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Tanz im Regen

Muse begeistern mehr als 15 000 Besucher bei „Rock am See“ in Konstanz

Die 30. Ausgabe von „Rock am See“ fand mit dem Auftritt der britischen Band Muse einen fulminanten Abschluss. Dem Regen zum Trotz.

22.08.2016
  • UDO EBERL

Konstanz. Die 30. Auflage des Festivals „Rock am See“ sollte dann doch deutlich nasser werden als erhofft. „Nice and Wet“ sollte später Matthew Bellamy, der Frontmann des Headliners Muse, in einem seiner seltenen Wortbeiträge dazu sagen. Schauerlich schön sozusagen. Von der Prozentwahrscheinlichkeit bei Wettervorhersagen konnten zumindest die ersten Bands des Festivals und jene Besucher profitieren, die fürs Geld wirklich alles mitnehmen wollten und das Musikereignis im Konstanzer Bodenseestadion nicht als Muse-Konzert mit sechs Support-Bands verstanden. Dass es am Ende doch so empfunden werden konnte, lag allerdings vor allem an der enormen Spielfreude des britischen Trios, das mit einem idealen Regen-Konzert auftrumpfte.

Los ging's bei noch sommerlich anmutenden Temperaturen mit einem guten, allerdings auch etwas eindimensionalen Live-Gemisch. We were Promised Jetpacks, die bei anderen Festivals eher in den Abendstunden oder tief in der Nacht spielen, eröffneten den Band-Reigen und legten vor. Es folgten die eingängigen schottischen Alternative-Rocker Twin Atlantic, die Kalifornier Mad Caddies, die in ihr süffiges Punk-Gebräu auch Ska mischen, und Enter Shikari, die in ihrem Trancecore harte Riffs mit heftigem Shouting und Synthie-Gefrickel und -flächen verbinden, ohne dabei an Durchschlagkraft zu verlieren.

Allerdings ging's so richtig erst später los. Frei nach dem Motto: Je feuchter die Luft, desto besser die Bands. Bad Religion, die Punk-Legenden aus Los Angeles, hatten es sich nicht nehmen lassen, eigens für das Konzert am Bodensee wieder aus den USA einzufliegen.

Vielleicht sehen die Protagonisten inzwischen etwas harmloser aus als noch im Startjahr 1980, an Bissigkeit und politischer Power haben ihre Texte aber nichts verloren. Ihr „Punk Rock Song“ greift heute genauso wie das legendäre „American Jesus“. Ja, das machte Spaß, und zu dieser Zeit war der Einlass bereits abgewickelt. Mehr als 15 000 erhoben ihre Stimme gemeinsam mit den alten Punk-Männern.

Die Stimmung flachte mit The Libertines zunächst ein wenig ab, denn der Anteil an Garage im Sound war etwas zu groß, doch die Band um die Herren Pete Doherty und Carl Barât spielt ja auch mit Mustern des klassischen Indie-Rock, des Britpop und zuckert das Ganze bisweilen auch mit handfestem Rock 'n‘ Roll. So wurde das am Ende zu einem Mix aus Schülercombo-Auftritt und tanzbarer Sause. Nicht gerade unvergesslich, aber doch mehr als kurzweilig.

Mit Muse war dann sowieso alles anders. Die haben mit ihren jüngsten Alben noch deutlich an der Pathos-Schraube gedreht. Was allerdings in Konstanz von der ersten Minute an zu spüren war. Die drei Briten, die beim „Rock am See“ im Jahr 2000 nachmittags noch vor Reamonn, den H-Blockx, blink-182 und Limp Bizkit gespielt hatten, kamen mit jeder Menge Spielfreude auf die Bühne. Und je stärker der Regen wurde, desto intensiver schien das Live-Ereignis zu werden. An den Schnittstellen von Prog, Alternative und Pop durchfurchten sie auf ihre ureigene Art und Weise das Rock-Terrain und füllten das Stadion mit einem gewaltigen und perfekten Sound.

Wahnsinn allein die Stimme von Matthew Bellamy. Aber er spielt eben zudem Gitarre wie ein junger Gott, und ans Klavier setzt er sich bisweilen auch noch. „Psycho“, „Plug in Baby“, „Hysteria“ und so weiter – jeder Song ein Volltreffer, mal mit knallharter Kante, mal mit wohldosiertem Weichspüler. Dazwischen kurz mal der Status Quo-Muntermacher „Burning Bridges“ angespielt, das atmosphärisch so starke „Isolated System“ dramaturgisch bestens platziert und „die „Munich Jam“ allein von Bassist Christopher Wolstenholme und Drummer Dominic Howard in Szene gesetzt. Da passte wirklich alles.

Vor der Bühne und auf den Rängen tanzte die begeisterte Menge in bunten Regencapes, unter Schirmen oder ganz einfach klatschnass und warf mit großen Luftballons. Als dann noch Konfettiwolken und Papierschlangen in die nasse Luft geschossen wurden, war das finale Konzert des Festivals längst zum Klassiker geworden. Mit Titeln wie „Uprising“ oder „Knights of Cydonia“ verabschiedeten sich Muse von ihren glücklichen Fans.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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