Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Monsterjagd in Fukushima
Schon kurz nach der Veröffentlichung auch in Japan ein Hit: Vier Schülerinnen in Tokio spielen Pokémon Go. Foto: dpa
Das Spiel Pokémon Go ist im Heimatland Japan umstritten

Monsterjagd in Fukushima

Pokémon Go ist auch in Nintendos Heimat Japan ein Hit. Das Spiel ist aber umstritten und macht Sorgen – etwa wegen der Atomruine in Fukushima.

04.08.2016
  • SUSANNE STEFFEN

Tokio. Seit knapp zwei Wochen kann das möglicherweise beliebteste Smartphonespiel aller Zeiten auch im Ursprungsland Japan gespielt werden. Doch so richtig willkommen sind die virtuellen Taschenmonster nicht: Vorsorglich machten sich die Manager des Atomkraftwerkbetreibers Tepco wenige Tage nach dem Japanstart des Smartphonespiels auf die Suche nach Pokémons in ihren Atomkraftwerken.

Es muss ein Schock gewesen sein, als sie tatsächlich ein virtuelles Minimonster auf einem ihrer Reaktorgelände herumhüpfen sahen.

Ob das Taschenmonster durch die hochgradig radioaktiv verseuchte Atomruine Fukushima Daiichi marschierte, in der sich jeden Tag Tausende Arbeiter zum Teil in Ganzkörperschutzanzügen bemühen, die Folgen des bisher zweitschlimmsten Atomunfalls der Welt zu beseitigen, will Tepco nicht sagen. Aus Sicherheitsgründen, heißt es in der Firmenzentrale. „Wir haben Sorge, dass Fans des Spiels hierher kommen könnten, deshalb verraten wir nicht, wo wir das Pokémon gesichtet haben“, erklärte ein besorgter Tepco-Sprecher.

Sinn des Spiels ist es, die virtuellen Monster in einer realen Umgebung zu suchen und zu fangen und dafür Punkte zu sammeln. Medienberichten zufolge hat Pokémon GO schon jetzt weltweit mehr Fans als der Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Energiekonzern appellierte an Entwickler Niantic und den Pokémon-Mutterkonzern Nintendo, das Spiel so zu konfigurieren, dass die niedlichen bunten Monster nicht in Atomanlagen auftauchen können – und schon gar nicht in der hochgefährlichen Fukushima-Ruine, in der vor mehr als fünf Jahren drei Reaktorkerne geschmolzen waren. In den USA hatten Pokémon-GO-Spieler kürzlich versucht, auf der Suche nach Monstern das Gelände einer Atomanlage zu betreten.

Tepco verbot nun auch seinen Mitarbeitern, sich die Pausen in der tristen Atomruine mit den lustigen Taschenmonstern zu verschönern. In der vom Atomunfall am schlimmsten betroffenen Region habe die Pokémonbegeisterung nichts zu suchen, findet auch Fukushima-Gouverneur Masao Uchibori. „Wir wollen nicht, dass Leute im Rahmen des Spiels gefährliche Orte wie die Sperrzone um das Kraftwerk betreten“, warnte Uchibori in einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Auch in anderen Landesteilen sind die virtuellen Monster wenig willkommen. Die Stadt Hiroshima forderte die Entwickler auf, bis zum Jahrestag des Atombombenabwurfs am 6. August alle Monster aus dem Friedenspark und den Gedenkstätten für die Opfer zu entfernen.

Die staatliche Polizeibehörde meldete unterdessen allein in den ersten vier Tagen seit dem japanischen Spielstart Dutzende Unfälle, die auf die Monsterjagd zugeführt wurden, es gab in mehreren Fällen Verletzte.

Doch ähnlich wie im Rest der Welt haben auch in Japan einige Unternehmen erkannt, dass sich die Pokémonbegeisterung durchaus auch zur Umsatzsteigerung nutzen lässt. So ließ die gebeutelte Hamburgerkette McDonald‘s, die in Japan nach mehreren Lebensmittelskandalen zuletzt schwere Verluste hinnehmen musste, ihre Restaurants – gegen eine nicht veröffentlichte Gebühr – sofort als so genannter Poké-Stop registrieren, wo sich besonders viele Taschenmonster tummeln.

Eine Kleinstadt im Westen des Landes hofft gar, mit den Taschenmonstern die Politikverdrossenheit der Bürger zu bekämpfen. Dieser Tage sollen Pikachu und Co. im Bürgermeisterbüro auflaufen. Wer will, darf gern beim Bürgermeister anklopfen und ein Foto des realen Politikers mit virtuellem Monster schießen. „Wir hoffen, dass das eine Möglichkeit ist, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und Distanz abzubauen“, erklärte Bürgermeister Toshiyuki Tsutsui den Sinn der Aktion.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular