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Ferienanlage in Münsingen

Modellprojekt in der Biosphäre

Ein Erlebnisbauernhof mit alten Nutztierrassen, eine Ferienanlage mit Hofladen, Seminarhaus und Naturcampingplatz: Auf der Münsinger Hopfenburg soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt entstehen, das Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schafft.

07.10.2009

Von Bernd Ulrich Steinhilber

Münsingen. Hopfenburg ist eigentlich ein alter Gewandname am Rande des Naturreservats Beutenlay. Doch wenn man von der Hopfenburg spricht, verbinden das die Älbler immer auch mit dem Gehöft unterhalb der Straßenmeisterei an der Bundesstraße nach Ehingen. Und derzeit wird viel über die Hopfenburg und das neun Hektar große Areal gesprochen. Denn das Ensemble soll zu einer Ferienanlage mit Seminarhaus und Heuhotel ausgebaut werden, zu einer Anlage, die voll und ganz im Einklang mit den Zielen des sanften Tourismus im Biosphärengebiets Schwäbische Alb steht. Für den Münsinger Gemeinderat war es deshalb ein Leichtes, im Mai den Aufstellungsbeschluss für den projektbezogenen Bebauungsplan zu fassen.

Architekt Andreas Hartmaier, Vorsitzender auch von Pro Münsingen, hat sich der Hopfenburg angenommen und das Elternnetzwerk Reutlingen für seine Pläne gewonnen. Der Clou des Ganzen: Als touristisches Zentrum will die Hopfenburg Arbeitsplätze für junge Menschen mit Behinderung anbieten. In einem „rundum stimmigen Konzept? also sollen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte zusammengeführt werden..

500 Meter vom Stadtzentrum, ein Kilometer vom Bahnhof entfernt, kann man die Hopfenburg gut zu Fuß erreichen. Direkt am Abzweig der Autobahnzufahrt Richtung Merklingen gelegen, sind es nur fünf Kilometer bis ins Lautertal und ein Kilometer zum ehemaligen Truppenübungsplatz, dem Herz des Biosphärengebiets. „Eine Super-Zentralität?, sagt Hartmaier. „Und man ist trotzdem mitten in der Natur?.

Schon im kommenden Frühjahr sollen 300 Obstbäume, alles alte und selten gewordene Sorten, angepflanzt werden. 2010 beginnt auch der Um- und Ausbau des Gehöfts. Im Frühjahr 2011, so die Planung, können der Archehof ? der zentrale Punkt des Ensembles ? und der Naturcampingplatz in Betrieb gehen.

Gedacht ist an eine Landwirtschaft mit Nutztiersorten, die heute kaum noch gezüchtet werden und deshalb vom Aussterben bedroht sind. Freilaufende Hühner, Enten, Gänse, Rinder, Schafe, Schweine und Esel sollen auch von Kindern betreut werden, die sich in der Hopfenburg mit den Tieren vertraut machen können. Anlaufstelle ist ein kleiner, von den Ökonomiegebäuden umstellter „Dorfplatz?, zu dem auch ein Dorfladen und ein Backhaus gehören. In einer der Scheunen, in der auch eine Gaststätte und Gästezimmer vorgesehen sind, entstehen zwei Seminarräume. Der ehemalige Kuhstall wird zum Festsaal umgebaut. Im Obergeschoss sind große Familienzimmer eingeplant. Die bestehende Wagenremise verwandelt sich in eine Spielscheune. Das Wohnhaus bleibt Wohnhaus für die Mitarbeiter.

Auf dem von Streuobstwiesen und Weideflächen eingerahmten Campingplatz stehen den Gästen Schäferkarren und Zirkuswagen, kleine Blockhütten, Indianerzelte und Jurten zur Verfügung. Nur auf einem kleinen Teil dürfen Wohnwagen und Wohnmobile parken. Sanitärräume werden in Erdhügelhäusern untergebracht.

Photovoltaikanlagen sind wie Sonnenkollektoren Teile eines Umweltkonzepts, das Teiche, Schotterwege und die Aufbereitung sogenannten Grauwassers und weiters eine Binsen-Schilf-Kläranlage vorsieht. „Hier entsteht ein Wirtschaftsbetrieb, der die Ressourcen schont?, so Hartmaier am Sonntag bei einem Pressegespräch. „Wir leben die Biosphäre?, womit auch die Zusammenarbeit mit dem Elternnetzwerk gemeint ist, den Eltern von Kindern mit geistigen Behinderungen. Diese sind ein tragender Bestandteil des Projekts und übernehmen überall dort Aufgaben, wo sie ihre Fähigkeiten einsetzen können: im Servicebereich der Gastronomie und des Hotels, in der Landwirtschaft, im Laden und auf dem Naturcampigplatz.

Renate Mrusek vom Elternnetzwerk, die Mutter der jungen Lea, freut sich auf die Realisierung: „Ein Projekt wie dieses gibt es nirgendwo. Da wird Münsingen wegweisend sein.? Für ihre Tochter erhofft sie sich den ersehnten Arbeitsplatz „mitten in der Gesellschaft?.

Dass im Münsinger Rat am Dienstag, 13. Oktober, ein weiteres Mal über den Bebauungsplan diskutiert wird, hängt mit einem Formfehler zusammen, der nachträglich korrigiert werden muss.

Ein Wirtschaftsbetrieb,

der Ressourcen schont.

Andreas Hartmaier über

das Hopfenburg-Projekt

Das Elternnetzwerk Reutlingen

Der Elternkreis Netzwerk Reutlingen ist eine Selbsthilfegruppe von Eltern mit geistig behinderten Kindern unter dem Dach der Lebenshilfe. Sie setzen sich dafür ein, dass ihre Kinder weitgehend selbstbestimmt in der Gesellschaft leben und arbeiten können, wie es das Konzept auf der Hopfenburg vorsieht. Ansprechpartnerinnen sind Dr. Renate Mrusek, Telefonnummer 07121 / 23 08 15, und Christiane Bölzle, unter 07121 / 4 33 10 95. Siehe dazu auch www.lebenshilfe-reutlingen.de.

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Erstellt:
7. Oktober 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Oktober 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2009, 12:00 Uhr

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