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Nach nur einem Jahr hat Carlo Ancelotti ausgespielt
Nach dem Rauswurf des Cheftrainers Carlo Ancelotti (links), der seit Juli 2016 im Amt war, übernimmt der bisherige Assistent Willy Sagnol, einst Spieler der Bayern, übergangsweise die Verantwortung. Foto: dpa
FC Bayern

Nach nur einem Jahr hat Carlo Ancelotti ausgespielt

Die Bosse des Rekordmeisters greifen nach der schweren Pleite in Paris durch und entlassen den Trainer, der mitunter konzeptlos wirkte.

29.09.2017
  • RAIMUND HINKO

München. Nüchtern klang es am Ende, geschäftsmäßig, staubtrocken. So ist es nun mal im professionellen Fußball. Egal auf welcher Seite man stehen mag.

Als Karl-Heinz Rummenigge nach dem 0:3 in Paris bei seiner Bankettrede sagte: „Es muss Konsequenzen in Klartextform geben“, war Insidern sofort klar, wohin die Reise geht. Auf der Tribüne des Prinzenpark-Stadions hatte sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern mit Präsident Uli Hoeneß bereits verständigt, dass es nicht mehr anders gehe, als sich von Trainer Carlo Ancelotti zu trennen.

Am Tag danach ging alles rasend schnell. Kaum in München gelandet, fuhr Rummenigge mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic zur Säbener Straße. Nach kurzer Unterredung informierten sie Ancelotti, dass die Zusammenarbeit beendet sei. Noch ehe es Rummenigge offiziell bestätigten konnte, preschte der Trainer über seinen Haussender„Sky Italia vor, gab bekannt: „Ich bin nicht mehr Trainer von Bayern München.“

Um 15.45 Uhr folgte schließlich Rummenigges offizielle Erklärung: „Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen. Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten. Das haben Hasan Salihamidzic und ich Carlo heute in einem offenen und seriösen Gespräch erklärt und ihm unsere Entscheidung mitgeteilt.“

Und weiter: „Ich bedaure die Entwicklung, die sie genommen hat. Carlo ist mein Freund und wird es bleiben, aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen.“

Nur selten trennten sich die Bayern von einem Trainer mitten in der Saison, noch nie nach sechs Bundesliga- und zwei Champions-League-Spieltagen. Vorzeitig gehen mussten zuletzt allein Louis van Gaal im April 2011 und Jürgen Klinsmann im April 2009, als die Saison jeweils kurz vor dem Ende stand. Ancelottis Entlassung ist so gesehen ein neuer, trauriger Rekord. Er spricht nicht für ein souveränes Vorgehen beim FC Bayern der Neuzeit.

Mit Ancelotti wurde auch sein Sohn Davide, der Co-Trainer, freigestellt, sowie die italienischen Fitnesstrainer Giovanni und Francesco Mauri, Ernährungsberater Mino Fulco, Ancelottis Schwiegersohn. Ein bisschen viel der Familie, hatten Kritiker schon länger bemängelt. Der Franzose Willy Sagnol darf dagegen bleiben. Der frühere Rechtsverteidiger, der als Aufpasser geholt wurde, hatte sich zuletzt mit Ancelotti angefreundet. Am Sonntag beim Gastspiel in Berlin hat er als Übergangstrainer das Sagen.

Tja, wenn die Bayern nach Frankreich reisen. Rummenigge ging zwar nicht so radikal vor wie 2001 der damalige Präsident Franz Beckenbauer. Als dieser nach dem 0:3 in Lyon ins Mikrofon zischte, die Spieler sollten sich andere Berufe suchen, waren alle geschockt, zutiefst verletzt. Ottmar Hitzfeld, von allen hochgeschätzt, durfte Trainer bleiben. Beckenbauers Rechnung ging auf, Bayern holte am Ende die Champions-League-Trophäe.

Doch Rummenigge, das war ihm bewusst, sprach er zu einer Mannschaft, die nur schwer wieder aufzurichten schien. Zu tief saßen die Wunden, der Hauptverantwortliche musste weg.

Ancelotti hatte bisher bei allen seinen Trainerstationen Freunde hinterlassen. Ob in Paris (Zlatan Ibrahimovic), bei Real Madrid (Cristiano Ronaldo) Chelsea (Frank Lampard). Bei Bayern dagegen hatte er zuletzt an Publikumslieblingen und Stars gerüttelt, sie gegen sich aufgebracht und damit die Mannschaft zerrüttet. Die Aufstellung in Paris ohne die Flügelzange Arjen Robben und Franck Ribéry, in der Abwehr ohne den Integrator Mats Hummels war ein Affront gegen Fans und gegen Teile der Mannschaft.

Ein Blatt mit elf Namen

So als hätte es der frühere Weltklassespieler seinen Rausschmiss nur beschleunigt. So als wollte er nichts als schnell weg nach China, wo ihn offenbar diverse Millionenangebote reizen. Der Mannschaft hatte er seine Startformation in Paris staubtrocken auf einem Blatt mit elf Namen mitgeteilt. Dass er Sven Ulreich für den verletzten Manuel aufstellen musste, dafür kann Ancelotti nichts. Dem Torwart kann man nur das 2:0 von Cavani anlasten. Aber wer hatte dem Trainer eingeflüstert, David Alaba nach vier Wochen Verletzungspause aufzustellen, der sich vor Neymars 3:0 vom 18jährigen Mbappé wie ein Schuljunge vorführen ließ?

Es offenbarten sich noch schlimmere Fehler in der Aufstellung. Warum hielt Ancelotti an Arturo Vidal fest, dem Partylöwen, der unübersehbar einen Bauchansatz vor sich herschiebt und Skandale sammelt wie die Gelben Karten? Im Vergleich dazu scheint Thiago Alcantara eher von der Magersucht geplagt. Ein glänzender Fußballer, der allerdings in den Schlüsselspielen abzutauchen pflegt. Auch Robert Lewandowski spielte in Paris einmal mehr weit unter Normalform.

Bayerns Bosse können sofort zugreifen, wenn sie sich für Thomas Tuchel entscheiden. Sie müssen noch bis Saisonende – eine lange Zeit – warten, wenn sie Hoffenheims Julian Nagelsmann für erstrebenswerter halten. Bei Leipzigs Ralph Hasenhütel verhält es sich nicht anders.

Einigkeit besteht nur in einem: Der neue Mann muss perfektes Deutsch beherrschen. Denn die Sprache war bei Ancelotti wie bei Vorgänger Pep Guardiola das größte Handicap.

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29.09.2017, 06:00 Uhr
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