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Instacops

Mit dem Handy auf Streife

Manche Polizisten inszenieren sich in den sozialen Medien und haben damit großen Erfolg. Ihre Chefs wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

20.09.2019

Die beiden Polizeikommissare Isabel und Felix sind für die Polizei Kaiserslautern auf der Social-Media-Plattform Instagram am Start. Foto: Polizeipräsidium Westpfalz

Ulm. Bitte folgen“, steht auf dem Dachbalken, die Sirene leuchtet blau. Nur das Martinshorn ertönt nicht. Kann es auch nicht, weil die Sirene nur ein kleiner Icon auf einem Instagram-Foto ist. Und der zugehörige User Copofberlin ist nicht etwa auf der Jagd nach Verbrechern, sondern nach neuen Followern.

„Instacops“ sind keineswegs nur Gesetzeshüter auf social Media: Copofberlin fährt auch im realen Leben auf Streife. Fotos von sich in Uniform lädt er etwa unter „auf geht's in die Nacht“ oder „der frühe Vogel fängt den (kriminellen) Wurm“ hoch. Aber auch in Alltagssituationen ist er auf seinem Account zu sehen: mit Hund Sancho, in der Disco oder beim Sport. Das kommt an: 6500 Abonnenten hat der Berliner bereits gesammelt.

Eigentlich sind die Instacops also ganz normale Influencer. Doch es herrscht Verunsicherung: „Was darf man, was darf man nicht?“, postete jüngst Bereitschaftspolizistin_berlin. „Im Zusammenhang mit Straftaten oder Verstößen gegen andere beamtenrechtliche Vorgaben, ist es klar, dass dies Folgen hat“, schreibt die Userin weiter. Wie andere Beamte auch, müssen sich Polizisten beispielsweise in ihrer Meinungsäußerung mäßigen.

Doch die Dienstherren vom Berliner Polizeipräsidium gehen noch weiter. Sie haben eine Sonderprüfung der Social-Media-Aktivitäten ihrer Angestellten beantragt. Dabei geht es auch um etwaige Verstöße gegen dienstrechtliche Pflichten. Ob zum Beispiel während der Arbeitszeit gepostet wird. Und ganz grundsätzlich: Ob sich das Dasein als Polizist mit dem eines Influencers vereinbaren lässt.

„Finde mache Postings einiger „Instacops“ sehr grenzwertig. Wir sind Polizeibeamte. Keine Werbefiguren“, kommentiert jemand bereitschaftspolizistin_berlins Beitrag. Der Mann, der sich auf seinem Profil ansonsten nicht als Polizist zu erkennen gibt, bringt das Problem auf den Punkt: Viele Instacops verdienen mit ihren Profilen Geld oder bekommen zumindest Gratisprodukte für Werbung. Ist das mit der Stellung eines Polizisten in der Öffentlichkeit vereinbar?

Nadine Berneis kennt sich als Cyber-Polizistin mit den sozialen Medien aus. Seit Anfang des Jahres ist die Stuttgarterin aber auch die aktuelle Miss Germany. „Was wir nicht möchten, ist eine Vermischung von privaten und dienstlichen Inhalten“, heißt es beim zuständigen Innenministerium. Deswegen hat sich Berneis für ein Jahr vom Dienst freistellen lassen. Auf Instagram gibt es derzeit nur Bilder von ihren Shootings als amtierende Schönheitskönigin. Im nächsten Jahr will sie aber in Absprache mit ihren Dienstherren auch als Polizistin auf Instagram aktiv sein: „Dann will ich Storys aus dem Büroalltag posten, um Einblick in das Leben eines Polizeibeamten zu geben.“

Das Polizeipräsidium Westpfalz hat bereits solche „Job-Influencer“. Isabel Pelegri und Felix Brandt dokumentieren mit Erlaubnis des Arbeitgebers ihren Dienst in Kaiserslautern. Auf einem Bild fotografiert Pelegri einen blutigen Fußboden nach einer Blutprobe: „Wir als Polizei bekommen immer wieder die Gewaltbereitschaft einiger Menschen zu spüren“, schreibt sie dazu. Näheres dürfe sie nicht verraten, die Spuren stammten aber ausschließlich von der Blutprobe, versichert sie.

Die Berliner Kollegen gehen einen anderen Weg: Dort postet ein eigenes Social-Media-Team im Namen der Polizei. Statt eines Influencers tauchen so ganz viele verschiedene Gesichter auf dem Kanal auf. Für die Beamten mit privaten Accounts wollen die Berliner in Zukunft „verlässliche Leitplanken zur Nutzung von Social Media bieten“, so ein Pressesprecher auf Anfrage.

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Erstellt:
20. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 06:00 Uhr

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