubar halten. Mögliche Infektionen blieben nachverfolgbar.

Wer darf denn nun am 22. Februar in die Schule kommen? Das soll je Schule unterschiedlich sein. Das Kultusministerium sieht vor, dass im Wochenwechsel zwei Klassenstufen an der Schule sind, zwei im Fernunterricht. Ob erst die Stufen 1 und 2 kommen, dann 3 und 4, können die Schulen selbst entscheiden. Auch an weiterführenden Schulen soll der Betrieb zunehmen. Bestimmte Abschlussklassen gehen ebenfalls in Wechselunterricht mit Präsenzphasen. Zudem sollen alle Stufen schriftliche Arbeiten an den Schulen schreiben – verpflichtend für alle.

Geht das so einfach? Personell wird es knapp. Für geteilte Klassen braucht man mehr Lehrer. Zugleich soll der Fernunterricht weiterlaufen: für die Schüler, die gerade nicht kommen dürfen – oder wollen, denn es gibt keine Anwesenheitspflicht. Außerdem soll die „Notbetreuung“ weitergehen. „Die Grundschul-Lehrkräfte arbeiten alle schon im roten Bereich“, warnt Edgar Bohn, Vorsitzender des baden-württembergischen Grundschulverbands.

Habe ich gerade ein Déjà-vu? Der Öffnungsplan ist nicht neu. Kretschmann hat mehrfach Öffnungen im Bildungsbereich in Aussicht gestellt – und wieder kassiert. Erst kündigte er sie für den 18. Januar an, sagte dann aber ab: Die Infektionszahlen schienen ihm zu hoch. Dann rief er Kita- und Grundschulöffnungen für 1. Februar aus. Just als er und Eisenmann Details vorstellen wollten, wurde ein Corona-Ausbruch mit einer mutierten Virusvariante in einer Freiburger Kita bekannt – und alles wieder abgesagt.

Kommen die Öffnungen sicher? Nein. Kretschmanns Vorbehalt lautet: „Wenn die Infektionslage das zulässt.“ Was genau das heißt, ist unklar. Die Mutanten, deretwegen die letzte Öffnung abgesagt wurde, sind inzwischen weiter verbreitet. Auch sonst sind die Voraussetzungen unklar. Ob die 7-Tage-Inzidenz die kommenden zehn Tage weiter sinken muss oder nur nicht steigen darf, ob der R-Wert landesweit ein bestimmtes Maß nicht überschreiten sollte – all das ist nicht fixiert.

Wie groß ist das Risiko? Das ist umstritten. Viele Lehrer sind in Sorge. Ralf Scholl, der Landeschef des Philologenverbands, warnt wegen der Ausbreitung ansteckenderer Virusvarianten: „Die Häufigkeit der Superspreader-Events in Kindergärten in den letzten zehn Tagen lässt für den Fall von Schul- und Kindergartenöffnungen, selbst im Wechselbetrieb, Schlimmstes befürchten.“ Die Öffnungsdiskussion komme „zum völlig falschen Zeitpunkt“. Dagegen hält Professor Thomas Iftner, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Tübingen, den Schritt für vertretbar, wenn übliche Sicherheitsmaßnahmen befolgt würden. Er erwartet keinen wesentlichen Einfluss auf die pandemische Situation.

Zum Artikel

Erstellt:
12. Februar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App