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Tübingen · Nach dem Tod von Eugen Bári

„Mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Summe“

31 622 Euro kamen für die Familie des im Dezember gestorbenen Tübinger Straßenmusikers Eugen Bári zusammen.

11.01.2019

Von Moritz Hagemann

Der Tübinger Wilhelm Gugel zeichnete Eugen Bári (ganz rechts auf dem Gemälde) 2003 vor der Stiftskirche. Er bat Gottlob Munz, eingerahmt von Frau Rosemarie (links) und Heike Seubert, das Gemälde zu versteigern und das Geld an Báris Familie zu spenden. Das will Munz noch tun. Bild: Anne Faden

Kerzen legten die Menschen am Tübinger Nonnenhaus nieder, sie brachten Briefe, sogar der TAGBLATT-Nachruf auf Eugen Bári wurde aufgehängt. Der Straßenmusiker gehörte zum Stadtbild, und die Anteilnahme war groß, als er im Dezember mit 65 Jahren starb. Das Weihnachtsgeschäft hatte er noch mitnehmen wollen, ehe er sich in der Slowakei einer Operation unterziehen wollte. Doch sein Herz war zu schwach.

Stark dafür waren die Herzen der Menschen, die Bári mochten. Sein Tübinger Vermieter Gottlob Munz und dessen Frau Rosemarie initiierten eine Spendenaktion. „Wir haben gehofft, dass wir genug Geld für die Überführung in die Slowakei zusammenbekommen“, sagt sie. Bis zum vergangenen Mittwoch sind auf dem Konto 31 622,41 Euro eingegangen. „Mit allem haben wir gerechnet, aber nicht mit dieser Summe“, sagt Gottlob Munz. Menschen kamen sogar zur Tübinger Wohnung der Familie und spendeten vor Ort.

Die Tübingerin Heike Seubert war in den Tagen der Trauer ebenfalls am Nonnenhaus vorbeigekommen. „Ich habe sehr viele Menschen gesehen, die Anteil genommen haben“, berichtet sie. Sie fertigte kurzerhand eine Spendenkasse an. Und hinterließ am Platz, an dem Eugen Bári immer spielte, einen Zettel: Im Buchkaffee „Vividus“ schräg gegenüber könne gespendet werden – dort, wo Bári gerne mal einen Kaffee getrunken hatte. Nach Weihnachten bekam Seubert einen Anruf. Sie möge bitte die Kasse abholen, weil so viel Geld darin sei. Nach Silvester waren es dann fast 2800 Euro, die sie Munz anschließend überwiesen hat.

Immer wieder fuhr Bári nach Radzovce und lieferte Geld ab. Aus der ungarischen Minderheit stammend führt seine Familie dort ein hartes Leben mit wenig Aussicht auf Besserung. Seine Tochter, das älteste seiner drei Kinder, arbeitet als Reinigungskraft auf dem Wiener Flughafen und beherbergt auch seinen jüngeren Sohn. Ihr will Gottlob Munz die Summe nun überweisen. Sie hatte ihren Vater auch in Tübingen abgeholt und wieder hergebracht, als es ihm im Sommer schon schlechter ging. Der andere Sohn, der zwischenzeitlich bei ihm in Tübingen lebte, ist in die Slowakei zurückgekehrt.

Zunächst hatte Munz überlegt, das Geld persönlich in die Slowakei zu bringen. „Aber seine Tochter wirkt sehr vertrauenswürdig“, sagt er. Sie habe versprochen, den Betrag gerecht aufzuteilen. Der Großteil des Geldes, so mutmaßt die Familie Munz, dürfte in das Haus in der Slowakei investiert werden. Auch der Anzug, den sie Bári zur Beerdigung kauften, war eine finanzielle Herausforderung.

„Ich hätte es ihm so gegönnt, dass er dieses Geld zu Lebzeiten bekommen hätte“, sagt Seubert. Dann hätte sich Eugen Bári seinen größten Traum erfüllen können, für den er sogar bei Gottlob Munz um einen Kredit fragte: einmal keinen alten Franzosen, sondern einen BMW zu fahren. „Davon sprach er immer wieder“, sagt Gottlob Munz.

Dass Bári so beliebt war, führt Rosemarie Munz auf seine „altmodische Art“, auf das Sanfte und Freundliche, das Madame und Monsieur zurück, mit dem Bári oft Menschen ansprach. Eine Frau schrieb der Familie Munz, dass der Straßenmusiker sie stets mit einem Handkuss begrüßt habe. Einen solchen hätte Eugen Bári ganz sicher für alle übrig, die seine Familie nun unterstützen.

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Erstellt:
11. Januar 2019, 01:30 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2019, 01:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2019, 01:30 Uhr

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