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Nachhaltiger Lesestoff

19.10.2019

Von JÜRGEN KANOLD

Jürgen Kanold. Foto: SWP

Frankffurt. Jonathan Safran Foer ruft zum Widerstand auf: „Wir sind das Klima!“, heißt sein neues Buch – man liest es gerne gedruckt auf Papier. Oder Greta Thunbergs Rede zum Klimaschutz: „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“ – verbreitet auf Papier. Aber ist die Produktion eines gedruckten Buches nicht auch klimaschädlich, angefangen beim Roden der Wälder?

Tja, als hätte die Buchbranche nicht schon genug Sorgen und müsste die Menschheit nicht darum bangen, dass die jahrtausendealte Kulturtechnik des Lesens diese Zeiten überlebt. Jetzt muss sie sich noch mit der ökologischen Krise beschäftigen. Das tut sie natürlich schon lange und verlegt die Warnungen schlauer Wissenschaftler und Autoren. Das Buch liefert in der hypermodernen Nachrichtenwelt praktisch und gründlich Informations- und Debattenstoff – und man kann die Bücher nachhaltig mahnend ins Regal stellen. Ganz berauscht von einem überwältigenden Angebot sieht man das jetzt wieder auf der Frankfurter Buchmesse.

Doch, die Verlage müssen sich selbst an die Nase fassen, tatsächlich sind manche Unternehmen schon kräftig dabei, umweltfreundlicher zu produzieren. Das geht und macht Sinn. Wobei der Anteil der Buchbranche am Papierverbrauch im Verhältnis zur Verpackungsindustrie nur gering ist. Lieber zum E-Book-Reader greifen? Ein solches Gerät, sagen Studien, sei nur ressourcenschonender, wenn man über Jahre hinweg mehr als 20 Bücher jährlich lese. Das wäre immerhin ein fleißiger Bildungsansatz und könnte, bei entsprechender Lektüre, einen intellektuellen Beitrag zur Weltrettung leisten.

Was nun wirklich das augenfälligste Thema ist: der Verzicht auf die Einschweißfolie. Ullstein etwa ist vorne dabei und verschließt das Hardcover nur mit einem leicht entfernbaren Klebestreifen. Andere Verlage tun sich noch schwer, weil nicht jeder Kunde einen abgegrapschten, fettfleckigen Bildband kaufen möchte.

Doch noch mal zum Inhalt, der zweifellos nicht immer das Papier lohnt, auf dem er gedruckt ist. Aber das Buch und auch die Zeitung – ob nun gedruckt oder digital lesbar – sind nach wie vor keine Wegwerfprodukte und kein Müllproblem, sondern Quellen der Bildung und ebenso Unterhaltungsmedien, die man schamfrei nutzen darf. Meinungsfreiheit! Ein Roman entführt einen Menschen sogar ins Reich der Fantasie – Literatur kann einen zumindest aus einer manchmal trostlosen Wirklichkeit entheben. Das klingt gediegen, belehrend. Doch wer liest, versteht das.

Nicht zuletzt „im Gedankenspiel“ der Literatur „entwickeln wir unsere moralischen Werte und ethischen Orientierungen, die es uns erlauben, uns in dieser Welt zurechtzufinden“, schreibt Denis Scheck, der einen Kanon mit den 100 wichtigsten Werken der Weltliteratur vorlegt – erhältlich auch als E-Book; wer alle empfohlenen Bücher elektronisch liest, ist klimatechnisch sowieso gut dabei. Aber als edel auf Papier gedrucktes Buch ist „Schecks Kanon“ gewiss kein Klimakiller. Und eine Bibliothek ist kein Kraftwerk, das Schadstoffe ausstößt, sie inspiriert vielmehr und produziert so intellektuelle Energie.

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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