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Diözese verweist auf "fundamentale Unterschiede"

Nach dem Bau-Skandal von Limburg gerät auch die neue Klerus-Zentrale von Rottenburg in die

Auch die Diözese Rottenburg hat sich eine neue Zentrale geleistet - für 39 Millionen Euro. Doch zwischen diesem Bau und der Limburger Bischofsresidenz bestehen laut Kurie "fundamentale Unterschiede".

15.10.2013

Von RAIMUND WEIBLE

Rottenburg Im Juni dieses Jahres ist die neue Zentrale des Bistums Rottenburg feierlich eröffnet worden. Der Bau am Rand der Altstadt stieß damals nur auf geringe Resonanz überregionaler Medien. Doch seit die Bischofsresidenz von Limburg und die Extravaganzen von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst die Schlagzeilen beherrschen, wird der bischöfliche Sprecher Uwe Renz von Nachfragen überhäuft. Viele Journalisten wollen wissen: Wie ist das denn mit dem neuen Verwaltungsbau gelaufen? Sind 39,2 Millionen Euro für das Gebäudeensemble nicht übertrieben? Immerhin ja acht Millionen Euro mehr, als van Elst für seine Residenz ausgibt.

Das neue Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg hat 39 Millionen Euro gekostet. Die Diözese hält diese Kosten für gerechtfertigt. Foto: Manfred Grohe

Renz verweist auf mehrere "fundamentale Unterschiede" zwischen dem neuen Sitz des Klerus in Rottenburg und der Bischofsresidenz von Limburg. Zunächst einmal: Die Rottenburger Verwaltungszentrale wurde gebaut, um gut 320 Bedienstete des Ordinariats unter ein Dach zusammenzubringen, in Limburg ist nur von zwölf die Rede. "Zusammenführung Kurie" hieß das Projekt. Die Beschäftigten waren zuvor auf acht Gebäude, die teilweise gemietet waren, im ganzen Stadtgebiet verteilt. Vom Zusammenrücken verspricht sich die Diözesanleitung verbesserte Betriebsabläufe. Energetisch wurde die Zentrale optimiert. Durch die Einsparungen beim Energieverbrauch, die verbesserte Kommunikation und die optimierten Betriebsabläufe wird sich die Investition nach einer Schätzung von Generalvikar Clemens Stroppel innerhalb von 25 Jahren amortisieren.

Schon aus baulichen Gründen stand die Diözese unter Druck. An Ort und Stelle verfügte sie über einen alten Gebäudebestand. Das 1922 errichtete Domherrenhaus konnte getrost abgerissen werden, die beiden anderen stehen unter Denkmalschutz: Das "Palais", ein Renaissance-Winkelbau des ehemaligen Jesuiten-Kollegs, und der Rohrhalder Hof, ein ehemaliger Kloster-Pfleghof. Ihr Zustand: katastrophal. Die Dächer waren schadhaft, Wasser-, Heizungs- und Elektroinstallationen marode, der Brandschutz lag im Argen. Im Diözesanarchiv nistete Feuchtigkeit. Schimmel gefährdete die Gesundheit der Mitarbeiter, die Mehrheit der Archivalien musste ausgelagert werden. Eine Generalsanierung hielt Stroppel daher für "unabweisbar notwendig".

Im Gegensatz zu Limburg, dessen Bistum nur ein Drittel so groß und anders verfasst ist, genehmigte in Rottenburg der mit Haushaltshoheit ausgestattete Diözesanrat das Bauvorhaben. Finanziert wurde der Bau mit Rücklagen aus Kirchensteuer-Einnahmen. Die Diözese lobte 2002 einen Architektenwettbewerb aus. Das renommierte Stuttgarter Büro Lederer, Ragnarsdottir, Oei erhielt den Zuschlag.

