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Mit drei siegreichen Clustern wurde Tübingen zur erfolgreichsten Universität in Baden-Württemberg
Symbolbild: Schweizer
Entscheidung: Tübingen ist jetzt dreifach exzellent

Mit drei siegreichen Clustern wurde Tübingen zur erfolgreichsten Universität in Baden-Württemberg

Es war ein knappes Rennen, das betonten am Donnerstag alle Vertreter der Exzellenzkommission auf ihrer Pressekonferenz in Bonn, aber für Tübingen lief es glänzend. Mit fünf Cluster-Anträgen war die Universität ins Rennen gegangen, drei brachte sie durch.

27.09.2018
  • Ulrich Janßen

Für überschäumende Euphorie ist Rektor Bernd Engler nicht bekannt. Doch nach der Entscheidung der Exzellenzkommission, das gestand er am Abend vor der Presse, habe er doch das „eine oder andere Getränk alkoholischen Inhalts zu sich genommen“. Kein Wunder: Von fünf Forschungs-Anträgen, die in die Vorauswahl kamen, brachte die Tübinger Universität drei durch. Die Infektionsbiologen, die Onkologen und die Vertreter des Maschinellen Lernens überzeugten die Experten der Kommission mit ihren Anträgen. Sie können jetzt ab 1. Januar 2019 zusammen auf jährlich gut 20 Millionen Euro extra hoffen. Nicht zum Zuge kamen in Bonn die Empirischen Bildungsforscher und die Sprachwissenschaftler – die letzten verbliebenen Vertreter aus dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Mit diesem Ergebnis liegt die Eberhard Karls Universität in Baden-Württemberg unangefochten an der Spitze aller Hochschulen und bundesweit unter den Top 3 der Unis. Nur Bonn und Hamburg schafften einen Cluster (so nennt man die modernen Forschungsverbünde) mehr. Wichtigster Grund für den Erfolg ist laut Engler, dass sich in Tübingen in den letzten zehn Jahren eine „Kultur der Kooperation und des Commitments“ (was man mit Selbstverpflichtung nur annähernd übersetzen kann) entwickeln konnte: „Die Universität wird heute als Gemeinschaftsunternehmen gesehen.“ Der Rektor lobte aber auch seine Verwaltung und die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit Partnern wie den Max-Planck-Instituten, dem Institut für Wissensmedien oder dem Universitätsklinikum.

Mit drei siegreichen Clustern wurde Tübingen zur erfolgreichsten Universität in Baden-Württemberg
Exzellente Stimmung herrschte am Donnerstagabend im Kleinen Senat. Es freuten sich (von links): Wolfgang Rosenstiel, Dekan der Naturwissenschaften, die Informatikerin Ulrike von Luxburg, Rektor Bernd Engler, Krebsforscher Lars Zender und Klinikumsvorstand Michael Bamberg. Bild: Janßen

Dessen Chef Michael Bamberg machte keinerlei Anstregungen, seine Freude zu verbergen. Immerhin sind zwei der drei siegreichen Forschungsverbünde zu großen Teilen im Uniklinikum angesiedelt. „Wir sind sehr stolz“, sagte Bamberg. Und betonte die „symbiotische“ Nähe zur Universität, die durch den Exzellenzprozess vertieft worden sei: „Wir fühlen uns der Tübinger Universität außerordentlich eng zugehörig.“ Bamberg würdigte auch den Beitrag von Bernd Engler: „Der Erfolg verdankt sich der Hartnäckigkeit und Penetranz unseres Rektors.“

Der Onkologe Prof. Lars Zender, der den Cluster „Individualisierung von Tumortherapien“ vertritt, war besonders stolz, dass Tübingen bundesweit als einzige Universität im Bereich der Krebsforschung erfolgreich war. Zender betonte, dass die Onkologen viel Wert darauf legten, Forschungsergebnisse „in absehbarer Zeit“ Patienten zugute kommen zu lassen.

Prof. Andreas Peschel vertrat den Cluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“. Auch dessen Forschungsergebnisse seien sehr anwendungsnah. Die Infektionsbiologen wollen neuartige Therapien gegen Erreger entwickeln, die mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können. Wie Engler betonte auch Peschel die Bedeutung der Zusammenarbeit in Tübingen: „Wir sind so stark geworden, weil die Universität uns geholfen hat, über die Fachgrenzen hinwegzukommen.“

Relativ spät waren die Mathematiker und Informatiker ins uniinterne Rennen um die Exzellenz eingestiegen. Doch fanden sie in Bernd Engler einen so aufgeschlossenen Zuhörer, dass sie ihre Bewerbung mit dem ausreichenden Schwung voranbringen konnten. Im Cluster „Maschinelles Lernen“ sollen Methoden entwickelt werden, um große Datenmengen zu erschließen. Interessant ist das für Bildungsforscher ebenso wie für Mediziner. „Es gibt überall Daten“, erklärte Prof. Ulrike von Luxburg, „die schwer auszuwerten sind.“ Sie hofft auf eine „fruchtbare Zusammenarbeit“ mit Wissenschaftlern aus anderen, auch geisteswissenschaftlichen Disziplinen.

Dass die Geisteswissenschaften, einst der Stolz der Tübinger Universität, vom Exzellenz-Ruhm und -Geld so wenig profitieren können, war Prof. Jürgen Leonhard, dem Dekan der Philosophischen Fakultät, anzumerken. Er war der einzige in der Runde, der etwas melancholisch dreinschaute. Umso mehr bemühte sich Engler, von Haus aus Anglist, die Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften für die Universität herauszustreichen: „Wir brauchen diese Disziplinen als Reflexionsinstanzen.“ In der Konkurrenz großer, international ausgerichteter Forschungsverbünde täten sich Geisteswissenschaftler naturgemäß schwerer, meinte Engler, aber die DFG habe speziell den Tübingern immer wieder eine hohe Qualität in der Forschung bescheinigt. „Eine klassische Universität“, meinte Engler, „tut gut daran, diese Fächer nicht zu vernachlässigen.“

Jetzt fehlt nur noch ein Titel zur Elite-Uni

Dank der drei Exzellenz-Cluster hat die Tübinger Universität gute Chancen, auch in der zweiten, nicht nur fürs Image enorm wichtigen Förderlinie Erfolg zu haben. Sie würde der Hochschule noch einmal gut zehn Millionen Euro pro Jahr einbringen. Nur elf Universitäten werden in dieser Runde ausgewählt und können sich dann mindestens sieben Jahre mit dem Titel der „Exzellenz-Universität“ schmücken. Bis zum 10. Dezember müssen die Unis sich dafür bewerben, die Entscheidung fällt am 19. Juli 2019. Voraussetzung für eine Bewerbung ist der Nachweis von mindestens zwei Clustern. Das schaffen nach dem gestrigen Entscheid 17 Unis und zwei Universitätsverbünde.

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27.09.2018, 17:06 Uhr
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