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Zukunft ist jetzt

Mitarbeiter 4.0

Das rote Sofa der Tübinger Firma itdesign ist ziemlich bekannt. Ob auf dem Stadtbus, in Leuchtreklamen, auf dem Monitor in ihrer Eingangshalle oder aber bei Image-Anzeigen: Mit dem Slogan „Nehmen Sie Platz“ werben die Tübinger für neue Mitarbeiter für ihr Unternehmen und sind damit seit mittlerweile 20 Jahren ganz schön erfolgreich.

19.07.2019

Von TEXT: Simone Maier|FOTOs: Unternehmen

Dieser Blick haut selbst alt eingesessene Tübinger um: von der Dachterrasse der Software- Firma itdesign sieht man etliche Highlights, die Tübingen zu bieten hat. Direkt an der Blauen Brücke gelegen, gibt die Terrasse nach Osten den Blick über den Neckar hinunter bis zum Stauwehr frei, nördlich ist der Österberg mit den imposanten alten Studentenverbindungen zu sehen, weiter geht es Richtung Tübinger Schloss, dazwischen blitzt sogar das Tübinger Klinikum durch und den Blick Richtung Ammertal kann man erahnen.

Noch schöner ist, dass die Mitarbeiter von itdesign die Terrasse gut und gerne nutzen. Nicht selten wird auf der Dachterrasse gegrillt. Eine Mitarbeiterin mit grünem Daumen sorgt für die Begrünung und die Outdoor-Möbel sind gleich aufgestellt. „Auch für Veranstaltungen ist diese Location hier oben einfach toll“, so Andreas Günzel, verantwortlich für die Personalabteilung im Unternehmen. „Dieser Standort ist ein echter Glücksfall für uns. Überhaupt war das gesamte Neubau-Projekt für mich ein großes Lehrstück“, so Günzel, der vor elf Jahren als Student im Unternehmen angefangen hat. Seine Karriere bei itdesign ist ein Paradebeispiel dafür, wofür das Unternehmen stehen möchte. Sie nennen es „itdsein – unsere Werte.“ Wertschätzung für die Mitarbeiter, das ist das Credo der jungen Chefs. Das Wachstum der Firma soll gleichzeitig auch für jeden Mitarbeiter ein Wachstum in seiner Persönlichkeit und an seinen Aufgaben sein. In den letzten 20 Jahren ist die Firma kontinuierlich gewachsen. An Umsatz gleichwohl wie an Mitarbeitern und Standorten. Im letzten Geschäftsjahr konnte idesign einen Umsatz von 17 Millionen Euro verzeichnen, 140 Mitarbeiter und Standorte in Tübingen, Zwickau, gerade neu eröffnet in Hamburg sowie Dependancen in Kanada und USA.

Erst 2016 sind die itdesign-Mitarbeiter in Tübingen in ihr neues Firmengebäude eingezogen – und doch wird es schon langsam wieder eng. Die Dachterrasse mit Traumblick ist eines der Highlights der modernen Architektur.

Das Unternehmen tut viel dafür, gute Mitarbeiter zu finden und noch mehr, die guten Mitarbeiter zu halten. Die Geschäftsführung von itdesign sind Jörg Leute und Johannes Koppenhöfer, die die Firma „als gemeinsames Projekt zu studentischen Zeiten“ vor zwanzig Jahren gegründet haben. Erst vor zwei Jahren hat ein weiteres itdesign-Urgestein, Christoph Adamczyk, das Team der Geschäftsführung verstärkt. Seit über 18 Jahren ist auch er bereits an Bord. Letztes Jahr kam als vierter Geschäftsführer Christoph Hirnle dazu. Nur am Rande erwähnt: das Durchschnittsalter in der Firma beträgt 35 Jahre.

Finden und fördern

„Der Mix aus einer ehrlichen und wertschätzenden Arbeitsatmosphäre und gemeinsamen Aktivitäten außerhalb der täglichen Arbeit ist uns wichtig“, so Günzel. Jedes Jahr geht es deshalb mit der ganzen Mannschaft in eine europäische Metropole. Dieses Jahr war es Paris, letztes Jahr Lissabon. Die Reise dorthin, die Unterkunft, die Verpflegung bis hin zu einem Event vor Ort werden vom Unternehmen gesponsort. Auch sind die Mitarbeiter am Geschäftserfolg beteiligt: Je mehr Geld in die Kasse kommt, desto mehr Geld auf dem Lohnzettel. Das sind nur zwei von einer ganzen Menge wertschätzender Maßnahmen. Ein Hochzeitsbonus, Unterstützung bei den Kinder-Betreuungskosten, eine Kooperation mit dem nahegelegenen Fitnessstudio, Obst und Getränke for free sowie sehr individuelle Teilzeitmodelle sind weitere Mitarbeiter- Goodies.

„Wir haben unheimlich viele schlaue Köpfe, die es da einzusetzen gilt, wo sie am besten sind“, so Günzel. Und genau das ist auch seine Aufgabe. Das ist HR 4.0. Das ist Personalarbeit im 21. Jahrhundert. Hier geht es nicht um bloße Auftragsabarbeitung sondern darum, jeden einzelnen und damit die Firma immer weiterzutreiben. Das Ziel der Firma: die Kunden mit intelligenten Lösungen dabei zu unterstützen, ihre Kundenbeziehungen zu verbessern, Entscheidungen zu vereinfachen und den Unternehmenswert zu steigern. Wie geht das? Mit einem ausgeklügelten Customer Relationship Management (CRM) und einem Project Portfolio Management (PPM) und seit wenigen Jahren mit der eigens entwickelten „Meisterplan“-Lösung, einer cloudbasierten PPM-Lösung für effektive Verwaltung umfangreicher Projektportfolios und das Ressourcenmanagement. „Damit ist uns ein echter Coup gelungen“, ist Günzel begeistert. „In nur sieben Jahren haben wir damit eine Vielzahl von internationalen Top-Kunden glücklich gemacht.“ Aber was muss man noch so alles tun, um die besten ITler respektive Programmierer zu bekommen? „Die Talente am besten ganz früh an uns binden,“ so Günzel. Das heißt konkret: Projekte mit den umliegenden Hochschulen einstielen, Praxis und Theorie früh miteinander verzahnen und Projektmanagement-Seminare mit bis zu 25 Studenten in der Firma abhalten. Oder aber Programmierwettbewerbe veranstalten „Code-IT“ so das Code-Wort. Erst wird online selektiert, dann werden die besten 20 eingeladen, die dann in einem Echtzeit-Wettbewerb gegeneinander antreten. Über drei Stunden hinweg wird dann die effizienteste Handelsroute für ein Boot programmiert. Je besser der Algorithmus, desto besser und effizienter die Route. Jakob Jarosch (28) hat 2011 an einem solchen Wettbewerb teilgenommen und ist heute fest angestellt bei itdesign. Er hat den Wettbewerb damals gewonnen – „klar, dass man ein solches Talent niemals ziehen lassen darf“, schmunzelt Günzel.

Am Bewerbungsprozess an sich hat sich in den letzten Jahren sehr viel geändert. Wälzte man früher Bewerbungsmappen, so läuft heute vieles erst einmal digital. „Bei uns gibt es dann ein Telefoninterview und oder eine Programmieraufgabe“, so Günzel. Danach kommt ein Gespräch in der Fachabteilung. Viele Unternehmen vergessen noch immer, dass der Kandidat in erster Linie mit den neuen Kollegen und nicht mit dem, der sie einstellt, zusammenarbeitet und dass dort die Chemie stimmen muss. „Deshalb auch der Kennenlerntag“, sagt Günzel. „Dann geht man nach dem fachlichen Austausch auch mal zusammen Mittag essen und fragt die Kollegen nach ihrer Meinung. Das künftige Team zu involvieren halte ich für enorm wichtig“, sagt der Personaler. Ein toller Coup ist der Firma vor nicht allzu langer Zeit widerfahren. Von einem Mitbewerber kam der neue CTO nach Tübingen. „Er hat die IT erstmal auf links gedreht, aber das tut uns gut“, ist Günzel überzeugt. So wie er eh davon überzeugt ist, dass er einen spannenden Entwicklungsprozess bei itdesign mitmacht. Und doch freut es ihn immer wieder, wenn er Talente gewinnen kann. „Vom Daimler Leute nach Tübingen zu holen finde ich schon stark“, schmunzelt er.

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Erstellt:
19. Juli 2019, 00:59 Uhr
Aktualisiert:
19. Juli 2019, 00:59 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 00:59 Uhr

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