Betrugsprozess

NSU-Opfer von Anwalt erfunden

Jurist vertritt angebliche Nebenklägerin, die es nicht gibt, und kassiert damit ordentlich ab.

08.08.2020

Von LBY

Aachen. In einem Betrugsprozess vor dem Landgericht Aachen wird einem Rechtsanwalt die Erfindung eines NSU-Opfers vorgeworfen. Der 52 Jahre alte Jurist habe beim NSU-Prozess in München ein Opfer des Nagelbombenanschlags der Rechtsterroristen in der Kölner Keupstraße vertreten, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt, sagte der Staatsanwalt. Dafür habe der Anwalt mehr als 211 000 Euro aus der Staatskasse bezogen. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Es werden ihm Betrug, versuchter Betrug, Urkundenfälschung und Anstiftung zur falschen Versicherung an Eides statt vorgeworfen.

Meral Keskin – so hieß das angebliche Opfer des NSU-Anschlags. Fakt ist: Der Anschlag war furchtbar. 22 Menschen wurden verletzt, vier schwer. Viele wurden extrem traumatisiert. Nur eben nicht Meral Keskin – denn die hat es nie gegeben. Der Anwalt wusste das Oberlandesgericht München dennoch mit falschen Bescheinigungen von ihrer Existenz zu überzeugen.

Angeklagt ist der Anwalt auch im Zusammenhang mit dem Prozess um die Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Dabei soll er – allerdings erfolglos – versucht haben, ein vermeintliches Opfer der Techno-Party zu vertreten. dpa

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2020, 06:00 Uhr

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