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Leitartikel · Fernbusse

Mobilität für das Volk

15.08.2016
  • VON HELMUT SCHNEIDER

Ulm. Reisen war einst das Privileg der reichen Leute. Später kam dank billiger Flüge der Massentourismus auf, der auch dem deutschen Mittelstand jedes Jahr einen schönen Urlaub außer Landes bescherte. Wer aber von München nach Hamburg wollte, musste bis vor drei Jahren noch richtig Geld auf den Tisch legen. Zu viel jedenfalls für zu viele, die sich das nicht leisten konnten. Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs war nichts weniger als eine Revolution – eine erfolgreiche gar, von dem auch das Volk profitiert. Reisen kann sich jetzt jeder leisten. Mehr als 20 Millionen Menschen werden dieses Jahr im Fernbus fahren. Tendenz: steil steigend.

Nach einem wilden Übernahmemonopoly hat sich der Fernbusmarkt inzwischen stark gelichtet: Flixbus, der mit Abstand größte Anbieter, schluckt Postbus, die Nummer zwei. Zusammen bewältigt man 87 Prozent der gefahrenen Buskilometer. Und weil sich vermutlich auch die Bahn bald aus ihrem Fernbusgeschäft zurückziehen wird, dürften es noch mehr werden. Sind die rosigen Zeiten der Reisenden damit schon vorüber, ehe sie richtig begonnen haben? Nein.

Bahnchef Rüdiger Grube hat das Geschäftsgebaren auf dem neuen Markt unlängst als „Blödsinn“ tituliert, den man nicht weiter mitzumachen gedenke. Er meinte damit die so genannten Dumpingpreise, mit denen die Konkurrenten erbittert Kunden ködern. Dumping bedeutet: Die Preise decken nicht die Kosten. Das gilt offenbar flächendeckend: Alle Fernbus-Firmen, Flixbus eingeschlossen, zahlen bisher drauf. 6 Cent pro Kopf und Kilometer gilt als Schwellenwert zum Gewinn, tatsächlich kommt die Branche bis dato erst auf 3,7 Cent. Oder verständlicher ausgedrückt: Die Busse müssten im Schnitt zu zwei Dritteln voll sein, damit sich das Ganze rechnet.

Bei täglich 900 Verbindungen in 20 Länder, die der Marktführer mit tausend Bussen unterhält, ist das nicht so einfach zu schaffen. Manche Busse sind bis auf den letzten Platz ausgebucht, oft hat der Reisende zwei Sitze für sich allein, manchmal drei Sitzreihen oder mehr. Das erhöht die Bequemlichkeit, drückt aber auf die Bilanz.

Der grüne Flixbus ist auf dem Weg zum Monopolisten. Das Kartellamt beschäftigt sich aus formalen Gründen (zu geringer Umsatz) gleich gar nicht mit dem Fall. Das erscheint etwas fragwürdig in digitalen Zeiten, da neue Geschäftsmodelle mit zunächst kleinen Umsätzen den Markt zementieren können.

Trotzdem ist die Fernbus-Branche keine Monopol-Branche. Auch Flixbus kann die Preise nicht beliebig hochschrauben. Zwar hat man kaum mehr Konkurrenz im eigenen Lager, wohl aber bei allen anderen, deren Geschäft es ist, die Leute von A nach B zu bringen. Als da sind: Billig-Airlines, die sich zunehmend auch auf innerdeutsche Flüge verlegen; Carsharing in den Ballungszentren; Mitfahrgelegenheiten, die per Smartphone schnell zu haben sind; das Auto, das bei niedrigen Spritpreisen immer konkurrenzlos ist.

Und nicht zuletzt Rüdiger Grubes Bahn. Die Fernbus-Revolution war ein Angriff auf die staatliche Bastion Bahn, die man vor unliebsamer Konkurrenz geschützt hatte. Mit der Folge, dass sie Monopol-Preise verlangen konnte. Dieses Monopol haben die Fernbusse buchstäblich plattgemacht. Der Verbraucher profitiert davon. Auch die Bahn umgarnt ihn jetzt mit Billigtickets.

Wenn nach dem Fernbus-Monopoly die Preise mäßig steigen, ist dies immer noch gut. Der Markt ist bereinigt, die Firmen haben ihr Auskommen und jeder kann von A nach B gelangen. Mobilität ist ein Merkmal der modernen Zeit. Sie war nie größer und volksnaher als heute.

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15.08.2016, 06:00 Uhr
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