Kritische Stimmen verweisen auf einen ersten Kostenvoranschlag von 12,5 Millionen Euro. Er stammt aus den 1990er Jahren, als nur von einem Erweiterungsbau die Rede war ohne die Sanierung von Palais und Rohrhalder Hof und dem Neubau des Archivs. Der erste belastbare Kostenvoranschlag vom November 2008 lag bei 36,5 Millionen Euro. Wegen zusätzlicher Schäden im Palais stiegen die Kosten auf 39,2 Millionen an.

Barockelemente Protzbau oder städtebaulich ansprechende Lösung? Beim neuen viergeschossigen Mittelbau der neuen Diözesanzentrale scheiden sich die Geister. Der Stuttgarter Architekt Arno Lederer nahm bei seinem Entwurf gestalterische Elemente der barocken Josephskirche auf, die bis 1808 auf dem Platz stand. Im Foyer erinnern geschwungene Balkone an die Kirchenemporen. Verkleidung Die Fassade verkleidete Lederer mit Ziegelsteinen. Sie sollen für eine Annäherung zu der umgebenden historischen Bebauung sorgen. Bischof Gebhard Fürst rechtfertigt den durchaus mit Kosten verbundenen ästhetischen Aufwand. Das Geschaffene sei „kein Luxus?, „sondern notwendig für eine zeitgenössische, gute, qualitätsvolle Pastoral?. web Bistum besitzt Sammelsurium von Objekten: Rottenburger Generalvikar Stroppel gibt Einblick in das Vermögen des Bischöflichen Stuhls 18.10.2013 Kommentar Katholische Kirche: Es fehlt an Transparenz 17.10.2013 Hintergrund Kirchenfinanzen: Vermögen nicht zentral erfasst 17.10.2013 Drei Zimmer in Rokokopalais - Prunk ist bei Bischöfen eher die Ausnahme: Wohnung, Auto, Geld: Deutschlands Oberhirten sind gut versorgt 17.10.2013 Von Prunksucht und Spendenbereitschaft: Limburger Schockwellen bei der Caritas in Reutlingen 16.10.2013 Rottenburg/Stuttgart : Bistümer im Südwesten wollen Vermögen offenlegen 16.10.2013 Rottenburg: Bischof Fürst fordert Konsequenzen in Affäre um Tebartz van-Elst 16.10.2013 Vatikan: Limburger Skandal kann Ruf des Papstes schädigen 16.10.2013 Stuttgart : Kretschmann fordert Rücktritt des Limburger Bischofs 15.10.2013 Diözese verweist auf "fundamentale Unterschiede": Nach dem Bau-Skandal von Limburg gerät auch die neue Klerus-Zentrale von Rottenburg in die Diskussion 15.10.2013 Stichwort Bischofsrücktritte: Kein Amt für die Ewigkeit 15.10.2013 Zollitsch: Entscheidung naht: Freiburger Erzbischof erhöht Druck auf Limburger Kollegen 15.10.2013 Eklat beim Tag der Offenen Tür am Sonntag in Rottenburg: Tausende besuchten das neue Bischöfliche Ordinariat 14.10.2013 Protest nach der Messe: Vom Dom zu Limburg schlägts 13 14.10.2013 Kommentar Bischof: Abberufung überfällig 14.10.2013 Bischof nach Rom geeilt: Neue Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst - Baukosten bei 40 Millionen Euro? 14.10.2013 Zum Neubau des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg: Palast-Areal 14.10.2013 Rottenburg/Limburg : Rottenburger Diözese wirbt für Transparenz bei Bauprojekten 12.10.2013 Ein Stück der Ewigkeit: Das Buch über das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg ist erschienen 12.10.2013 Ein Fall für Justiz und Vatikan: Amtsgericht Hamburg prüft Antrag auf Strafbefehl gegen Limburger Bischof Tebartz-van Elst - Spekulationen über Ablösung des Geistlichen 11.10.2013 Kommentar Tebartz-Van Elst: Lug und Trug 11.10.2013 Bischof droht Strafbefehl: Tebartz-van Elst soll falsch ausgesagt haben - Fall beschäftigt den Vatikan 11.10.2013

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Erstellt:
15. Oktober 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2013, 12:00 Uhr

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