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Königin Silvia von Schweden besucht immer wieder unerkannt ihre Geburtsstadt

Mit dem Herzen in Heidelberg

20.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heidelberg. Wie auf Knopfdruck erzählt Hans-Peter Mathes von einer „wirklich ganz tollen Frau“. Sie sei „ein absolut liebenswerter Mensch, volksnah und beliebt, unglaublich sympathisch, halt eine ganz normale Heidelbergerin“. Der Florist aus dem Stadtteil Handschuhsheim spricht über eine Nicht-mehr-ganz-Einheimische, Silvia Renate Sommerlath ist schließlich schon seit 40 Jahren Königin von Schweden.

Hans-Peter Mathes (59) kennt die berühmteste „Tochter der Stadt“ sehr gut, hat er doch schon seit Jahrzehnten mit ihrer Familie zu tun. Er brachte schon Bukette ins Haus mit der Nummer 10 an der Wilckensstraße in Neuenheim, als Silvia noch mit ihrer Familie dort wohnte. Heute erinnert kein Schild daran, dass in dem unscheinbaren Gebäude die spätere Königin gelebt hat, mit Eltern und drei Brüdern.

Vater Walter, Mutter Alice und Bruder Jörg sind auf dem Friedhof in Handschuhsheim beerdigt. Der Stein mit den drei Namen ist aus dem Granit der Insel Öland gebrochen, wo das Feriendomizil der Königsfamilie steht. Florist Hans-Peter Mathes kann von seinem Laden auf das Grab schauen, er ist für die Pflege verantwortlich – in königlichem Auftrag. Silvia von Schweden lässt sich nicht nur darüber informieren, dass derzeit Dipladenia in verschiedenen Sorten und Größen blühen. Wann immer es ihr möglich ist, kommt sie persönlich vorbei. „Manchmal viermal im Jahr, wie es eben gerade passt“, verrät Mathes. Außer ihm wird nur die Polizei informiert, die Öffentlichkeit bekommt davon meistens nichts mit.

Mit Mathes verbindet die Monarchin eine besondere Form des Vertrauens. Den Blumenspezialisten aus der Stadt, in der sie am 23. Dezember 1943 geboren wurde, engagiert sie für alle wichtigen Familienfeiern. Mathes schmückte die Kirche bei der Hochzeit von Kronprinzessin Victoria ebenso wie bei Bruder Carl Philip und Schwester Madeleine. Auch vor Taufen fährt er nach Stockholm. Wenn am 9. September Alexander, der Sohn von Carl Philip und Sofia, getauft wird, gehört der Heidelberger auf Wunsch der gekrönten Oma wieder zu dem Team, dessen dekorative Hochleistung die Leser bunter Blätter in aller Welt bestaunen können.

„Das ist halt die Verbundenheit der Königin zu Heidelberg“, erklärt er seinen außergewöhnlichen Einsatz. Silvia weiß, dass sie sich auf ihren Landsmann verlassen kann. Ihre Handynummer hat er in einem Tresor eingeschlossen. Ob am Telefon oder im Schloss Drottningholm, Silvia hört gerne den vertrauten Dialekt aus der Kurpfalz. „Des verschteh ich doch aa“, sagte sie zu Mathes, als dieser mal wieder im heimischen Idiom plapperte.

„Ihre Majestät hat Heidelberg auf der Festplatte, sie kommt gerne her“, weiß Mathes. „Es heißt, ich habe ein brasilianisches Herz, einen deutschen Kopf und eine schwedische Seele“, sagte die Königin in einem Interview. Als vierjähriges Mädchen zog sie mit der Familie nach São Paulo, nach der Rückkehr 1957 besuchte sie die private Elisabeth-von-Thadden-Schule in Heidelberg-Wieblingen, legte ihr Abitur in Düsseldorf ab. Sie studierte im Münchner Dolmetscher-Institut, beherrscht sechs Sprachen, lernte als Chef-Hostess bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München den schwedischen Kronprinzen Carl Gustav kennen. „Es hat Klick gemacht“, verriet sie einmal über den Beginn der Beziehung mit dem drei Jahre jüngeren Thronanwärter. Seit 19. Juni 1976 sind die populären „Royals“ verheiratet. Die Deutsche wurde mit dem ABBA-Hit „Dancing Queen“ willkommen geheißen. Zum privaten Glück gehören drei Kinder und fünf Enkel. Das besondere Engagement der Königin gilt der 1999 gegründeten „World Childhood Foundation“, einem Kinderhilfswerk. Drei Jahre zuvor legte die Königin den Grundstein für das „Silviahemmet“ mit Betreuungskonzepten für Demenzkranke und deren Angehörige.

Wie beliebt Silvia in Schweden ist, beweisen Besucher, die beim Urlaub in Tyskland einen Abstecher zum Familiengrab in Handschuhsheim einplanen. Manche lockt die schwedische Fahne in Mathes Geschäft, wo sie eine Ecke voller Devotionalien und Dankschreiben finden.

Die Königin ist Schirmherrin der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft (300 Mitglieder) in Heidelberg, weil die Vorsitzende Margret Dotter sie persönlich darum bat – und zwar in einem Schreibwarenladen der Altstadt. Sie gab auch ihren Namen für das neueste und schönste Schiff der „Weißen Flotte“ auf dem Neckar, 59 Meter lang, elf Meter breit ist die 3,5 Millionen Euro teure „Königin Silvia“. Dieser Ausflugsdampfer tuckert bis Eberbach, wo im Café Victoria wieder jene Torte gebacken wird, von der 1976 ein gutes Dutzend zur Hochzeitsfeier nach Stockholm geschickt wurde. Der Konditor Heinrich Strohauer gilt als Erfinder des Tortenversands, tiefgefroren und mit Styropor geschützt. Auch zur Heirat von Victoria und Daniel ging eine süße Fracht ins Schloss. „Die Annahme wurde nicht verweigert“, erinnert sich Tochter Birgit stolz.

Auf dem Schiff, das ihren Namen trägt, wurde die Königin unter den maximal 600 Passagieren noch nicht gesehen. Spazierte sie durch Heidelberg, vorbei am Rathaus, wo sie sich 1979 und 1986 im goldenen Buch verewigte, wäre nicht sicher, dass sie auch erkannt würde. Hans-Peter Mathes begleitete Silvia und ihren Mann Carl Gustaf („auch ein ganz Netter“) zum Mittagessen nach Ladenburg. Die Wirtin des „Güldenen Stern“ schickte die prominenten Gäste, die sie nicht identifiziert hatte, wegen ausreichend Arbeit für eine Hochzeitsgesellschaft weg. Das adlige Paar ließ sich eine Pizza beim Italiener nebenan schmecken. Silvia soll sich königlich amüsiert haben. Weniger „amused“ war sie über einen Bericht der Heimatzeitung zum 70. Geburtstag. „Die können ja nicht einmal meinen Namen schreiben“, kommentierte sie etwas pikiert einen peinlichen Druckfehler. In der Überschrift stand „Siliva“.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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