Bargeld

Münzen werden zu Bon

Größere Mengen Münzen kann man oft in Automaten vor Supermärkten zählen lassen, auch Banken machen Angebote. Billig ist der Service nicht.

19.05.2021

Von CAROLINE STRANG

Eine Tüte voller Münzgeld verwandelt sich am Automaten in einen Wertbon für den Supermarkt. Foto: Coinstar

Ulm. Die Tüte ist prall gefüllt mit Münzen, die nach und nach aus der zu schweren Geldbörse aussortiert wurden. Silber und rötlich glitzern Kupfer und Messing. Doch wohin mit dem Geld? Einige Supermarktketten wie Real, Kaufland, Edeka und Rewe bieten ihren Kunden einen besonderen Service: Münzautomaten. Wenn man bedenkt, dass sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank der Münz-Umlauf zum Ende des Jahres 2020 auf 9,2 Milliarden Euro belief, klingt das nach einem großen Potenzial.

Die Kunden können Geld in ein Fach einwerfen, der Automat zählt und druckt einen Wertbon aus. „Mit diesem kann man in dem Supermarkt einkaufen gehen oder sich das Geld auszahlen lassen, analog zu einem Getränkepfandbon“, erklärt Andreas Spinkler, Geschäftsführer von Coinstar. Coinstar ist weltweit Marktführer bei Münzgeldautomaten. 870 stehen schon in Deutschland, 1300 sollen es bis Ende des Jahres werden. Spinkler schätzt das nach derzeitigem Stand als realistisch ein. Weltweit stehen 22 000 Automaten des Unternehmens. In den USA allein 18 000. Dort ist das Unternehmen seit 30 Jahren aktiv.

Coinstar stellt die Automaten in den Märkten auf, den Händlern entstehen dadurch keine Kosten. Im Gegenteil, sie verdienen an jedem Euro, der eingeworfen wird, ein bisschen mit. „Wir verlangen eine Wechselgebühr in Höhe von 9,9 Prozent“, sagt Spinkler. „Wer also 50 Euro einwirft, bekommt einen Wertbon von 45 Euro.“ Von der Gebühr bekomme auch der Supermarkt etwas ab.

Der Edeka-Verbund bietet diesen Service bisher nur vereinzelt an, wie ein Pressesprecher erklärt. Aber „für einige unserer Kundinnen und Kunden ist es ein willkommener Service. Wir prüfen derzeit, ob dieser Service auch für weitere Märkte sinnvoll sein kann.“

Die Kaufland-Kette hat einige Münzautomaten quasi mit übernommen. Denn sie hat bisher 26 von 92 anvisierten Real-Märkten in ihr Filialnetz integriert – die alle über einen Münzwechsel-Automaten von Coinstar verfügen. „Wir werden nun einige Monate die Ergebnisse der Automaten beobachten, um dann gemeinsam mit Coinstar darüber zu entscheiden, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang wir die Automaten an weiteren Standorten im Bestandsfilialnetz integrieren“, erläutert eine Pressesprecherin das weitere Vorgehen der Kette.

Und was halten die Banken von den Automaten? Ein Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sagt dazu für die Deutsche Kreditwirtschaft ganz allgemein: „Wie sie mit größeren Mengen Münzgeld umgehen, sollten Verbraucher gut informiert und unter Abwägung ihrer Bedürfnisse und eventueller Entgelte entscheiden können.“ Er weist darauf hin, dass beim Bezahlen an der Kasse allerdings nach dem Münzgesetz – unabhängig vom Betrag – niemand gezwungen werden könne, mehr als 50 Münzen anzunehmen, also maximal 100 Euro.

Banken und Sparkassen nehmen nach Angaben des DSGV-Sprechers Bareinzahlungen – Münzen und Scheine – in zahlreichen Geschäftsstellen im ganzen Land entgegen. Es gebe auch viele Selbstbedienungsgeräte in den entsprechenden Bereichen dafür. „Zudem kann Kleingeld am Schalter entweder gerollt oder ungezählt in Safebags umgetauscht werden.“ Die Gebühren dafür fallen dabei sehr unterschiedlich aus. „Ob und in welcher Höhe dafür Gebühren zu entrichten sind, ist dem jeweiligen Preisaushang der kontoführenden Bank zu entnehmen“, sagt der Sprecher. Man müsse Angebote und Preise vor Ort erfragen, weil sie von Institut zu Institut variierten.

Die Banken lassen sich den Service dabei teils sehr gut entlohnen. So berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband, dass sich Kunden beschwert haben, dass die Gebühr teilweise 50 Prozent der eingezahlten Summe ausmache. Die Begründung hierfür war laut den Verbraucherschützern, dass die EU eine eingehendere Prüfung des eingezahlten Geldes fordere. Es gibt allerdings Grenzen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat vor drei Jahren gegen eine pauschale Gebühr von 7,50 Euro je Münzgeldeinzahlung erfolgreich geklagt. Das Oberlandesgericht Karlsruhe gab den Verbraucherschützern Recht.

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Erstellt:
19. Mai 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Mai 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2021, 06:00 Uhr

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