Polizei riegelt Schlossgarten ab
Mit Wasserwerfern und Reizspray gegen Demonstranten
Die Polizei hat in Stuttgart mit einem Großaufgebot Teile des Schlossgartens abgeriegelt. Einige tausend Demonstranten sind in den Park gekommen, die Stimmung ist aggressiver als bei den bisherigen Protesten. Die Polizei setzt Reizgas und Wasserwerfer ein - auch gegen Schüler.
Stuttgart. Gerötete Gesichter, Leute die um Atem ringen und Schüler mit verquollenen Augen: Die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 und Polizisten sind seit Donnerstagmittag nicht mehr so friedlich wie bislang. Die Polizei geht mit Wasserwerfern und Reizgas gegen die Aktivisten vor. Auch Schüler sind verletzt worden.
Mit einem großen Aufgebot riegelte die Polizei am Donnerstagvormittag die Baustelle im Stuttgarter Schlossgarten ab. Dort soll die Grundwasseraufbereitungsanlage für Stuttgart 21 entstehen. Wie die Polizei mitteilt, sind auch die Bundespolizei sowie Beamte aus anderen Bundesländern im Einsatz. Die Polizei hat sich auf einen länger andauernden Schutz des Baugeländes eingerichtet.
Einige der Demonstranten sperrten mit kleineren Sitzblockaden die Wege, andere kletterten auf Baulaster und besetzten sie. Die Polizei räumte die Fahrzeuge recht rasch wieder. Auf Lautsprecherdurchsagen der Beamten reagierten die Demonstranten mit ohrenbetäubendem Protest. Andere riefen "Wir sind das Volk" und pfiffen wütend.
Mit zunehmender Zahl an Demonstranten griffen die Beamten härter durch. Sie setzten Reizspray und Wasserwerfern ein. Die anfangs recht weitläufige Demonstration wurde immer mehr zusammengezogen. Teilnehmer berichten, dass sie kaum vom Fleck kommen. Den Wasserwerfern und dem Pfefferspray könne man an manchen Orten nicht entgehen.
Zuerst war die Stimmung im Park vorwiegend friedlich gewesen, aber in der Nähe der blockierten Laster heizte sich die Stimmung mit der Zeit immer mehr auf. Aktivisten und Polizisten gerieten immer wieder leicht aneinander, später heftiger.
Auch mit Jugendlichen, die zuvor auf einer Schüler-Demo waren, gingen die Beamten wenig zimperlich um - die Jugendlichen werden behandelt wie Erwachsene. Ein 16-jähriger Schüler berichtete TAGBLATT-online weinend, dass ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht worden sei.
Die Polizei erklärte am Nachmittag, sie habe "vereinzelt Pfefferspray gegen Demonstranten" eingesetzt, die auf Einsatzfahrzeuge geklettert waren, diese blockierten oder das Aufstellen von Absperrgittern massiv behindern wollten. Dabei wurden einige Demonstranten verletzt. Beim Biergarten seien auch Wasserwerfer zum Einsatz gekommen: Demonstranten hätten die "die Zufahrt von Einsatzfahrzeugen ins Parkgelände verhindern wollen", so die Polizei.
Sie wirft den Projektgegnern vor Ort vor, selbst gewaltätig geworden zu sein: "Im Laufe der Demonstration benutzten einzelne Teilnehmer Reizgas gegen Polizisten und verletzten dadurch Beamte. Vereinzelt wurden Steine auf die Einsatzkräfte geworfen", schreibt die Polizei.
Wegen des für die Einsatzkräfte benötigten Platzes und zur Sicherung bleibt die Straße Am Schlossgarten bis auf weiteres gesperrt. Verkehrsteilnehmer sollten sich auf Verkehrsbehinderungen im Innenstadtbereich einstellen. Auch der Landtag ist seit dem Mittag abgesperrt. Bei der Schülerdemo sollen Beamte mit erhobenen Schlagstöcken auf zehnjährige Schüler zugestürmt sein, berichteten Augenzeugen von der Schülerdemo.
Die Gegner des Projekts sammeln sich weiter am Park: Sie haben den "Parkschützer-Alarm" ausgelöst. Wer sich in die Notfall-Liste eingetragen hat, bekam eine SMS mit der Auforderung: "Sofort in den Park kommen!!!"
Entsetzt reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf den heutigen Polizeigroßeinsatz im Stuttgarter Schlossgarten: "Wer keine Argumente mehr hat, schlägt zu", sagt Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des baden-württembergischen BUND-Landesverbandes. "Dass es zu dieser Eskalation kommt, hat Herr Mappus zu verantworten."
Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter häufen sich die Berichte über den Polizeieinsatz: Unter dem Hashtag "#S21" findet man zahllose Tweets zum Thema.
Livekameras der Projektgegner gibt es unter http://bambuser.com/channel/tilman36/broadcast/1053155 und unter http://www.fluegel.tv sowie aus www.cams21.de. Die Übertragungen brechen aber immer wieder zusammen. Für den Freitagabend, 19 Uhr, ruft das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zu einer Großdemo am Schlossgarten auf. Motto: "Unser Protest wird schärfer". In Tübingen wurde am Donnerstagabend über Twitter auf 18.30 Uhr zu einer Kundgebung am Hauptbahnhof mobilisiert - insgesamt versammelten sich rund 15 Jugendliche.
Weitere Artikel zu Stuttgart 21 auf www.tagblatt.de/s21

















