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Eine unbekannte Tote

Morgen in der Kulturscheune: das Fürstinnengrab von der Heuneburg

Nicht nur die Bergung der rund 80 Tonnen schweren Grabkammer bei der Heuneburg war spektakulär. Der Inhalt der hölzernen Grabkammer bescherte den Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege manche Sternstunde. Was sie bisher alles zutage gefördert haben, darüber berichtet die Diplom-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist in der Kulturscheune.

09.04.2014

Von Dagmar Weinberg

Mössingen. Die prähistorische Archäologie ist oft ein ziemlich karges Geschäft. Man findet viel Keramik und, wenn man Glück hat, auch noch ein paar Stücke aus Bernstein. Rund um die Heuneburg sind die Archäologen des Esslinger Landesamts für Denkmalpflege in den vergangenen Jahren aber auf zwei veritable Schatzkammern gestoßen.

Zur Heuneburg gehört die im Donautal gelegene Nekropole Bettelbühl. Dort entdeckten Tübinger Archäologiestudenten 2005 durch Zufall auf einem Maisfeld eine vergoldete Fibel. Sie stammte aus dem Grab eines etwa dreijährigen Mädchens, das heute als das reichste Kindergrab im süddeutschen Raum gilt. Die Archäologen nahmen daraufhin das Umfeld des Kindergrabs genauer unter die Lupe und machten einen weiteren spektakulären Fund: Sie stießen auf einen Schacht, in den eine rund siebeneinhalb mal sechs Meter große Holzkammer eingelassen war.

Da bisher alle untersuchten Zentralgräber der Heuneburg antik beraubt waren, gingen Landesarchäologe Professor Dirk Krausse und seinen Kolleginnen und Kollegen davon aus, dass man in der Grabkammer kaum noch etwas finden würde. Als bei der Sondage des Grabs aber eine Goldkugel und wenig später eine goldene Fibel ans Tageslicht kamen, deren Verzierungen mit den aus dem Mädchengrab geborgenen Preziosen identisch waren, war klar, dass man auf eine zweite Schatzkammer gestoßen war.

Aber nicht nur diese ersten Funde, auch der Zustand der Eichendielen begeisterte die Altertumsforscher. Durch die Lage der Grabkammer in der Nähe eines Baches waren das Holz gut erhalten und konnte somit dendrochronologisch untersucht werden. Inzwischen datieren die Archäologen das Grab, das als bedeutendster keltischer Fund der vergangenen 35 Jahre gilt, zwischen 580 und 565 vor Christus.

Ende Dezember 2010 barg die Dußlinger Firma Laichinger in einer Aufsehen erregenden Aktion mit zwei Schwerlastkränen die Grabkammer en block. Anschließend wurde die rund 80 Tonnen schwere Schatzkiste auf einem Tieflader an einen geheim gehaltenen Ort nach Ludwigsburg gebracht. In einem eigens für den „Keltenblock“ gebauten Zelt machte sich dann Diplom-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen an die Arbeit. Schicht für Schicht wurde die letzte Ruhestätte der etwa 30 Jahre alten Frau freigelegt. Der unbekannten Toten waren auf ihrer letzten Reise nicht nur prachtvolle Fibeln, sondern auch goldene Ohrringe, Perlen, bronzene Fußringe, Gagath-Armreifen und jede Menge Bernsteinschmuck mitgegeben werden.

Zwar gibt die Grabkammer den Forschern noch immer das ein oder andere Rätsel auf. Doch sind sie sich sicher, dass die reich geschmückte Frau und das Mädchen in einem engen Zusammenhang stehen und im Bettelbühl nicht irgendeine Dorfprominente, sondern das Mitglied einer Familie bestattet wurde, die Macht und Einfluss hatte.

Dußlinger Firma beteiligt: Überaus aufwendig wurde das Grad der keltischen Fürstin an der Heuneburg geborgen.

In der Reihe „Verständliche Wissenschaft“ gibt es am morgigen Donnerstag, 10. April, um 19.30 Uhr in der Kulturscheune einen Vortrag über das Grab in der Heuneburg. Es referiert die Diplom-Restauratorin Nicole Ebinger-Rist, die die Fachgebietsleiterin für Archäologische Restaurierung beim Landesamt für Denkmalpflege Esslingen ist. Der Vortrag beschäftigt sich mit den spannenden Freilegungsarbeiten und zeigt erste Ergebnisse in Wort und Bild.

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Erstellt:
9. April 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. April 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. April 2014, 12:00 Uhr

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