Alle profitieren

NS-Lernzentrum will Runden Tisch mit der Stadt

Soll im alten Tübinger Güterbahnhof ein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus entstehen? Die Ansichten gehen auseinander. Befürworter schlagen vor, dass alle Nutzungsinteressierten mit Vertretern der Stadt über die Zukunft des Bahnhofs sprechen.

29.01.2015

Von kai

Tübingen. Der Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus (LDNS) habe nichts gegen eine öffentliche Debatte. Im Gegenteil: Er begrüße sie, heißt es in einer Pressemitteilung, übermittelt von LDNS-Geschäftsführer Stefan Wannenwetsch. Darin äußert der Verein sich zu umstrittenen Punkten. „Das LDNS ist keine Konkurrenz für das Stadtarchiv.“ Es gebe „viele Synergieeffekte“, etwa durch gemeinsame Nutzung der Veranstaltungsräume. Oder dadurch, dass die Bestände des LDNS die Archivalien des Stadtarchivs zur Geschichte des Nationalsozialismus ergänzen würden. „So würde das Archiv ganz erheblich vom LDNS profitieren.“

Welche Bedeutung hat der Beobachtungsstand? Ist er ein „authentisches Zeugnis des NS-Terrors“, wie es in Veröffentlichungen des Vereins heißt? Der räumt in seiner Stellungnahme ein, dass der Bau des Beobachtungsstands und der Einzug der Brandschutzmauer „Teil der allgemeinen Kriegsvorbereitungsmaßnahmen“ waren. Doch unabhängig von der Frage, ob der Beobachtungsstand ausschließlich zur Bewachung von Kriegsgefangenen oder auch für andere Zwecke gebaut wurde, bleibt der Verein dabei: Die gesamte Güterhalle samt Verladebahnsteig sei „ein authentischer Ort der Zwangsarbeit und somit des repressiven Charakters der nationalsozialistischen Herrschaft“. An ihm lasse sich „exemplarisch die Geschichte von Tätern und Opfern erzählen“ – auch in ihrer Bedeutung für die Region Südwürttemberg.

Weil die Geschichte komplexer sei als ein authentischer Ort, bedürfe es eines Lern- und Dokumentationszentrums, das diese Komplexität vermittle. Besonders auch an Schulklassen. Wenn noch „professionelle Angebote“ zum weiterforschenden Lehren vorhanden seien, davon ist der Verein überzeugt, „kann der Bogen zu aktuellen Problemen wie Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gut gespannt werden“.

Kritik kam auch an den Kosten und an den Vorschlägen des Vereins zur Finanzierung auf. Er verweist darauf, dass beides auf den Erfahrungen von Gedenkstätten und Lernorten vergleichbarer Größe basiere.

Muss das Zentrum einen regionalen Schwerpunkt haben? Auch hier bleibt der Verein bei seiner Einschätzung, dass die Beschränkung auf die Tübinger NS-Stadtgeschichte zu kurz greife. Ein inhaltlicher Schwerpunkt soll der Stellungnahme zufolge die bisher wenig erforschte Zwangsarbeit sein: „Nur kleinstädtisch lässt sie sich nicht erfassen.“ Zudem wäre ein LDNS „ein Alleinstellungsmerkmal“ Tübingens, von dem die ganze Stadt profitieren würde.

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Erstellt:
29. Januar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Januar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2015, 12:00 Uhr

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