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Zum Dank ein kostenloses Open-Air-Konzert

Musikstars belohnen die Münchner Flüchtlingshelfer - Herbert Grönemeyer kritisiert "verbale Brandstiftung" der CSU

Bis weit in die Nacht hinein feierten gestern mehr als 23 000 Münchner sich selbst und ihre Willkommenskultur bei einem Open-Air-Konzert. Ganz nach dem Motto: Mir san ned nur mir.

12.10.2015
  • PATRICK GUYTON

Vor dem München-Ticket-Büro standen die Menschen schon Tage zuvor in einer langen Schlange: Was es gab, das gab es kostenlos - und doch brauchte man für dieses spezielle Open-Air-Konzert auf dem Königsplatz eine Karte. Die Zuschauerzahl war auf 23 700 begrenzt - der Sicherheit wegen. "Wir. Stimmen für geflüchtete Menschen", lautete als Motto des Konzerts, das gestern bis tief in die Nacht im kühlen München unter bewölktem Himmel gegeben wurde. Ein Abend für Flüchtlinge, ein Dankeschön für die Flüchtlingshelfer solle es sein, sagte der Organisator Till Hofmann. Aber was heißt Konzert? Es war ein Ereignis, bei dem Musik, Politik und das durch die Flüchtlingshilfe neu gebildete Bewusstsein dieser Stadt ineinanderflossen.

Die Sportfreunde Stiller als Lokalgröße und Mitveranstalter rockten vor der beschwingten Menge. Sie sagen: "Kein Zaun auf dieser Welt hält das Leben auf." Und auf gut Bayerisch: "Mir san ned nur mir." Es spielten neben vielen anderen der BAP-Chef Wolfgang Niedecken, die österreichischen Punk-Rocker Wanda und Herbert Grönemeyer.

Grönemeyer hatte sich in einem Interview eindeutig positioniert. Der CSU und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer warf er in der Asylpolitik "verbale Brandstiftung" vor. Wie so viele andere war er "perplex", mit welch "wunderbarer Attitüde" die Helfer am Hauptbahnhof zehntausende Flüchtlinge empfangen haben. Deshalb war für ihn München "genau der richtige Ort" für das Konzert. Und die Zukunft Deutschlands mit vielen Flüchtlingen sieht er so: "In den nächsten Jahren wird sich vieles verändern. Und dann bewegt man sich. Und das kennen wir doch, Bewegung tut gut."

Das sechsstündige Konzert war der vorläufige Höhepunkt des erstaunlichen Wandels einer Stadt, ihrer Stimmung und der Art, wie sie mit Herausforderungen umgeht. Münchens OB Dieter Reiter (SPD) forderte die Helfer gestern Abend auf, trotz Drohgebärden der Politik weiter zu machen. "Lasst euch nicht irritieren. Bange machen gilt nicht!" München werde weiter ein freundliches Gesicht zeigen. Und an die Flüchtlinge: "Ich bin glücklich, euch hier zu sehen, sicher und in Freiheit, willkommen in München." 150 000 Euro hatte der Stadtrat als Zuschuss zu dem Konzert genehmigt, sodass München Mitveranstalter neben dem Bündnis "Bellevue di Monaco" und den Sportfreunden Stiller war.

Es sind stets dieselben Leute aus der politisch-kulturellen Szene, die Derartiges anstoßen. Till Hofmann, ein 44 Jahre alter Niederbayer, ist einer von denen, die im Zentrum stehen. "Kleinkunst-König" wird er genannt, er betreibt die bekannte Lach- und Schießgesellschaft, das Lustspielhaus und Kulturkneipen. Erst vor drei Wochen war die Idee für das Open-Air geboren worden. Hofmanns exzellenten Kontakten ist es zu verdanken, dass all die Musiker kamen und gratis spielten.

Hofmann gehört zum Bündnis "Bellevue di Monaco", das gegen die Wohnungsnot und Wahnsinns-Mietpreise protestiert und sich für Flüchtlinge einsetzt. Es war ein kleiner Bolzplatz, der vor drei Jahren dazu geführt hatte, dass die Bellevue-Gruppe in der Stadtöffentlichkeit wahrgenommen wurde. Der Platz in der Müllerstraße unweit des Viktualienmarktes sollte plattgemacht werden, ebenso drei heruntergekommene und leerstehende Häuser. Jetzt will man den Kindern des Viertels auch noch den Platz zum Kicken wegnehmen und Luxuswohnungen darauf bauen, so der Tenor des Protestes. Es kam zu Petitionen und Demonstrationen. Die Sportfreunde Stiller sangen auf dem Platz, Dieter Hildebrandt machte Kabarett, auch der Star-Fußballer Bastian Schweinsteiger kam zur Demo. Der Stadtrat nahm den Bolzplatz-Beschluss zurück, woraufhin "Bellevue di Monaco" für ein neues Projekt powerte: In den drei leeren Häusern sollen ein Begegnungszentrum und Wohnraum für Flüchtlinge entstehen.

Nun also der Königsplatz. Gerade dieser Ort inmitten des einstigen NS-Parteiviertels, auf dem die Nazis aufmarschierten, bot jetzt Platz für den Münchner Dank an Flüchtlinge und Helfer. Franzi, eine Mitarbeiterin der Sportfreunde-Produktionsfirma, kümmerte sich um die Organisation. "Es war hart, das zu stemmen", sagt sie. "Aber wir haben das geschafft." Als das Konzert dann endlich lief, war sie "einfach sehr glücklich".

Musikstars belohnen die Münchner Flüchtlingshelfer - Herbert Grönemeyer kritisiert "verbale
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) spielte gestern Abend auf dem "Danke-Konzert" zusammen mit der Band "Dreiviertelblut". Foto: dpa

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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