Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Monumentale Show und innere Werte
Der Herrscher über den Glockenturm von Notre Dame: David Jakobs als Quasimodo. Foto: Johann Persson/Stage Entertainment
Musical

Monumentale Show und innere Werte

„Der Glöckner von Notre Dame“ aus dem Hause Disney feiert im Stage Apollo Theater eine umjubelte Premiere.

19.02.2018
  • JÜRGEN KANOLD

Stuttgart. „Ein Musical – überwältigender als Notre Dame“, lautet ein Werbeslogan für diese Disney-Produktion im Stage Apollo Theater. Das könnte der Stuttgarter in drei Stunden und elf Minuten mit dem TGV nach Paris überprüfen. Aber was heißt das schon, die „West Side Story“ muss ja auch nicht toller sein als New York. „Der Glöckner von Notre Dame“ jedenfalls bietet bombastisch inszenierten Herzschmerz, ziemlich viel Drama und auch eine Botschaft für unsere Gesellschaft in einfachen Worten: „Einmal, nach tausend Schlachten, wird man sich achten. Nach all dem Leid gibt es vielleicht Gemeinsamkeit – ohne Streit. Einmal kommt die Zeit . . .“

Das träumen und singen der verkrüppelte, verstoßene Quasimodo und die fast als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannte, nicht weniger ausgegrenzte Zigeunerin Esmeralda (Mercedesz Csampai). In diesem Musical verwandelt sich der Hässliche in keinen Märchenprinzen, dafür wird das Pathos der Hoffnung im Finale zelebriert.

Die – echte – Kathedrale Notre-Dame steht noch immer auf der Ile de la Cité, der Seine-Insel, was Victor Hugo 1831 im Vorwort seines Romans nicht für alle Zukunft hatte prophezeien wollen. In einem Winkel eines der Türme hatte der Autor, so seine Legende, das griechische Wort „Ananke“ (Schicksal, Verhängnis) gefunden, in die Mauer gekratzt. Jahre später sei die Inschrift weg gewesen. Vielleicht werde auch die mittelalterliche Kirche eines Tages vom Erdboden verschwunden sein. Tatsächlich heißt Victor Hugos berühmter, unsterblicher, mehr als 600 Seiten dicker historischer Roman „Notre-Dame de Paris“, er zeichnet ein spätmittelalterliches Panorama der Stadt und erzählt noch ein paar Geschichten mehr als jene romantische vom buckligen Glöckner und der schönen Esmeralda.

Ein Riesenstoff, oft verfilmt (Charles Laughton, Anthony Quinn etc. als Quasimodo) und in den Disney-Studios erfolgreich animiert. Nach dem Zeichentrickfilm zur Musik von Alan Menken und Stephen Schwartz war 1999 eine Musical-Produktion entstanden, deren neue Version jetzt in Stuttgart läuft. Und zwar für ein Publikum ab zwölf, „Der Glöckner von Notre Dame“ ist keine heitere Familienunterhaltung.

Der bigotte Erzdiakon Claude Frollo (Felix Martin) trumpft als christlicher Eiferer auf, ist aber von seinen Trieben zerfressen und begehrt Esmeralda. Quasimodo ist das Kind von Frollos totem Bruder und einer Dirne, versteckt vor der Öffentlichkeit im Glockenturm, wo er nur die steinernen Wasserspeier als Freunde hat. Diese aber können lebendige Geister und Ratgeber sein.

In der Regie von Scott Schwartz imponiert das mächtige Geläute, ansonsten aber verwandeln sich nicht die Kulissen, sondern zauberisch und auch mit Knalleffekten die Akteure. Mit ein paar Requisiten markieren sie schnell die Schauplätze, und das ist der dramaturgische Kniff der Show: Es ist ein Spiel im Spiel, die Figuren erzählen auch direkt ins Publikum die Handlung.

Der Quasimodo-Darsteller – hervorragend: David Jakobs – schnallt sich den Buckel um, schminkt sich hässlich und übernimmt eine Rolle, um uns die Moral zu lehren: Nur selbstlose Liebe siegt in einer Welt des Hasses. Ein bisschen Brecht'sche Verfremdung im Musical. Ansonsten ist diese perfekte Show eher auf Überwältigung des Zuschauers angelegt, allein schon durch die Musik (Dirigent: Bernhard Volk); von Neo-Mittelalter-Sinfonik, halligem Kirchengesang des starken Chors bis zu feinem Musette-Kolorit und Gefühlsballaden sowieso. Solchen Sound, das stimmt, gibt's in den Konzerten der Pariser Kathedrale Notre-Dame nicht. Dafür Standing Ovations in Stuttgart. Jürgen Kanold

Info Täglich außer montags im Stage Apollo Theater. www.musicals.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.02.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular