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In Kutten durchs Kloster

Mit dem Sommerferienprogramm in Bebenhausen: Auch Mönche müssen mal

Wer vorgestern das Bebenhäuser Kloster besuchte, dem bot sich ein ungewöhnlicher Anblick: Zehn Jungen und Mädchen im Alter von acht bis elf Jahren, die unter dem Motto „Auch Mönche müssen mal“ in braunen Mönchskutten in das Alltagsleben der Zisterzienser geschlüpft waren.

13.08.2014

Von Lisa Hellriegel

Bebenhausen. Die Kälte in einem mittelalterlichen Kloster, das nur einen beheizbaren Raum hatte, lässt sich bei schönstem Augustwetter nur schwer nachvollziehen. Dazu braucht es auch noch etwas Fantasie, zu der die Teilnehmer des Tübinger Sommerferienprogramms sanft angeleitet wurden. Sechs Stunden lang versetzten die Veranstalter der Klosterführung für Kinder die angemeldeten Jungen und Mädchen spielerisch in den typischen Alltag von mittelalterlichen Mönchen.

Der Tag begann, wie im richtigen Leben, im Schlafsaal, dem sogenannten Dormitorium. Von dort aus erkundeten die Novizen mit orientierenden Erklärungen zunächst Klosterkirche und Kapitelsaal, in dem jeden Morgen ein Kapitel der Benediktiner-Regel vorgelesen wurde. Da die echten Zisterzienser-Mönche sich selbst als Reform-Benediktiner sahen, die sich auf die Ordensregeln rückbesinnen wollten, so Schlossführerin Miriam Lubberger, lebten sie streng danach. So war ihnen beispielsweise Sprechen und der Verzehr von vierbeinigen Tieren verboten.

Schweigegelübde mit Ausnahmen

Wie ein Schweigegelübde sich anfühlt, konnten die Teilnehmer der Führung unterwegs mit Pantomime-Einlagen ausprobieren. Wie geht feiern ohne Worte? Oder Zwiebel schneiden? Solche Aufgaben sollten die Jungen und Mädchen ausprobieren. Ziemlich schnell war ihnen bewusst, wie nützlich es doch ist, ab und zu sprechen zu können. Das durften sie nämlich im Parlatorium. In diesem Sprechzimmer war nämlich das Sprechverbot aufgehoben. Hier konnten einst die Mönche ihre wichtigen Angelegenheiten besprechen.

Auch beim Essen im Refektorium musste geschwiegen werden. Unterdessen las ein Mönch aus der Bibel vor. Das war keine beliebte Aufgabe, wie Klosterführer Urs Meyer erklärte, sondern eine Strafe, da der Vorleser erst nach den anderen essen konnte.

Kompliziert war beim Essen insbesondere die Sitzordnung, da der Benediktiner-Regel zufolge kein Mönch dem anderen den Rücken kehren darf. Kein Problem, fanden die Teilnehmer der Führung: „Man kann sich ja einfach in einen Kreis setzen“. So ähnlich hatten auch die Zisterzienser dieses Problem gelöst, indem sie „in U-Form“ saßen, so Urs Meyer.

Auf dem Speiseplan stand neben Fisch aus dem Klosterteich, gewürzt mit selbst angebauten Kräutern, vor allem Weizenschleimbrei. Da er aber „eher selten auf Begeisterung stößt“, wie Miriam Lubberger sagte, gab es davon zum Mittagessen nur eine Kostprobe. Lieber ging man dann zum Grillen in den Wald.

Die handwerkliche Seite des Mönchslebens

Am Nachmittag sollten die Teilnehmer die handwerkliche Seite des Mönchslebens entdecken. Diese bestand neben der Arbeit in der Glasbläserei und Töpferwerkstatt des Klosters auch aus dem Kopieren von Schriften. So hatten die Kinder die Möglichkeit, mit Naturfarben, die nach historischem Vorbild aus Steinen und Pflanzen hergestellt wurden, eine Urkunde zu zeichnen und sie dann anschließend in ein selbst gebasteltes Buch aus Holz einzuheften. Als Erinnerung durfte es mit nach Hause genommen werden.

So jung sind Mönche nur im Sommerferienprogramm. Im Kloster Bebenhausen mussten sie nicht nur beten und arbeiten, sondern zeitweise auch schweigen. Bild: Faden

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Erstellt:
13. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. August 2014, 12:00 Uhr

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