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Konflikt

Nach der Feuerpause sind viele Fragen offen

Die USA und die Türkei einigen sich auf einen fünftägigen Waffenstillstand in Nordsyrien. Aber ob er hält und was danach kommen soll, ist völlig unklar.

19.10.2019

Von GERD HÖHLER

Syrische Kämpfer, die von der Türkei unterstützt werden, machen in der syrischen Grenzstadt Tal Abyad das Victory-Zeichen. Foto: Bakr Alkasem/afp

Ankara. Eigentlich sollen jetzt die Waffen schweigen in Nordsyrien. Aber schon wenige Stunden, nachdem US-Vizepräsident Mike Pence in der türkischen Hauptstadt die Einigung auf eine Feuerpause bekanntgab, fielen wieder Schüsse. Augenzeugen berichteten von Artilleriefeuer auf die Stadt Ras al-Ain. Schwarze Rauchwolken stiegen aus dem Stadtzentrum auf. Wer die Granaten abfeuerte, war unklar.

Die neuerlichen Kämpfe zeigen, wie fragil die vereinbarte Waffenruhe ist und wie explosiv die Lage in Nordsyrien bleibt. Während der jetzt vereinbarten Feuerpause sollen die kurdischen Milizen der YPG, gegen die sich die vor zehn Tagen gestartete türkische Offensive richtet, aus der Grenzregion zurückziehen. Aber was die Vereinbarung im Detail bedeutet, ist unklar.

Das beginnt schon beim Streit um Worte. Pence sprach von einer Waffenruhe. Doch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies diese Bezeichnung zurück und sprach von einer „Kampfpause“. Danach werde man die Operation fortsetzen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan unterstrich, die Türkei wolle auf der syrischen Seite der Grenze eine 444 Kilometer lange und 32 Kilometer tiefe „Schutzzone“ schaffen, aus der sich die Kurdenmilizen, die Ankara als Terroristen bezeichnet, komplett zurückziehen müssten. Anschließend will Erdogan dort bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge aus der Türkei ansiedeln.

Ein Kommandeur der YPG kündigte zwar an, man werde sich zurückziehen und „alles tun, damit die Waffenruhe ein Erfolg wird“. Eine dauerhafte Präsenz der Türkei in der Region werde aber nicht akzeptiert. Dagegen frohlockte Außenminister Cavusoglu: „Wir haben bekommen, was wir wollten.“

Erdogan steht als Gewinner da

Tatsächlich steht Staatschef Erdogan zunächst einmal als Gewinner da: Er bekommt einen kampflosen Rückzug der Kurdenmilizen aus der Grenzregion und wendet mit dem Deal, den er mit Pence aushandelte, überdies die drohenden US-Wirtschaftssanktionen ab. Ob Erdogan die erhoffte „Schutzzone“ etablieren kann, ist aber offen. Weder Moskau noch Damaskus werden es akzeptieren, dass die Türkei in Nordsyrien dauerhaft eine Besatzungszone einrichtet.

Das Thema dürfte die Gespräche beherrschen, zu denen sich Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin am Dienstag in Sotschi treffen wollen. Russlands wachsender Einfluss in der Region müsste den Amerikanern und Europäern eigentlich Sorge bereiten. Noch beunruhigender ist die Aussicht, dass mit dem Rückzug der YPG tausende IS-Kämpfer freikommen könnten. Auch diese Gefahr wird durch die Feuerpause nicht gebannt. Gerd Höhler

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Erstellt:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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