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Schlammschlacht 2.0

Nach Zwanziger gegen Niersbach jetzt Netzer gegen Zwanziger

DFB-Chef Theo Zwanziger kämpft in der WM-Affäre an der nächsten Front: Der "Kronzeuge" scheint es im Streit mit Günter Netzer auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen zu wollen.

29.10.2015
  • SID/DPA/MHA

Köln Das Sommermärchen ist zur Staatsaffäre geworden: Das Bundesinnenministerium bestätigte gestern eine Überprüfung seiner Unterlagen zur Organisation der Fußball-WM 2006 in Deutschland, um dem Verdacht einer mutmaßlichen Täuschung des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily als Mitglied des OK-Aufsichtsrates nachzugehen. Parallel eskaliert die Auseinandersetzung zwischen Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger und Günter Netzer. In der Debatte über die ungeklärte 6,7-Millionen-Euro-Zahlung der WM-Macher von 2005 an den Weltverband Fifa lehnte Zwanziger die Unterzeichnung der von Netzers Anwalt geforderten Unterlassungserklärung kategorisch ab. "Da ich die Wahrheit gesagt habe, habe ich keinen Grund, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben", zitierte Spiegel Online den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Zwanziger behauptet, Netzer hätte 2012 in einem Gespräch den Kauf von Stimmen für Deutschlands WM-Bewerbung mit einer "schwarzen Kasse" bestätigt. Netzer bestreitet diese Aussage auch im Ansatz. Netzer beruft sich darauf, dass seine Ehefrau während des gesamten Gesprächs mit am Tisch gesessen habe und bestätigen könne, dass er die von Zwanziger behauptete Aussage nicht getätigt habe. Zwanziger widersprach: "Frau Netzer war bei unserem Gespräch von etwa zwei Stunden höchstens eine halbe Stunde dabei." Wenn Zwanziger die Unterlassungserklärung nicht bis zur gesetzten Frist morgen um 14 Uhr unterschreibt, sehen sich die beiden Schwergewichte des deutschen Fußballs möglicherweise vor Gericht wieder.

Auch über den Streit mit Netzer hinaus scheint sich Zwanziger seiner Sache erstaunlich sicher. "Ich habe Dokumente und Kopien gemacht. Ich kann meine Aussagen beweisen", sagte der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und ehemalige OK-Vize - und legte doch wieder einmal nichts Belastbares vor. Zwanziger will seine Karten angeblich zuerst in der Befragung durch die externen DFB-Ermittler aufdecken.

Zwanziger, der vor zehn Jahren die Millionen-Anweisung freigezeichnet hatte, deutete die Planung "weiterer Schritte" an. Die Kritik von vielen Seiten an seiner Vorgehensweise irritiere ihn eigenen Angaben zufolge nicht: "Irgendwann werden die Menschen dankbar dafür sein, dass jemand die Wahrheit ans Tageslicht gebracht hat."

Bedenken gibt es zur Unabhängigkeit der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer bei der Aufarbeitung der WM-Affäre. Der DFB bestätigte einen Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" über eine private Bekanntschaft zwischen DFB-Präsidialbüroleiter Friedrich Curtius und Freshfields-Kanzleipartner Christian Duve.

Beim Bundesministerium für Inneres (BMI) haben Hinweise auf eine fingierte Begründung der WM-Macher für die Zahlung an die Fifa die Alarmglocken ausgelöst. Denn vor der Fifa-Überweisung soll das OK mit der "Legende" vom "Beitrag zum Fifa-Kulturprogramm" auch beim damaligen Bundesinnenminister Schily versucht haben, aus Töpfen mit Bundesmitteln sieben Millionen Euro für die mutmaßliche Rücküberweisung an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus loszueisen. Deshalb prüfe das Ministerium seine eigenen Akten", sagte BMI-Sprecherin Lisa Häger.

Joseph Blatter sagte derweil der russischen Staatsagentur Tass, dass es im Jahr 2010 Absprachen über die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gegeben habe. Demnach hätte 2018, wie geschehen, Russland den Zuschlag bekommen sollen, 2022 die USA. Erst nach Interventionen des damaligen französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy und von Uefa-Boss Michel Platini sei Katar als Austragungsort für die Weltmeisterschaft 2022 ins Spiel gekommen. "Dies hat alles geändert. Bei einer geheimen Abstimmung gingen vier Staimmen aus Europa von den USA an Katar", sagte Blatter. Letztlich setzte sich Katar mit 14:8 Stimmen gegen die USA durch.

Nach Zwanziger gegen Niersbach jetzt Netzer gegen Zwanziger
Sehen sich vielleicht bald vor Gericht wieder: Ex-Nationalspieler Günter Netzer (links) und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger. Foto: dpa

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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