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Enkeltrick im großen Stil

Mutmaßliche Drahtzieher einer Betrugsserie vor dem Landgericht

Ein Fall aus Tübingen führte auf ihre Spur: Die mutmaßlichen Drahtzieher einer bundesweiten Enkeltrick-Serie müssen sich seit Donnerstag vor dem Landgericht verantworten. Dem Paar wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen.

29.10.2015
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Die beiden Angeklagten sind eine 50-Jährige und ihr 54-jähriger Mann. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Als Köpfe einer Bande von mindestens acht Komplizen sollen sie mit dem sogenannten Enkeltrick bundesweit von älteren Menschen erhebliche Geldbeträge erlangt haben. Der Großteil der erbeuteten Summen sei an die Angeklagten geflossen, hieß es in der Anklageschrift.

Einer der drei Söhne des Duos soll die im Telefonbuch ausgeguckten Opfer angerufen und auch die zunächst zwei Geldabholer angeleitet haben. Letztere, ebenfalls ein Paar, wurden bereits im März zu jeweils drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

„Meist holte die Frau das Geld ab“, sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Henn. Die 28-Jährige sei durch ihren Mann gesichert worden, der im Hintergrund observierte. Als die beiden nach ihrer Festnahme ausfielen, soll die Bande weitere Helfer angeheuert haben.

Die Anrufe folgten stets dem gleichen Muster: Der jeweilige Täter gab sich als Enkel, Sohn einer Kusine oder Neffe aus, der dringend Geld für ein Immobiliengeschäft benötige – beispielsweise weil aufgrund eines Zahlendrehers eine Überweisung nicht rechtzeitig eingetroffen sei.

Auf diese Weise soll die Gruppierung Ende Juni 2014 von einer 78-Jährigen in Bochum 15.000 Euro erbeutet haben, wobei der Anrufer offenbar den Vornamen des Enkels der Geschädigten kannte.

Es ging immer um fünfstellige Summen

Am 11. August 2014 traf es laut Anklageschrift eine 79-Jährige in Witten. Ihr Neffe Dietmar halte sich in Dortmund auf und brauche dringend Geld für eine Immobilie, soll der Anrufer behauptet haben. Die Frau glaubte ihm und übergab dem Abholer-Duo 31.000 Euro.

Sogar 34.000 Euro zahlte am 16. September 2014 eine 89-Jährige im nordrheinwestfälischen Jüchen-Rath, weil sie annehmen musste, ihr Neffe Stefan brauche dringend finanzielle Hilfe. Nur einen Tag später soll eine ebenfalls 89-Jährige in Wuppertal-Elberfeld 10.000 Euro an die Betrüger übergeben haben.

Am 18. September 2014 soll die Bande eine damals 74-jährige Tübingerin kontaktiert haben: Ihr Neffe Christian benötige sofort 50.000 Euro. Doch die Frau ließ sich nichts vormachen und schaltete die Polizei ein. Kurz darauf wurde die Geldabholerin verhaftet. Weil ein von einer Radarfalle geschossenes Foto bewies, dass auch deren 30-jähriger Ehemann beteiligt war, wurde er ebenfalls festgenommen (wir berichteten). Am Tattag war bundesweiter Blitzmarathon. Das Paar war auf dem Weg zur geplanten Geldübergabe mit Tempo 90 durch Pfäffingen gebraust. Mittlerweile sollen die beiden den Geschädigten in den Fällen, an denen sie beteiligt waren, insgesamt 90.000 Euro zurückerstattet haben.

Weitere fünf Betrugsversuche scheiterten. Doch im November 2014 soll die Bande eine 74-Jährige in Regensburg um 30.000 Euro gebracht haben. Die Angeklagten machten keine Angaben. Der Prozess wird am Dienstag, 3. November, fortgesetzt.

Info Vorsitzender Richter: Martin Streicher; Beisitzerin: Diana Scherzinger. Schöffen: Helmut Hämmerle, Katarina Mallok. Staatsanwalt: Bernhard Henn. Verteidiger: Wolfgang Küpper-Fahrenberg, Julia Mende, Peter Mende, Thomas Mende.

Im Nachhinein machten sich Geschädigte, die auf Telefonbetrüger hereingefallen waren, häufig selber Vorwürfe, wie sie so leichtgläubig hatten sein können. Das sagte Oberstaatsanwalt Bernhard Henn am Rande der Gerichtsverhandlung gegen die mutmaßlichen Drahtzieher einer bundesweit agierenden Bande. „Sie schämen sich und ziehen sich zurück.“ Manche gerieten in eine bedrängende Notlage: Die 89-Jährige, die den Kriminellen 34 000 Euro überlassen hatte, saß in der Folge frierend in ihrer kalten Wohnung, weil sie es sich nicht mehr leisten konnte, Heizöl zu kaufen. Die Betrüger ihrerseits versuchten jeweils herauszufinden, ob die Opfer die Polizei eingeschaltet hatten.
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