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Weniger Gitter und Gurte in den Heimen

Nach Krankenkassen-Zahlen geht die Zahl der Fixierung von Pflegebedürftigen zurück

Mit Gittern am Bett oder Gurten gegen die Sturzgefahr - das ist in den Pflegeheimen immer weniger Alltag. Nach Krankenkassen-Angaben treffen solche Maßnahmen noch knapp 8500 Pflegebedürftige im Land.

29.10.2015
  • DPA/EB

Stuttgart Pflegeheime im Südwesten verzichten nach Angaben der Techniker-Krankenkasse (TK) zunehmend auf die umstrittenen Fixiergurte und Bettgitter für ihre Bewohner. 2014 seien noch knapp 8500 Pflegebedürftige an Betten gegurtet, an Stühle gebunden oder eingesperrt worden - mehr als 20 Prozent weniger als 2013. Das teilte die Krankenkasse mit. Damals seien 10 800 Menschen von solchen Einschränkungen betroffen gewesen. 2012 waren es sogar noch 12 200 Pflegebedürftige. Die Kasse beruft sich bei diesen Zahlen auf eine Auswertung des Justizministeriums.

"Bei vielen Heimen hat ein Umdenken eingesetzt. Die Freiheit der Heimbewohner wird wieder höher bewertet", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung. Fixierungen führten bei den meisten Bewohnern zu Angstzuständen und Verlust des Selbstwertgefühls. Viele Pflegeexperten halten sie sogar für völlig entbehrlich. Derzeit werden in Baden-Württemberg über 90.000 Menschen in Pflegeheimen vollstationär betreut. Rund 70 Prozent davon gelten als dement.

Zu der positiven Entwicklung bei den Fixierungen beigetragen hätten maßgeblich Projekte wie "Stuttgart ohne Fixierungen" der Amtsgerichte in Stuttgart und Stuttgart-Bad Cannstatt, sagt die Krankenkasse. Ziel dieser 2013 ins Leben gerufenen Initiative ist es, mit der Heimaufsicht, dem MDK und den Pflegeheimen freiheitsentziehende Maßnahmen mindestens um ein Drittel zu reduzieren. Dazu werden im gerichtlichen Genehmigungsverfahren sachkundige Verfahrenspfleger hinzugezogen. Die müssen einen pflegefachlichen Berufshintergrund haben und sollen eine Alternative zu Fixierungen finden. Die Verfahrenspfleger sollen die Interessen der Betroffenen wahrnehmen und ihnen zur Seite stehen - gemeinsam mit den Angehörigen, Betreuern und Pflegekräften, um das Verletzungsrisiko bei einem Sturz einzuschätzen, aber auch die Folgen einer Fixierung.

Schon vor Stuttgart hatte das Amtsgericht Esslingen auf dieses "Werdenfelser Modell" gesetzt, das bereits seit 2007 in Garmisch-Partenkirchen erprobt wurde.

Maßnahmen wie Fixierungen greifen ganz erheblich in die grundgesetzlich geschützte Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit eines Menschen ein. Ziel ist deshalb immer, die Zahl der genehmigungspflichtigen Maßnahmen deutlich zu reduzieren.

2013 hatten 19 Träger mit knapp 50 Pflegeeinrichtungen in der Landeshauptstadt die Aktion mit ihrer "Stuttgarter Erklärung" ausdrücklich unterstützt. "Die Bewegungsfreiheit ist ein Grundrecht, das gegenüber einer scheinbaren körperlichen Sicherheit gestärkt werden soll", heißt es im Papier. Im Kreis Ludwigsburg ist letztes Jahr das Projekt "eigenfrei" angelaufen. Die Arbeitsgemeinschaft für Betreuungsangelegenheiten bietet Infos für Betroffene und Angehörige sowie Fortbildungen für Pflegeheime an.

Das Bundesverfassungsgericht stärkte erst im Juni die Rechte pflegebedürftiger Menschen. Demnach brauchen Angehörige selbst dann eine richterliche Erlaubnis etwa für Fixierungen, wenn ihnen eine Vollmacht des Betroffenen dafür eigentlich freie Hand lässt.

Nach Krankenkassen-Zahlen geht die Zahl der Fixierung von Pflegebedürftigen zurück
So braucht es keine Fixierung: Links und rechts Matratzen am Bett, damit sich die Heimbewohnerin, falls sie herausfällt, nicht verletzt. Foto: dpa

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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