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Nachhaltige Kleidung tut sich am Markt noch immer schwer
Immer wieder wird über Missstände in Textilfabriken in Schwellenländern berichtet, dennoch kommt ein großer Teil unserer Kleidung von dort. Unser Bild zeigt eine Textilfabrik in Gazipur, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch. Foto: dpa
Ein Dasein im Schatten

Nachhaltige Kleidung tut sich am Markt noch immer schwer

Nachhaltigkeit ist für Verbraucher ein Thema. Allerdings geht es dabei eher um Lebensmittel, Kleidung dagegen wird selten bewusst gekauft.

17.08.2016
  • DPA

Berlin. Rewe verbannt Plastiktüten. Die Textilketten H&M und C&A verlangen neuerdings Geld dafür. Bio-Produkte sind in Supermärkten eine Selbstverständlichkeit. In Berlin gibt es sogar einen veganen Sexshop. Nachhaltiges Einkaufen scheint in weiten Teilen Deutschlands angekommen zu sein. Aber eben nicht überall: Bei Kleidung ist bei vielen Schluss mit dem bewussten Einkaufen. Warum?

Spätestens seit der Rana-Plaza-Katastrophe in Bangladesch, bei der mehr als 1000 Menschen beim Einsturz einer Fabrik ihr Leben verloren, empören sich viele über unmenschliche Arbeitsbedingungen. Und dennoch: Einer Greenpeace-Studie zufolge achten 25 Prozent der Befragten auf Nachhaltigkeit beim Kleidungskauf. Gleichzeitig rangieren viele Kleidung nach kurzer Zeit wieder aus und werfen sie weg.

Über ein Drittel findet, Kleidung müsse vor allem preiswert sein. Und obwohl zum Beispiel Jugendliche wissen, dass Arbeiter oft schlecht behandelt werden und die Herstellung der Kleidung die Umwelt gefährden kann, zählen beim Kauf vor allem Aussehen und Preis.

„Einer Textilie sieht man nicht an, wie sie hergestellt worden ist“, sagt Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung. „Da klebt kein Blut dran.“ Bei Lebensmitteln wisse man, was gesund ist – und was nicht. Auch bei übermäßigen Plastikverpackungen ist klar: Das kann nicht gut sein.

Bei Kleidung ist das schwieriger – denn auch der Preis ist kein Indikator. Teure Kleidung ist nicht automatisch nachhaltig. Und auch wenn auf dem Schildchen im Pulli nicht „Made in Bangladesch“ steht, heißt das nicht automatisch, dass die Wolle nicht trotzdem von dort stammt – und das Teil nur in China zusammengenäht wurde.

Gütesiegel können helfen. Doch es gibt viele verschiedene, die ganz Unterschiedliches auszeichnen. Mit einem generellen Label tut sich der Handel schwer. „Ein allgemeingültiges Siegel kann ich aus Verbraucherperspektive zwar gut nachvollziehen“, sagt Hartmut Spiesecke vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie (Textil + Mode). Allerdings sei die Welt deutlich komplizierter.

Mit dem „Textilbündnis“ will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nun mit Akteuren, die in Deutschland mit der Herstellung und dem Verkauf von Textilien zu tun haben, gemeinsam Strategien entwickeln. So sollen bei der Herstellung von Kleidung ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden. Die Mitgliedschaft ist freiwillig – Textil + Mode als Verband ist mittlerweile auch beigetreten. „Wir haben im Moment 185 Mitglieder. Nach unseren Berechnungen ist das eine Marktabdeckung von 55 Prozent“, erklärt Andrea Burkhardt vom Bündnis. Ziel sei eine Marktabdeckung von 75 Prozent bis 2018, damit sich in diesem Sektor wirklich etwas ändere. „2016 ist das Jahr der Entscheidungen, ab 2017 sollen die Vereinbarungen umgesetzt werden“, sagt Burkhardt.

Spiesecke fordert: „Es darf kein Nachteil für die Unternehmen im internationalen Wettbewerb entstehen.“ Nach Schätzungen von Textil + Mode liegt der Anteil besonders nachhaltiger Kleidung am Gesamtumsatz in Deutschland bei 2 bis 3 Prozent. Wer möchte, könne in Berlin und anderen Großstädten reichlich in Spezialläden einkaufen. „Die Herausforderung ist, das in die Breite zu bringen“, erklärt Spiesecke. Das möchte Kirsten Brodde, Textilexpertin bei Greenpeace: Man stolpere nicht auf jeder Shoppingmeile über einen gut sortierten grünen Concept Store.

Wer heutzutage nachhaltige Kleidung kauft, entscheidet sich in der Regel bewusst dafür. Selten landet man zufällig einen Treffer. Hinzu kommt, dass viele von hübscher Kleidung einen gewissen Status erwarten. „Status sollte aber eher sein, was Cooles zu tun, nicht was Cooles zu haben“, fordert Brodde. Leider seien aber Shopping und Modekonsum inzwischen zum Entertainment geworden. Viele kauften viel – und schmissen Kleidung bedenkenlos weg. „Da einen Kulturwandel in den Köpfen auszulösen – das ist ein dickes Brett.“

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17.08.2016, 06:00 Uhr
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