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Bernie gibt weiter Gas

Motorsport-Pate Ecclestone wird 85, ans Aufhören denkt er mit 100

Dubios, umstritten und milliardenschwer: Der Chef der Formel 1 hat sich vom Gebrauchtwagenhändler zum mächtigsten Mann des Rennsports hochgearbeitet. Heute darf der geniale Strippenzieher feiern.

28.10.2015
  • SID

Mexiko-Stadt Bernie Ecclestone liebt die ganz derben Scherze. In seinem Büro in Londons bester Lage hat er auf seinem Couchtisch eine Handgranate liegen. "Es war noch nicht der richtige Besucher da, um sie zu zünden", sagte der Brite einmal und lächelte sein berühmtes Lächeln, das eine Mischung aus Überheblichkeit und Unantastbarkeit verrät. An dem umstrittenen Strippenzieher perlen alle Skandale und Vorwürfe ab - wie heißes Öl an einer Teflonpfanne.

Selbst die Anklage wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung in besonders schwerem Fall vor der deutschen Justiz 2014 konnte ihm nichts anhaben. Ecclestone zahlte 100 Millionen Dollar, das Verfahren wurde eingestellt. Und der Brite hält in der Formel 1 weiter alle Fäden in der Hand. Heute wird er 85 Jahre alt - aber müde ist er noch lange nicht. "Rente ist nichts für mich." Seit fast 40 Jahren steht Ecclestone an der Spitze der Formel 1 und dabei mehr als einmal vor dem Gang ins Gefängnis, doch der Manager ist immer noch da. Aus seinen extravaganten Geschäftsmethoden hat der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Ecclestone nie einen Hehl gemacht.

"Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, wir sind die Mafia", sagte der Formel-1-Pate einst. Er hält in der Rennserie seit den 70er-Jahren alle Fäden in der Hand und hat den PS-Zirkus seitdem in ein milliardenschweres Unternehmen und eine der profitabelsten Sportveranstaltungen der Welt verwandelt. Ein Rücktritt kam für ihn nie infrage: "Ich denke, wenn die Leute 100 Jahre alt werden, dann sollten sie anfangen, über die Pension nachzudenken." Im Fahrerlager ist "Mr. E" noch immer beliebt, Ecclestone machte viele Menschen in der Formel 1 zu Millionären, fast alle schätzen ihn für seine Arbeit. Der Gegenwind wurde zuletzt schärfer. Doch egal, ob peinliche Aussagen über Adolf Hitler und Saddam Hussein oder ein drohender Prozess, nachhaltig konnte ihm bisher kein Skandal schaden. Ecclestone lächelte sie meistens einfach weg. Er sitzt auf dem Thron und regiert sein Reich gerade so demokratisch, wie es sein muss - auch wenn alle die Nase über ihn und seine Ausführungen zur Weltpolitik rümpfen.

Die Formel 1 brauchte Ecclestone wie Ecclestone die Formel 1 brauchte. Viele werfen ihm zwar vor, dass er etwa den Markt der neuen Medien nicht nutzt oder die Formel 1 mit seinem aufgeblähten Kalender einer manchmal fast unzumutbaren Belastung aussetzt. Doch genau so generiert der "Herr der Räder", der schon in der Schule Bleistifte und Radiergummis an seine Mitschüler verhökerte, stets frisches Geld und erschloss neue Märkte. Sein legendärer Geschäftssinn hat der Formel 1 bisher um ein Vielfaches mehr genutzt als geschadet, deshalb blieb die große Rebellion bisher aus.

Motorsport-Pate Ecclestone wird 85, ans Aufhören denkt er mit 100
Auch im hohen Alter immer auf Achse: Bernie Ecclestone. Foto: Sven Simon

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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