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Monster-Sturm im Sonnenstaat
Auf dem Highway in Boca Raton, Florida, liegen Palmwedel. Das öffentliche Leben steht in großen Teilen des US-Bundesstaates still. Auf den Keys sterben Menschen, als sie die Kontrolle über ihre Autos verlieren. Foto: afp
Hurrikan

Monster-Sturm im Sonnenstaat

„Irma“ hat Florida erreicht. Zehntausende suchen Schutz in Notunterkünften. In Millionen Haushalten fällt der Strom aus. Und das Schlimmste dürfte erst noch kommen.

11.09.2017
  • Peter DeThier

Miami. Der Hurrikan „Irma“ hat bei seinem Zug durch die Karibik nach inoffiziellen Schätzungen bisher mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es unter anderem auf den Inseln Barbuda, Saint-Martin, Saint-Bartélémy, sowie den Jungferninseln. Zuvor hatte Irma auch auf Kuba gewütet.

Am Sonntag traf dann das Auge des Tropensturms auf die Florida Keys, mehr als 200 Koralleninseln vor der Südküste des US-Staats. Im Jachthafen von Key West entzweiten starke Böen Boote und versenkten sie komplett. Häuser und Hotels standen unter Wasser. Autos wurden weggeschwemmt, Strommasten umgeknickt.

Irma zog im Lauf des Tages von den Keys aus die Westküste Floridas hoch. Prompt begann das große Zittern in Großstädten wie Tampa. „Wir sind nicht annähernd so gut vorbereitet wie andere Städte, denn wir haben nicht damit gerechnet, sonderlich viel abzubekommen“, zeigte sich Tampas Bürgermeister Bob Buckhorn besorgt. „Ursprünglich wollten wir unser Notfallpersonal nach Miami schicken, nun könnte es umgekehrt sein.“

Gegen 20 Uhe mitteleuropäischer Zeit befand sich Irma 55 Kilometer südlich der Stadt Naples. Die Windgeschwindigkeiten betrugen dort 195 Stundenkilometer. Enorme Wassermassen stürzten vom Himmel und überfluteten Straßen, Wege und Gärten. „Bleiben Sie weg vom Wasser“, warnten die Katastrophenschutzbehörden die Bewohner. Nahe Naples rechneten die Meteorologen mit bis zu fünf Meter hohen Wellen.

Am Nachmittag hatte der Hurrikan das Festland westlich von Miami erreicht, mit Windspitzen, die teilweise 220 Stundenkilometer überschritten. Nachdem sich Irma über Kuba zu einem Sturm der Kategorie 3 abgeschwächt hatte, hatte das Sturmsystem über den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko wieder deutlich an Stärke gewonnen.

Die weit verbreiteten Stromausfälle auf den Keys waren vorläufig schwer zu beziffern. Brock Long, der Direktor der Bundesbehörde Federal Emergency Management Agency, die für den Umgang mit Naturkatastrophen zuständig ist, sagte, es könne mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate dauern, bis in allen Gegenden die Stromversorgung wiederhergestellt ist. Bis zum Nachmittag waren in 24 Bezirken bis zu 1,4 Millionen Menschen ohne Elektrizität.

Allein in Miami wurden Stromausfälle in 450 000 Haushalten gemeldet. In der Innenstadt stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. Zwei Baukranen rissen Böen die Spitze weg. Gleichwohl schien die Millionenstadt noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Profitiert hatte sie nicht nur von Irmas Kurswechsel, sondern auch davon, dass als Reaktion auf Hurrikan Andrew, der vor 25 Jahren weite Teile des Staats in Trümmer gelegt hatte, neuere Gebäude mit höherer Sturmresistenz gebaut wurden.

Vorteile hatten die Bürger von Miami auch, weil sie fast drei Tage Zeit hatten, um sich vorzubereiten und in sicheren Gefilden Zuflucht zu suchen. Selbst sturmerprobte Menschen ließen sich von den verheerenden Prognosen für Irma diesmal in die Knie zwingen.

Auf sich allein gestellt

„Wer sich freiwillig entschieden hat, zu bleiben, der ist auf sich allein gestellt“ hatte Long seine Verärgerung über jene zum Ausdruck gebracht, welche die Zwangsevakuierungen ignoriert hatten. Bis Sonntag hatten mehr als 6,5 Millionen Bürger Floridas die Küstengebiete verlassen. Viele waren geflogen oder hatten mit dem Auto mehrere hundert Kilometer lange Staus in Kauf genommen, um vor Eintreffen des Monstersturms in Richtung Norden zu fliehen. In 385 Notunterkünften, darunter Schulen, Bibliotheken und staatliche Verwaltungsgebäude, die zu Sturmbunkern umfunktioniert worden waren, waren am Sonntag mehr als 54 000 Menschen untergebracht.

Wie der Sender ABC in Florida meldete, starben am Sonntagmorgen drei Menschen bei vom Wetter mitverursachten Verkehrsunfällen.

Irma ist nun auf Kurs, von Süden nach Nordwesten eine Schneise mitten durch Florida zu schlagen. Deutlich stärker als zuvor dürften daher die Städte Fort Myers, Sarasota und Tampa getroffen werden. Dort wurden Sturmfluten mit einer Höhe von bis zu fünf Metern erwartet. Da das gesamte Sturmsystem an der Fläche gemessen größer als der Bundesstaat Texas ist, wurden folglich auch in den nördlicher gelegenen Küstengebieten massive Überschwemmungen erwartet. Erwartet wird, dass die Verwüstungen in Florida den Schaden im Gefolge von Hurrikan Andrew deutlich übertreffen werden. 1992 hatte Andrew 65 Todesopfer gefordert und Sachschaden angerichtet, der auf mehr als 26 Milliarden Dollar geschätzt wurde.

In Zukunft stärker und häufiger

Sturmfluten sind während eines Hurrikans oft die größte Gefahr für Menschenleben: Die meisten der 1800 Todesopfer des Hurrikans „Katrina“ kamen 2005 durch eine Sturmflut ums Leben. Sturmfluten entwickeln sich, wenn starker Wind über den Ozean fegt und die Wassermassen in Richtung Küste drückt. Dort entstehen hohe Wasserstände, unabhängig von Gezeiten und Regenfällen. In den kommenden Jahrzehnten könnten Sturmfluten wegen steigender Meeresspiegel und erhöhter Wassertemperaturen stärker ausfallen. Wissenschaftlichen Studien zufolge könnten sie auch häufiger geschehen.⇥afp

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11.09.2017, 06:00 Uhr
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