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Geldversorgung

Nach Aufhausen kommt die Bank im Bus

Die Zahl der Filialen geht kontinuierlich zurück – auch im Südwesten. Die Kreditinstitute setzen darum auf Alternativen.

02.09.2017
  • SIMONE DÜRMUTH

Aufhausen. Jeder seiner Enkel bekommt zum Geburtstag und zu Weihnachten Geld aufs Sparbuch. Das zahlt Wilhelm Rehm in der mobilen Filiale der Kreissparkasse Göppingen ein, die jeden Montag und Dienstag in Aufhausen auf der Alb Station macht.

Seit November 2015 sind die Bankberater Constanze Klaus und Joachim Beck mit dem roten Bus unterwegs. Einige Monate zuvor wurden die Filialen der Sparkasse in Aufhausen und einigen anderen kleineren Orten geschlossen. In der Zwischenzeit gab es gar kein Angebot. Viele Kunden mussten dann regelmäßig die knapp zehn Kilometer nach Geislingen fahren, um ihre Angelegenheiten auf der Bank zu regeln. Heute hat sich das geändert: „Selbst Leute, die in Geislingen arbeiten und dort zur Bank könnten, kommen regelmäßig zu uns“, erzählt Constanze Klaus. Sie wissen das Angebot zu schätzen und wollen es nutzen – damit es nicht irgendwann wieder aufgegeben wird.

Jetzt hält der umgebaute Transporter an sieben verschiedenen Stationen, jeweils für eine Stunde. Je nachdem, wie gefragt der Service ist, wird ein Ort auch mehrmals die Woche angefahren. „Etwa zehn Kunden kommen in einer Stunde“, berichtet Constanze Klaus.

Im Bankbus können die Kunden fast alles wie in einer normalen Filiale erledigen. Nur einen Kontoauszugsdrucker gibt es nicht. Der wiegt, inklusive Papier, rund 40 Kilo, erklärt Constanze Klaus – das wäre dann doch zu viel für die Hinterachse gewesen. Und auch einen Geldautomaten sucht man vergeblich. Der ist aber auch nicht notwendig. „Geld auszahlen machen wir persönlich“, sagt Joachim Beck.

Unterwegs sind Constanze Klaus und Joachim Beck sommers wie winters. Dabei müssen sie auch mal extreme Temperaturen am Arbeitsplatz aushalten. Ausgefallen ist die Tour bisher nur ein Mal. Aber da gleich für zwei Wochen. Ein anderes Fahrzeug hatte den Sparkassen-Transporter übersehen. Während der Zeit der Reparatur waren die Orte auf der Alb dann tatsächlich ganz ohne Bank.

Zwar gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch ein vergleichsweise dichtes Netz an Banken, doch seit Jahren sinkt sowohl ihre Zahl als auch die der Filialen. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Bundesbank gab es zum Jahresende 2016 bundesweit 1888 Institute und damit 72 weniger als Ende 2015. Die Zahl der Filialen ging um 2019 auf 32 026 zurück. Die rückläufige Entwicklung habe sich beschleunigt. Die Bundesbank führt als Gründe den hohen Wettbewerbsdruck und die aktuell niedrigen Zinsen an.

Erstmals weniger als 1000 Anlaufstellen haben derzeit die Kreditgenossenschaften. Ende 2016 waren es gerade noch 972, wie der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mitteilt. Das größte Filialnetz in Deutschland haben mit rund 14 450 nach wie vor die Sparkassen.

Wenn Filialen geschlossen werden müssen, geht es nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands „in erster Linie um Kleinstfilialen mit bis zu zehn Mitarbeitern“. Auf dem Land, wo Filialen seltener frequentiert werden als in Großstädten, sind die Banken deshalb auf der Suche nach Lösungen für ihre Kunden.

Einige ausgewählte Beispiele: Die VR Bank Südpfalz in Rheinland-Pfalz betreibt in einigen Orten wie Lustadt und Neupotz zwar weiterhin Zweigstellen, führte dort aber eine Serviceberatung per Videoschaltung für Kunden ein. Die Mitarbeiter müssen so nicht mehr vor Ort sein und können mehrere Filialen gleichzeitig betreuen. Die Bank will nach eigenen Angaben das Konzept erweitern, einige Standorte sollen hinzukommen.

In Bayern und Baden-Württemberg können Kunden bei einigen Sparkassen einen Bargeld-Bringservice nutzen, der nach Hause kommt. Die Nachfrage sei allerdings nicht allzu groß, heißt es vom Sparkassenverband Bayern. Im sächsischen Zabeltitz gibt es eine andere Idee: Die Sparkasse dort hat nur noch an zwei Tagen geöffnet, die Filiale teilt man sich mit anderen Dienstleistern, zum Beispiel einem Friseur und einem Paketdienst. Das Konzept werde gut angenommen, teilt die Sparkasse Meißen mit.

In Aufhausen machen die Bankberater derweil den Kassenabschluss. Eine Schülerin in kurzen Hosen kommt noch schnell um die Ecke und bringt ein Überweisungsformular vorbei. Auch eine Stammkundin macht kurz Halt am roten Bus. Sie hat gar nichts zu erledigen bei der Sparkasse, bleibt aber für ein Schwätzchen stehen. „Der Kontakt mit den Leuten ist einfach wichtig“, da sind sich Constanze Klaus und Joachim Beck einig. Darum fahren sie auch nächste Woche wieder über die Dörfer rund um Göppingen. (mit dpa)

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02.09.2017, 06:00 Uhr
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