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Sinfoniekonzert

Mit größter Hingabe

Tod und Verklärung: Teodor Currentzis dirigiert in Stuttgart begeisternd Strauss und Mahler.

15.02.2020

Von JÜRGEN KANOLD

Teodor Currentzis: In der Liederhalle viel Beifall fürs Orchester vom Chef. Foto: SWR/Nadia Rosenberg

Stuttgart. Was für ein Programm! Zwei Riesenklangwerke: „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss und dann keine Auferstehung, sondern noch so ein heldisches Lebensdrama, die 1. Sinfonie Gustav Mahlers. Spätromantische und frühmoderne Tonmalerei, aber für den ganz großen Apparat. 113 Musikerinnen und Musiker zählte das Programmheft auf, als Teodor Currentzis am Donnerstagabend in der Stuttgarter Liederhalle das SWR Symphonieorchester dirigierte. Und sie gehen damit auch auf Europa-Tournee, 13 Konzerte insgesamt, bis Wien, Luzern, Madrid und Paris. Currentzis, der Superstar mit den roten Bändeln in den Springerstiefeln, lockt.

Die Tondichtung von Strauss zunächst, das Sterben eines Künstlers: wie ein Leben vorüberzieht in der Erinnerung, der Puls aussetzt, aber in C-Dur alles pathosvoll gut wird, zumindest in der Verklärung. Was macht Currentzis daraus? Er dehnt zunächst mal das Tempo, bis den Bläsern fast die Luft ausgeht, aber Strauss lässt sich nicht so exzessiv interpretieren. Der war der geniale Handwerker unter den Effekt-Instrumentationskünstlern: alles da. Es muss nur gespielt werden, in raffinierter Klangpracht. Eine starke Aufführung, aber in der Strauss-Disziplin agiert das SWR Symphonieorchester nicht in der Weltklasse.

Was Currentzis aber mit Mahler machte, war wieder sensationell. Und seine Musikerinnen und Musiker spielten das erneut mit existenzieller Hingabe. Dieser Mix aus Naturstimmenlaut und Gefühlsausbruch, aus trivialem Straßenrealismus und geistvollem Künstlertum, aus Fratzenhaftem und Sinnlichkeit, aus Lied und derber Attacke – das ist Currentzis, das lebt er mitreißend aus. Besonders beeindruckend: der erste Satz der „Titan“-Sinfonie, diese kreatürliche Schöpfungsgeschichte. Und der dritte Satz, der mit dem „Bruder-Jakob“-Zitat beginnt, der die Heurigenmusik schlenzt und eine Blaskapelle vorbeimarschieren lässt: Currentzis erzählte das bildhaft, nicht verklärend, sondern aufwühlend. Riesenjubel. Und wieder eine Nachtmusik als Zugabe: Giacinto Scelsis „Okanagon“ für Harfe, Kontrabass und Tamtam. jük

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Erstellt:
15. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2020, 06:00 Uhr

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