Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Wirtschaft

Mit neuen Bilanzen zur Revolution

Die „Gemeinwohlökonomie“ will über Bilanzen die Gesellschaft verändern, erklärte Christian Felber im Weltethos-Institut.

01.04.2017
  • koe

„Die Käsetheke schien fünf Meter lang zu sein, wegen des großen Angebots“, erinnerte Wolfgang Sickler an die Anfänge des Tübinger Marktladens, der sich vor 25 Jahren noch in der Kelter befand – und gerade einmal 16 Quadratmeter groß war. Nach mehreren Umzügen hat er sich deutlich vergrößert. Das zeige, dass man es mit dem richtigen Konzept schaffen könne, „dass kritische Verbraucher solche Angebote wahrnehmen“. Sickler ist Geschäftsführer der regionalen Bioland-Erzeugergemeinschaft Rebio und führte am Donnerstag im Weltethos-Institut vor rund 150 Gästen in das Thema des Abends ein: Gemeinwohlökonomie (GWÖ).

Lange Zeit habe es keine Strukturen gegeben, um ökologisch angebaute Lebensmittel an den Mann oder die Frau zu bringen – obwohl die Nachfrage da gewesen sei. Durch Rebio kamen Bio-Landwirte mit Mühlen, Bäckern und Metzgern aus der Region zusammen. „Die Landwirte erfahren ein faires Miteinander“, sagte Sickler. Die Geschäftsbeziehungen seien langfristig, es herrschten flache Hierarchien und gerichtliche Auseinandersetzungen gebe es praktisch nie. Zudem werde höchstens ein kleiner Gewinn angestrebt: „Ziel ist in der Regel die schwarze Null.“

Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung beantworten 88 Prozent der Deutschen die Frage „Brauchen wir eine neue Wirtschaftsordnung?“ mit Ja. „Wir haben zwar keine wirtschaftliche, aber eine Sinnkrise, eine Wertekrise“, sagte Christian Felber, der dem Publikum das von ihm mitbegründete Projekt der GWÖ vorstellte.

Im Kern geht es um Folgendes: Unternehmerischer Erfolg soll nach Felber nicht mehr allein in Geld gemessen werden. Wenn es nur um Profit gehe, würden ökologische Grenzen des Planeten ignoriert und Arbeit ihres Sinns entleert. Die Wirtschaft solle aber kein Selbstzweck sein, sondern „ein dienendes Instrument“. Auch Geld und Kapital seien bloße „Mittel“, die prinzipiell auch ganz anders wirken könnten als gegenwärtig, so der Philosoph, der selbstbewusst betonte, kein Ökonom zu sein.

Unternehmen sollten soziale und ökologische Kriterien in ihre Bilanzen aufnehmen, so Felber. Je vorbildlicher, desto mehr Punkte bekommt eine Firma. 2230 Unternehmen „unterstützen“ die GWÖ laut Felber und rund 400 erstellen eine solche „Gemeinwohl-Bilanz“.

Dass die Leistung einer Volkswirtschaft im Bruttoinlandsprodukt und der Erfolg eines Unternehmens als finanzieller Gewinn gemessen wird, ist laut Felber ein „Methodenfehler“ der Ökonomen – und nicht logischer Ausdruck dessen, wie das herrschende Wirtschaftssystem nun einmal funktioniert. Die unternehmerische Konkurrenz auf dem Markt möchte Felber nicht abschaffen. Kritiker sagen deshalb, die GWÖ diene lediglich dazu, das Image von Unternehmen aufzuhübschen, ohne etwa zyklischen Krisen im Kapitalismus tatsächlich ein Ende bereiten zu können.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.04.2017, 01:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular