Menschenrechte

Nachhaltigkeit macht sich bezahlt

70 Ökonomen fordern ein Lieferkettengesetz von der Bundesregierung.

14.01.2021

Von VOLKER REKITTKE

Eine Frau arbeitet in einer Fabrik in Bangladesch. Foto: -

Berlin. In der Bundesregierung ist es seit Monaten ein Zankapfel: Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sind für ein Lieferkettengesetz, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) blockiert eine Regelung, die alle Unternehmen ab 500 Beschäftigten menschen- und umweltrechtliche Pflichten auferlegen soll. Umstritten ist vor allem der bessere Zugang zu deutschen Gerichten für Opfer von Arbeitskatastrophen in Ländern wie Bangladesch, Pakistan oder Brasilien.

Nach Kirchen und Gewerkschaften melden sich nun 70 Ökonominnen und Ökonomen zu Wort und fordern von der Regierung die Einführung eines Lieferkettengesetzes noch in dieser Legislaturperiode. „Es gibt nicht nur moralische, sondern auch gute ökonomische Gründe für ein Lieferkettengesetz“, sagt Hansjörg Herr von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin.

Um kurzfristige Profite zu erwirtschaften, würden sich manche Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen, indem sie Kosten und Risiken auf die Umwelt und Beschäftigte im globalen Süden abwälzen, sagt der Wirtschaftsprofessor. Die Entwicklung vieler Länder werde so gehemmt – eine wichtige Fluchtursache.

Deutschland als größter textiler Absatzmarkt Europas könne weltweit Standards setzen, betont Frank Hoffer. Der langjährige Mitarbeiter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist überzeugt: „Ein Lieferkettengesetz mit klaren Haftungsregeln macht es auch Ländern des globalen Südens leichter, höhere Arbeits- und Umweltstandards einzuführen.“

Der Covid-19-Lockdown habe grade die Entwicklungsländer hart getroffen, sagt Ökonom Herr. Deutschland habe auch im Corona-Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von 7 Prozent erwirtschaftet und sei hochgradig wettbewerbsfähig: „Deutschland kann sich ein solches Gesetz leisten.“

Das Argument mancher Unternehmen, das alles sei viel zu teuer und aufwändig, noch dazu während der Corona-Pandemie, lässt auch Elisabeth Fröhlich von der CBS International Business School in Köln nicht gelten. „Die Umsetzung nachhaltiger Strategien ist nichts anderes als eine Investition in die Zukunft.“ Die mache sich für die Unternehmen sogar bezahlt: „Nachhaltigkeit ist auch ein Verkaufsargument.“

Immer mehr Kunden würden darauf Wert legen – wie auch gut ausgebildete Fachkräfte, die nachfragen, welche Werte in ihrem künftigen Unternehmen herrschen. Schließlich gebe es so weniger Risiken fürs Firmenimage, die sich negativ auf die Aktienkurse und das Einkaufsverhalten der Kundschaft auswirken könnten. Volker Rekittke

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Erstellt:
14. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2021, 06:00 Uhr

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