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Verbrechen frei Haus

Morgen 500. Sendung von "Aktenzeichen XY . . . ungelöst"

Seit fast 50 Jahren liefert das ZDF alle paar Wochen Verbrechen frei Haus - allerdings nicht als Krimi, sondern real in "Aktenzeichen XY . . . ungelöst". Ist diese Form der Verbrechersuche noch zeitgemäß?

13.10.2015
  • CORDULA DIECKMANN, DPA

München "Aktenzeichen XY . . . ungelöst" - das ist Entsetzen über unbekannte Verbrecher, die brutal zuschlagen. Und gleichzeitig wohliges Gruseln, verbunden mit Nervenkitzel und ein klein bisschen Voyeurismus. Zum 500. Mal strahlt das ZDF morgen um 20.15 Uhr die in München produzierte Sendung aus, die Eduard Zimmermann jahrzehntelang moderiert hatte.

Seit bald 50 Jahren wird darin in Zusammenarbeit mit der Polizei in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Zeugen gesucht. Die Hoffnung: neue Hinweise, um ungeklärte Straftaten lösen zu können, und das mit großem Erfolg. "Es sind sicherlich viele Fälle geklärt worden, die wir so nicht hätten klären können", ist der Vize-Chef des Bundes deutscher Kriminalbeamter, der Braunschweiger Kriminaldirektor Ulf Küch, überzeugt.

Nicht nur die Zuschauerzahl sei in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, sondern auch die Anzahl der Hinweisgeber, berichtete ZDF-Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann. Für Moderator Rudi Cerne, früher Deutscher Meister im Eiskunstlauf, eine Lebensaufgabe: "Bei meiner Entscheidung für "XY" mögen einige die Nase gerümpft haben, aber im Rückblick ist dieser, wie ich finde, wichtige Job heute für mich mehr wert als eine Goldmedaille", hatte der 57-Jährige dem Berliner "Tagesspiegel" erklärt.

Die 1967 erstmals ausgestrahlte Sendung durfte Cerne, Jahrgang 1958, lange nicht sehen. "Meine Eltern sagten zu mir, das ist zu gruselig für dich", berichtete Cerne mal in einer Talkshow. "Du sollst nicht schlecht träumen in der Nacht."

Schwer fiel ihm der Verzicht aber nicht. "In der Schule war das schwer angesagt, dieser Gruselfaktor. Mir war das immer unheimlich, dass der Mörder da am Ende noch frei herumgelaufen ist", hatte der 57-Jährige in einem Interview erklärt.

"Ich bin mit "Bonanza", "Rauchende Colts" und "Die Straßen von San Francisco" groß geworden. Da ist am Ende immer der Bösewicht gefasst worden. Bei "Aktenzeichen XY" war das nicht so, das fand ich sehr beunruhigend."

Beunruhigend und erschütternd sind auch die Fälle, die er in der aktuellen Sendung vorstellen wird, allen voran das Rätsel um den Tod des achtjährigen Armani aus Freiburg, der im Juli 2014 von einem Spielplatz verschwand. Einen Tag später wurde seine Leiche entdeckt.

Der zweite Fall ist ein Raub aus Düsseldorf, bei dem Unbekannte vor gut einem Jahr einen Geschäftsmann brutal mit Baseballschlägern und Elektroschockern traktiert hatten. Hier soll ein Phantombild weiterhelfen, ebenso wie bei der gescheiterten Entführung einer Bankiers-Gattin in Saarbrücken. Und die Kripo Bochum hofft auf neue Hinweise, um den Überfall auf eine Witwe in deren Villa zu klären.

Das Schema ist alt vertraut: Polizisten stellen die Fakten vor, zeigen Aufnahmen von Überwachungskameras und Phantombilder. Dazu laufen eigens gedrehte Videos, in denen Straftaten nachgespielt werden. Danach sind die Zuschauer am Zug: Wer meint, Hinweise geben zu können, soll sich melden, per Telefon, persönlich bei der Polizei, mittlerweile auch per E-Mail.

Doch ist das überhaupt zeitgemäß in Zeiten, in denen die Menschen besser über Soziale Netzwerke als über das Fernsehen erreichbar sind? Der Braunschweiger Kripochef Ulf Küch findet: Auf jeden Fall. "Facebook und andere Sachen sind halt dazu gekommen." Außerdem weckten die Filme das Interesse der Betrachter viel stärker. "Diese Filme und die Schilderung der Gesamtumstände fördern das Denken der Zuschauer. Und wenn man nachdenkt, fällt einem vielleicht eher etwas ein, als wenn man sich stumm ein Bild auf Facebook anguckt", ist Küch sicher. "Natürlich werden die Filme nicht in ihrer gesamten Dramatik gezeigt, es soll ja auch kein Voyeurismus gefördert werden, aber die Sachen, die da gezeigt werden, entsprechen größtenteils den Tatsachen."

Und so laufen oft die Leitungen mit Hinweisen heiß, auch wenn diese nicht immer hilfreich sind. "Es gibt so Schwachköpfe, die meinen, sich wichtig machen zu müssen, die muss man schnell rausfiltern", weiß Küch. "Die machen uns zwar Arbeit, aber besser als gar keine Hinweise." Und Cerne stellt bei allem Lob klar: "Wir sind keine Polizisten, und ich bin kein Sheriff der Nation."

Morgen 500. Sendung von "Aktenzeichen XY . . . ungelöst"
Eduard Zimmermann (links) erfand die Reihe. Er starb 2009. Jetzt moderiert Rudi Cerne - für ihn ist das eine "Lebensaufgabe". Fotos: ZDF/Hermann Roth, Thomas R. Schumann

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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